Semester an der Universidad Pablo de Olavide Sevilla / Spanien

Die Möglichkeit, mit einer Förderung ins Ausland zu gehen, sollte jeder wahrnehmen. Sie ist einmalig in dieser Form. Man lernt nicht nur ein unbekanntes Land, eine neue Kultur und neue Art zu leben, sondern man lernt auch sich selbst besser kennen. Ich denke, dass jedes Auslandssemester, egal wohin es einen führt, eine einmalige Erfahrung ist und nirgendwo Langeweile aufkommt. Überall dort, wo Erasmusstudenten zusammenkommen, ist auch was los. Aber gerade Sevilla war unglaublich!

Information über die Universität

Die Universidad Pablo de Olavide liegt etwas außerhalb, ist aber in ca. 15 Minuten vom Zentrum aus mit der modernen Metro problemlos zu erreichen. Hierfür empfiehlt es sich, schnellstmöglich eine „tarjeta“ in einem Tabakladen zu erwerben, was die Fahrtkosten drastisch reduziert. Man merkt, dass Sevilla ein begehrter Anlaufpunkt für ausländische Studenten ist, denn die Ankunft und der Start in das Universitätsleben, ist für die Neuankömmlinge sehr gut organisiert. Die Auftaktveranstaltung beantwortet die allermeisten Fragen und studentische Organisationen wie „ESN“ tun ihr Bestes, den Erasmus-Studenten ein breites Programm an Aktivitäten anzubieten, um die Eingewöhnung zu erleichtern.

Kursinformationen

Human Resources Management (6 credits)

Jedes Fach setzt sich an der UPO aus einem theoretischen und einem praktischen Teil zusammen. Anders als an deutschen Universitäten hat jeder Kurs Schulklassengröße und gleicht auch eher Unterricht, als einer Vorlesung, denn die Studierenden werden aktiv dazu angehalten sich zu beteiligen, was mit entsprechenden Noten für die Mitarbeit honoriert wird. Inhaltlich befasste sich der Kurs mit Planung, Personalauswahl und -besetzung, Training und HR development, Performancemessung, und Vergütung/Benefits. Jedes Thema wurde durch eine Präsentation oder kleine Hausarbeit, die entweder in Gruppen- oder Einzelarbeit erstellt wurde abgeschlossen und benotet.

Financial Mathematics (6 credits)

In aufeinander aufbauen Modulen beschäftigte sich dieser Kurs mit unterschiedlichen Formen der Finanzierung. Die Besonderheit dieses Kurses war, dass die Inhalte auf drei verschiedenen Wegen vermittelt wurden. Neben dem Theorie- und Praxisunterricht, gab es noch zusätzlich zu jeder „Unit“ eine Art „ITStunde“. Dort wurden Fälle in Excel berechnet und die Ergebnisse bewertet. Lerninhalte konnte so sehr gut verinnerliche werden, der Zeitaufwand war allerdings sehr hoch.

Spanischkurs (2 credits)

Bevor man sein Auslandssemester antritt, erhält man eine E-Mail in der man dazu eingeladen wird, an einem Spanischkurs teilzunehmen, der noch vor dem offiziellen Start des neuen Semesters stattfindet. Der Einladung bin ich nachgekommen und es war eine sehr gute Entscheidung. Die Teilnehmer wurden unterteilt nach ihren schon vorhandenen Spanisch-Kenntnissen. Im Grundkurs erarbeitete ich mir eine Grundlage, die mir half ein Verständnis für die spanische (Körper- )Sprache aufzubauen und zumindest ein Verstehen zu ermöglichen und die richtigen Fragen. Davon abgesehen hatte man hier die Möglichkeit, die ersten Kontakte zu Studenten aus der ganzen Welt zu knüpfen.

Stadt

Die Anreise von Duisburg aus kann üblicherweise auf zwei Wegen erfolgen:

  1. Man fliegt von Weeze nach Málaga und fährt von dort aus ca. 2-4 Stunden mit dem Bus nach Sevilla

  2. Man fliegt von Eindhoven direkt nach Sevilla und vom Flughafen mit dem Bus oder Taxi ins Zentrum.

Ich habe beide Varianten getestet und solange man nicht einen Weg für einen Kurzurlaub in Málaga nutzt würde ich eher die zweite empfehlen.

Jemandem der noch nicht dort war die Stadt ausreichend zu beschreiben ist nahezu unmöglich. Angefangen bei den alten, wunderschönen Sehenswürdigkeiten und Monumenten an sich, die dadurch, dass das Zentrum sehr kompakt ist, so nah beieinanderliegen, dass man auch nach einem halben Jahr noch staunend durch die Straßen geht, weil an jeder Ecke etwas Besonders wartet. Um nur einige zu nennen:

  • Die Kathedrale von Sevilla, die als eine der ältesten Kirchen der Welt im Zentrum thront mit dem sich ihr anschließenden Glockenturm, der Giralda. Sie wurde über eine Moschee erbaut, was sich zum Teil noch erahnen lässt.

  • Der Plaza de Espana, auf dem nicht nur ein Teil von Star Wars gedreht wurde, sondern der sowohl bei Tag als auch insbesondere bei Nacht einfach nur überwältigend ist!

  • Der Plaza Alfalfa, ein auf den ersten Blick unscheinbarer Platz, der erste nachts wirklich zum Leben erwacht. Viele kleine Bars sind zu jedem Wochentag bevölkert mit (Erasmus- )Studenten und locken mit sich überbietenden Angeboten.

  • Das Highlight unter den an sich schon sehr guten Tapasbars ist die Taberna Coloniales in der Nähe der Kathedrale.

  • Und wer während seine Auslandssemesters die Bundesliga nicht verpassen will hat mit der Bar Ingrid auch dafür eine perfekte Adresse. Bei Pils und Schnitzel wird hier jedes Spiel mit deutscher Beteiligung übertragen.

Was Sevilla wirklich besonders macht und dieser schönen Stadt erst ihre wunderbare Atmosphäre verleiht sind die Menschen. Bis spät in die Nacht sind die, in der ganzen Stadt verstreuten „Plazas“ mit ihren kleinen Bars, voll mit Menschen und Gelächter. Über 20 Grad bis Dezember und Bier für 50 Cent tragen mit Sicherheit zur Stimmung bei, aber die Fröhlichkeit der Sevillaner an sich ist auch tagsüber bemerkenswert. Auch wenn ich anfangs, aufgrund meiner mangelnden Spanischkenntnisse, in Kombination mit dem starken andalusischen Akzent der Sevillaner, nahezu nichts verstanden habe, bei meinen ersten Gehversuchen auf Spanisch, freuen sie sich über jede Möglichkeit mit jemandem zu plaudern und geben ihr Bestes Fragen nach Richtungen oder Lokalitäten mit Händen und Füßen, einem wilden Wortschwall und zur Not dadurch zu beantworten, dass sie einen persönlich zu dem gesuchten Ort bringen.

Unterkunft

Die Wohnungssuche gestaltet sich in Spanien recht unkompliziert. Man bekommt schon in den ersten Mails der Uni Hinweise auf diverse Webseiten, auf denen man sich umsehen kann und vereinbart dann am besten Besichtigungstermine für die Zeit kurz nach der Ankunft und bezieht für die erste Woche ein Hostel. Es gibt Agenturen, die die einfachste (aber auch teuerste) Möglichkeit sind oder man schaut sich an der Univeristät die schwarzen Bretter an. Auch wenn man seine Wohnung über eine Agentur findet muss man nicht mehr als 350€ pro Monat zahlen, um gut und zentral zu leben. Ich habe meine Wohnung nicht über eine Agentur gemietet und zahlte letzendlich 220€ pro Monat. Man merkt recht schnell, dass man mit etwas anderen Maßstäben messen muss, denn die Wohnungen sind meist dunkel, damit sie sich nicht so stark aufheizen und alt. Aber sie haben dadurch ihren eignen Scharm und auch wenn die Qualität nicht die höchste ist fühlt man sich sehr wohl. Davon abgesehen ist man sowieso die meiste Zeit draußen.

Zu empfehlen sind vor allem die Viertel Triana, Nervión und das Centro, da durch diese Viertel die einzige Metrolinie fährt, die zur Universität fährt. Die in der ganzen Stadt verteilten „Bicis“, also Fahrräder, die an einer Station ausgeliehen und an einer anderen wieder abgestellt werden können ermöglichen es von diesen Stadtteilen problemlos immer nahe am Geschehen zu sein. Die Supermärkte sind wesentlich günstiger als in Deutschland, dementsprechend sind die Lebenshaltungskosten an sich geringer.

Reisen

Von Sevilla aus lässt sich wunderbar das umliegende Andalusien erkunden. Nicht nur Organisationen für Erasmus-Studenten, die Fahrten zu Traumstränden in Spanien und Portugal anbieten, sondern auch Busunternehmen wie „Alsa“ oder auch Blablacar machen es einem sehr einfach, Wochenenden für Erkundungstouren zu nutzen. Für ca. 30€ gelangt man so nach Cadíz, Granada, Málaga, Rhonda etc.

Krankenversicherung

Ich habe für meinen Auslandsaufenthalt keine gesonderte Versicherung abgeschlossen, da normale Krankheitsfälle auch im Ausland durch meine Versicherung abgedeckt werden. Man sollte sich vorher bei der Versicherung erkundigen, ob eine Auslandsversicherung notwendig ist.

Freizeitaktivitäten

Die uni-eigene Erasmus-Organisation ESN hat ein sehr breites Programm an Aktivitäten angeboten, das von Reisen, über Partys, bis hin zu internationalen Picknicks reichte. Auch andere Organisationen wie „Planet Spain“ oder „Erasmusclub-Sevilla“ hatten ähnliche Programme und jede Organisation hatte Kooperationen mit den zahlreichen Clubs und Bars der Stadt, so dass man praktische jeden Tag kostenlos feiern gehen konnte. Das einzige, was bei diesen Organisationen etwas schade war, war dass sie sich speziell an ErasmusStudenten richteten. Das heißt mit Spaniern kam man dort nicht wirklich in Kontakt oder ins Gespräch.

Allerdings bot die Stadt auch abseits des ErasmusRummels zahlreiche Möglichkeiten zur Abendgestaltung. Mein Favorit war hierbei eine spanische Salsaschule im Viertel Nervión.

 

Sevilla war unglaublich!

Hier spielt das Leben und man merkt, auch wenn die Leute nicht viel haben (Andalusien ist eine der ärmsten Regionen Europas) genießen sie das Leben in vollen Zügen und begegnen einem immer gut gelaunt und mit einem Witz auf den Lippen. Dadurch, dass ich mit einem Spanier zusammengewohnt habe und die meisten Spanier kein Englisch können, ist mein Spanisch mittlerweile auf einem sehr akzeptablen Niveau und auch mein Englisch hat sich durch den englischen Unterricht und die internationalen Bekanntschaften enorm weiterentwickelt. Sevilla ist in der Zeit zu einer zweiten Heimat geworden und wird mit Sicherheit ein jährliches Reiseziel bleiben, dass ich nicht als Tourist, sondern als Bewohner ansteuern kann.

Ein Bericht von Jakob Brand

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