Semester an der Université Jean Moulin, Lyon III / Frankreich

Lyon ist eine traumhafte Stadt, in die ich mich immer und immer wieder neu verliebt habe. Die Mentalität und die Kultur der Franzosen ist sehr gegensätzlich zu der der Deutschen. Dies lässt einen aber über sich hinaus wachsen und viel lernen.

Die Universität

Ich bin zwei Wochen vor eigentlichem Studienbeginn an der Université Jean Moulin Lyon 3 angekommen um noch an der Einführungswoche teilzunehmen. Diese eignet sich jedoch definitiv wesentlich mehr für Studenten, die schon gut Französisch sprechen. Ich fand den Kurs ziemlich teuer (dieser ist nämlich aus eigener Tasche zu bezahlen) – wobei er mir auch einfach zu wenig genutzt hat, da meine Französischkenntnisse dafür zu niedrig waren. Nichts desto trotz ist es eine gute Möglichkeit andere internationale Studenten kennenzulernen. Das Problem ist jedoch, dass auch nach diesen zwei Wochen die Uni nur sehr langsam beginnt. Ich habe in den ersten Wochen lediglich eine Veranstaltung pro Woche gehabt und später dann drei parallel, so war dies sehr ungleich verteilt und ich hätte mir definitiv die ersten drei Wochen sparen können.

Wenn man in Frankreich und vor allem in Lyon studieren möchte muss man sich etwas von den deutschen Tugenden lösen – und auch wenn wir davon ausgehen diese nicht zu haben: Sobald man in Frankreich ist, merkt man, wie deutsch man eigentlich ist. Am Ende wird alles gut gehen und funktionieren, das sollte einem klar sein. Doch bis dahin wird auch 10-mal etwas schief gehen und vor allem wird alles wesentlich länger dauern. Das übt einen sowohl in Geduld als auch in Durchsetzungskraft und lässt einen über sich hinaus wachsen, ist aber in dem Moment einfach nur extrem anstrengend und nervenraubend.

Eine Ansprechperson, die euch immer weiter helfen wird, gerne Englisch spricht und sehr kompetent ist, ist Anca Stoian.

Außerdem sei noch zu erwähnen, dass es gar keine Rolle spielt für welches Programm (ob Englisch oder Französisch) man sich ursprünglich über das ISMA an der Uni Lyon 3 beworben hat, denn vor Ort besteht dann trotz dessen die Möglichkeit (fast) jedes Fach zu wählen, ob Englisch oder Französisch.

Kursinformationen

Bei mir stand das Studium im Vordergrund, da ich zuvor schon einige andere Auslandsaufenthalte gemacht hatte. Ich hatte das Ziel so viele ECTS Punkte wie nur möglich zu erlangen (die natürlich auch angerechnet werden können), was aber durchaus, auch durch das sehr verschulte System in Frankreich, anstrengend war.

Es besteht größtenteils Anwesenheitspflicht, wobei man dies nicht zu ernst nehmen sollte: Ich beispielsweise hatte viele Fächer, die sich überschnitten haben, und konnte dann natürlich immer nur an einem teilnehmen. Solange die Dozenten Bescheid wissen ist das alles kein Problem!

Außerdem war in jedem Fach eine Präsentation anzufertigen und vorzutragen, was mit vielen Gruppenarbeiten zusammenhing und zusätzlich eine Klausur zu schreiben.
Grundsätzlich ist sich in Frankreich an ein wesentlich geringeres Universitätsniveau zu gewöhnen (bezüglich des Umfangs und der Themen)

Auf Französisch hatte ich lediglich einen Sprachkurs (A1 bis B1), der mir ebenfalls 3 ECTS Punkte einbrachte, allerdings nicht auf einem kompletten Anfängerlevel beginnt! Dies war damit zu begründen, dass ich mich auf Englisch sicherer fühlte und dort daher bessere Noten erwartete, die ich mir schließlich anrechnen lassen wollte.

Aus dem SELF Programm hatte ich zwei Fächer: “European Organisations”, welches ich mir für international economic organization angerechnet habe und “Green Marketing – Surfing the green wave”, welches mir in Duisburg für neue Entwicklungen im Marketing angerechnet werden konnte. European Organisations hatte von all meinen Fächern vermutlich den höchsten Arbeitsaufwand, wobei dies nicht mit Duisburg zu vergleichen ist. Green Marketing hatte mit Mr. Simpson einen tollen Dozenten und war mein interessantestes Fach! Es wurde diskutiert, argumentiert, präsentiert und viele aktuelle Themen behandelt, was mir zu Hause an der UDE oftmals in Fächern fehlte, brachte dort Abwechslung in den Unterricht.

GMP Programm:

  • Financial and Accounting Analysis: gute Folien, interessant, lehrreich und mit Arbeitsaufwand verbunden; konnte mir für Controlling angerechnet werden (in Frankreich 3 ECTS)
  • International Cooperate Development: eher langweilig und wenig lehrreich, konnte mir lediglich für den Bereich „Auslandssemester 12 ECTS“ angerechnet werden (in Frankreich 5 ECTS), der Dozent Mr. Collin ist sehr gewöhnungsbedürftig.
  • Organisational Behavior: interessant, lehrreich (in Frankreich 3 ECTS)

EBR Programm:

  • Doing Business in India: interessant, vor allem mit den vielen indischen Austauschstudenten, jedoch leider sehr unorganisiert und unstrukturiert (in Frankreich 3 ECTS, die mir für meine „Auslandssemester 12 ECTS“ angerechnet werden konnten)
  • Intercultural Negotiation: ein sehr interessantes Fach, welches durchaus lehrreich war und von einem tollen amerikanischen Dozenten begleitet wurde. (in Frankreich 3 ECTS, die mir für meine „Auslandssemester 12 ECTS“ angerechnet werden konnten )
  • Supply Chain Management: interessant, lehrreich, konnte mir für Produktions-wirtschaft 2 angerechnet werden (in Frankreich 3 ECTS)
  • International Marketing: an sich ein interessantes Fach, jedoch wurden exakt die gleichen Themen wie innerhalb des Fachs „international cooperate development“ behandelt; konnte mir in Duisburg für internationales Marketing angerechnet werden

Stadt

Lyon ist eine traumhafte und oft unterschätzte Stadt. Die zwei Flüsse die ineinander fließen, und das Wasser was dadurch ständig um einen herum ist, das viele Grün und die hinter jeder Ecke lauernden beeindruckenden alten Gebäude, die man so aus Deutschland größtenteils nicht kennt, machen den Charme der Stadt aus. Das Leben spielt sich draußen am Ufer der Flüsse oder im Parc ab und durch die eher mediterrane Lage ist das auch prima möglich.

Meine Highlights:

  • Der Markt auf der Prêsqu’île am östlichen Ufer der Saône mit Blick auf die Basilica
  • Die Basilica, die man mit einer Gondel prima erreichen kann, der Park ein paar Gehminuten von dieser entfernt, der als Geheimtipp gilt und einen Blick auf die ganze Stadt bietet (Jardin du Curiosités) und der Rückweg zu Fuß durch den Rosengarten herunter
  • Parc de la Tete d‘Or
  • Croix Rousse und die Treppen hinunter bis zum Rathhaus

Außerdem eignet sich Lyon prima als Startpunkt für Wochenendreisen. BlablaCar ist dort wesentlich verbreiteter als in Deutschland und sehr zu empfehlen: sehr günstig und verlässlich.

Anreise

Ich bin mit dem TGV angereist, was prima klappt und zu empfehlen ist. Wenn man ein bisschen flexibel ist, kann man dort für unter 100 Euro Hin- und Rückreise, auch über die Deutsche Bahn, buchen. Man kommt direkt in der Stadtmitte an.

Unterkunft

Mir war es wichtig die Unterkunft selbst zu organisieren, da ich gerne in einer WG wohnen wollte und am liebsten mit einer Französin. Ich kann nur empfehlen, auch wenn es einige sicherlich nervös macht, keine Unterkunft vorher zu buchen sondern sich mindestens eine Woche in ein cooles Hostel einzubuchen. Dort lernt ihr sofort andere Leute kennen, die in der gleichen Situation sind wie ihr und könnt mir diesen, oder eben allein, auf Wohnungssuche gehen.

Vor allem wenn ihr ein bisschen Französisch sprecht stellt dies absolut kein Problem dar (ich tat dieses zu Anfang nicht und es hat trotz dessen geklappt ;-)).
Mit Hilfe von Facebook Gruppen und vielen Kontakten aus dem Hotel werdet ihr dann schnell fündig – nur die Ruhe!

Die privaten Studentenhäuser der Uni sind extrem teuer, was es nicht unbedingt wert ist. Diese sind zwar sauber und neu, aber eben auch klein. Dort zahlt man über 500 Euro für ein Zimmer monatlich, was auch für Lyon sehr teuer ist. Ich habe zum Vergleich mit den Abzügen bestehend aus dem Wohngeld (CAF) 230 Euro warm für mein Zimmer in einer WG mit einer Französin in Villeurbanne bezahlt. Dort hatte ich aber auch ein eigenes Zimmer und ein großes Wohnzimmer. Villeurbanne ist zu empfehlen, wenn man etwas Preisgünstigeres sucht. Es ist zwar offiziell nicht mehr Lyon, man ist aber mit dem Rad und der Bahn in unter 5 Minuten in der Stadt, was man von manch anderen Stadtteilen nicht behaupten kann.

Die nicht privaten Studentenwohungen der Uni sind sehr günstig (unter 200 Euro monatlich), jedoch muss man dort definitiv seine Ansprüche herunterschrauben.
Grundsätzlich wird man jedoch in Frankreich einfach einen niedrigeren Standard feststellen, in Wohnungen wird nicht alles funktionieren.

Insgesamt war der Lebensunterhalt, der zur Miete hinzu kam wesentlich höher als in Deutschland. Lyon ist die Stadt des Essens und das Essengehen und die Restaurants sollte man definitiv nicht missen – was jedoch teuer ist (Restaurant mit Speisen unter 10 Euro wird man kaum finden). Auch das Einkaufen ist wesentlich teurer als in Deutschland, wobei die Preise bei LeaderPrice sich zum Beispiel in Grenzen halten. Auch die Märkte bieten frisches Obst und Gemüse sehr günstig an!

Reisen

Wie schon erwähnt, bin ich stets mit Blablacar gereist und habe in Airbnb Wohnungen geschlafen, was prima geklappt hat und sehr günstig ist, vor allem wenn man sich mit 4-8 Leuten zusammen tut. Ich habe die gesamte Mittelmeerküste Frankreichs bereist, was sehr zu empfehlen ist. Wir haben immer bloß einen Tag vorher die nächste Weiterreise gebucht. Auch in der unmittelbaren Umgebung von Lyon finden sich tolle Ausflugsziele wie Annecy und Grenoble, die definitiv mindestens einen Tagestrip wert sind.

Krankenversicherung

Ich habe mich über die Allianz auslandsverischert.

Freizeitaktivitäten

Ich hatte das Gefühl durch die vielen verschiedenen Programme der Universität, an denen ich teilgenommen habe, nicht wirklich zu den typischen Erasmus Studenten zu gehören. Die Uni hat wenig Wochenendtrips organisiert, nichts desto trotz haben wir mit den jeweiligen Kursen und vielen Franzosen viel unternommen.

Die Uni bietet ein umfangreiches Sportprogramm was definitiv genutzt werden sollte. Man hat lediglich ca. 36 Euro anfangs zu bezahlen und kann ein Fitnessstudio nutzen sowie an allen möglichen Kursen teilnehmen (Step, Yoga, Boxen, Schwimmen… ). Auch Läufe, an denen günstig teilgenommen werden kann, werden durch die Uni angeboten.

Partys gab es nahezu jede Woche, viele dieser kosteten jedoch immer einen Eintritt von mindestens 10 Euro. Sehr zu empfehlen sind auch die Bars und Clubs in Lyon. Die Presqu’île bietet tolle Bars und das Sucre als Club ist definitiv den Eintritt Wert!

Fazit

Auch wenn ich in Frankreich selbst oftmals die Geduld verloren habe und die französische Art zu arbeiten und zu leben durchaus für Deutsche gewöhnungsbedürftig ist, kann ich einen Aufenthalt in Lyon empfehlen.
Lyon ist eine traumhafte Stadt, in die ich mich immer und immer wieder neu verliebt habe.
Die Mentalität und die Kultur der Franzosen ist sehr gegensätzlich zu der der Deutschen. Dies lässt einen aber über sich hinaus wachsen und viel lernen.
Meldet euch sehr gerne bei mir wenn ihr Fragen habt, ich weiß gut wie hilfreich solche Ratschläge sind und wie ahnungslos und verzweifelt man teilweise am Anfang sein kann – besonders bei der Wohnungssuche.

Ein Bericht von Laura Sophie Profitlich

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