Semester in Lissabon / Portugal

Ich habe Lissabon von Anfang an geliebt und fühlte mich dort sofort wohl. Vielen anderen Austauschstudenten fielen die ersten Tage allerdings sehr schwer. Dies war wohl auch ein Grund, warum einige den Austausch abgebrochen haben. Ich denke jedoch, man sollte auf jeden Fall dran bleiben, selbst wenn es am Anfang schwer ist. Denn die Erfahrungen und Freundschaften, die man während Erasmus sammelt, sind unvergesslich.

Information über die Universität

ISEG ist eine Fakultät der Universidade Lisboa. Vorlesungen sowie Übungen finden lediglich in zwei Gebäuden statt und die Größe der Kurse sowie das Erscheinungsbild des Gebäudes gleichen eher einer Schule.

Das International Office ist super organisiert, sehr hilfsbereit und jederzeit ansprechbar. Für uns wurde ein Welcome Day veranstaltet, an dem Begrüßungsreden, eine Schiffstour und ein anschließendes Dinner mit typisch portugiesischen Gerichten und Musik organisiert wurden.

Während der Bewerbungsphase hat man auch die Möglichkeit, sich für einen kostenpflichtigen Portugiesischkurs (50€) anzumelden. Zudem gibt es nach sechs Wochen eine Midterm-Phase wie bei der MSM, bei der man auch eine Woche frei hat. Allerdings schreibt man nicht in jedem Fach ein Midterm und der Einfluss dieser Note auf die Endote schwankt stark von Fach zu Fach.

Kursinformationen

Leider stehen auf der Internetseite der ISEG Kurse auf Englisch im Angebot, die schließlich doch nicht gelehrt wurden. Anscheinend gab es nicht genügend Interessenten, so dass ausschließlich Kurse für 6 Creditpoints gehalten wurden.

Meine Kurse:

Principles of Management (6cp)

Dieser Kurs beschäftigt sich vor allem mit der Theorie von diversen Management-Themen, z.B. Managementschulen und -prozessen, Ethik und Job-Recruiting. Der portugiesische Akzent des Dozenten war unüberhörbar und erschwerte es, der Vorlesung zu folgen. Neben zwei Vorlesungen in der Woche existierte noch eine praktische Klasse, in der man in Gruppenarbeiten einfache Fragestellungen bearbeitete und in der ganzen Klasse Simulationen durchspielte. Am Ende des Semesters musste man einen Report über ein Unternehmen von etwa 7 Seiten anfertigen, dessen Note je nach dem die Endnote beeinflussen konnte (falls die Klausur schlechter als der Report war). Die Klausur bestand aus etwa 20 offenen, kleinen Fragen und drei Fragen, bei denen man seine Management Skills anwenden sollte.

Operational Marketing (6cp)

Viele Studiernde haben diesen Kurs aufgrund der Professorin gewählt, was absolut verständlich ist. Ihre gute Laune sowie ihre unkomplizierte und strukturierte Aufarbeitung der Themen konnten einen selbst sehr gut motivieren. Sie benutzte viele Beispiele und mindestens zwei kurze Videos pro Stunde, um uns das jeweilige Thema näher zu bringen. Die Themen beinhalteten z.B. Marketinglogistik und Marketingstrategien. Auch hier musste man am Ende des Semesters eine Gruppenarbeit über eine Case Study anfertigen, die die Endnote beeinflusste. Zudem gab es Anfang November ein Midterm, das jedoch keinen signifikanten Einfluss auf die Note hat. Die Klausuren bestanden nur aus Multiple Choice oder True/False-Fragen.

Economic and Business History (6cp)

Dieser Kurs beschäftigt sich vor allem mit dem Modern Economic Growth, dessen Ursachen, Entwicklung und Auswirkungen. Das andere Hauptthema ist die Entwicklung von Firmen seit der industriellen Revolution. Die Professorin war im Vergleich zu meinen anderen Dozenten anspruchsvoll. Der Kurs unterteilte sich pro Woche in zwei Vorlesungen und ein Practical, in dem man thematische Texte diskutierte. Etwa alle drei Wochen bearbeitete man in jeweils denselben Gruppen während des Practicals Aufgaben, die abgegeben und benotet wurden.

Portugiesischkurs (3cp)

Der Kurs ging über sieben Wochen mit jeweils zwei Stunden an drei Abenden pro Woche.

Stadt

Lissabon ist eine wunderschöne Stadt. Man sollte jedoch beachten, dass sie wirklich sehr hügelig ist und man so etwa zum Kneipenviertel erst immer ein paar Straßen bergauf laufen muss. Die Top-Sehenswürdigkeiten sind die Burg, die man als Bewohner Lissabons umsonst betreten kann, das Viertel Bairro Alto, Praca de Comercio und die unzähligen Aussichtspunkte (Miradouros). Etwas außerhalb liegen der Torre de Belem, das Denkmal der Entdecker, das sehenswerte Hieronymus-Kloster und die Christus Statue „Cristo Rei“. Die kulinarischen Spezialitäten Lissabons sind natürlich die Pastel de Nata und Bacalhau in jeder möglichen Variation.

Mein persönlichen Highlights sind die Camera Obscura auf der Burg, die Cafés „Manteigaria“ und „Landeau“, die Aussicht über die Stadt vom Park Eduardo VII und die Basilika Estrela.

Ich bin mit Germanwings von Köln nach Lissabon geflogen. Im Nachhinein habe ich wesentlich billigere Alternativen gefunden. So etwa Ryanair von Eindhoven oder Fankfurt-Hahn oder TAP von Düsseldorf. Wichtig zu wissen ist, dass Erasmus-Studenten bei TAP ein weiteres Gepäckstück umsonst aufgeben können.

Unterkunft

Bereits vor meiner Ankunft in Lissabon habe ich online ein Zimmer gesucht und gebucht. Dabei entschied ich mich für die Organisation „Lisbon4U“. Im Prinzip war das nicht die schlechteste Entscheidung, da ich eine Dachterrasse mit Aussicht über ganz Lissabon hatte. Allerdings konnte dies nicht den sehr hohen Mietpreis von ca. 375€ (inkl. Nebenkosten) rechtfertigen, zumal meine WG fast konstant Ärger mit dem Vermieter hatte. Durch meine Freunde in Lissabon habe ich gesehen, dass man auch erst nach seiner Anreise noch akzeptable Zimmer zu einem günstigen Preis in relativ zentraler Lage finden kann. Die Qualität der Zimmer insgesamt ist eher mäßig. Man findet fast nur Altbauwohnungen und Heizungen sind nirgendwo vorhanden.

Um sich gut und schnell in der Stadt zu bewegen, empfiehlt sich die Monatskarte für den öffentlichen Nahverkehr, die monatlich etwa 36€ kostet.

Die Lebenshaltungskosten sind im Vergleich wesentlich geringer. Im Supermarkt sind Lebensmittel wie Fisch und Fleisch billiger. Im Gegensatz dazu sind Kosmetikprodukte sehr teuer.

Reisen

Während meiner Zeit in Portugal habe ich versucht, so viel zu reisen wir möglich. Die Transportkosten in Portugal sind günstig.

Von den Erasmusorganisationen (s.u.) organisierte Trips waren schnell ausgebucht. Ich hatte das Glück einen Platz nach Merida und Sevilla zu ergattern und es lohnt sich wirklich.

Zudem liegt etwa eine Zugstunde von Lissabon entfernt die Kleinstadt Sintra, in deren Nähe viele Paläste und Burgen stehen. Ein Besuch des Palácio Nacional da Pena, Palácio de Monserrate und dem Castelo dos Mouros kann ich sehr empfehlen.

Eine weitere Stadt, die man auf jeden Fall besuchen sollte, ist Porto. Man kann entweder mit einem Fernbus für 15€ pro Strecke oder einem Ryanairflug für 10€ pro Strecke die Stadt erreichen.

Ein weiteres klassisches Ziel der Erasmus-Studenten waren die Azoren, da Ryanair auch diese sehr günstig anfliegt. Ich kann die Azoren empfehlen, jedoch sollte man die Zeit von Dezember bis Ende Januar meiden.

Krankenversicherung

Ich habe eine Auslandskrankenversicherung bei der Hanse Merkur abgeschlossen, habe die Leistungen jedoch nie aktiv in Anspruch genommen.

Freizeitaktivitäten

Von der Universität gab es kaum Angebote für Erasmus-Studierende. Dies war allerdings auch nicht nötig, da es zwei große Erasmus-Organisationen gibt (ELL und ESN), die vor allem am Anfang mehrere wöchentliche Aktionen anbieten. Die meisten sind kostenpflichtig. Außerdem organisieren sie wöchentliche Partys.

Sonstiges

Zu der Universität habe ich oben schon fast alles erwähnt. Ein Nachteil ist aber, dass man für das Ändern seiner Kurse lediglich eine Woche Zeit hat. Dies ist viel zu kurz, um sich ein Bild über alle Kurse zu machen, an denen man Interesse hat. Außerdem erinnerte mich das System mehr an meine ehemalige Schule und Vorlesungen wie im Stil der MSM gibt es dort nicht. In den größten Raum passen etwa 60 Studenten.

Lissabon bietet sehr viel und ist dennoch für mich keine wirkliche Großstadt. Das Flair in den Vierteln ist dörflich und typisch südländisch. Zudem ist die Stadt sehr sicher und die Polizei fast überall präsent.

Ein Tipp sind noch die illegalen Chinese Restaurants. Diese befinden sich in privaten Wohnungen in der Nähe von Martim Moniz, von denen man die Adressen meist durch Freunde erfährt. Man klingelt an Türen und hofft schließlich, dass sich dahinter eines der mehreren chinesischen Restaurants befindet.

Lissabons Nachtleben ist ausgezeichnet, besonders das Kneipenviertel Bairro Alto, in dem fast jeden Abend etwas los ist. Vor allem am Wochenende wird es sehr voll.

Die Zeit in Lissabon werde ich nicht vergessen und bin mir sicher, bald wieder in die Stadt zurückzukehren.

Ein Bericht von Theresa Dittmann

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s