Ein Semester in Polen (SGH Warschau)

Warschau hat sehr viel zu bieten. Ich habe in meinem Erfahrungsbericht bewusst offensichtliche Punkte ausgelassen, stattdessen wollte ich euch ein paar Tipps geben, die in keinem Reiseführer oder Infoguide der SGH stehen.

Informationen über die Partneruniversität

Allgemeines

Die Warsaw School of Economics (Abkürzung SGH) ist eine Business School / Universität in der polnischen Hauptstadt Warschau. Die Universität ist die älteste und renommierteste Wirtschaftshochschule in Polen. In der Rangliste der 40 besten europäischen Management-Master-Programme von Financial Times wurde die Hochschule 2008 an der 24. Stelle platziert. Ca. 18.000 Studenten waren im Jahr 2010 an der SGH eingeschrieben.

Lage

Die Universität befindet sich ein wenig außerhalb von Warschau, jedoch nur zwei U-Bahnstationen von dem Zentrum von Warschau entfernt. Da die U-Bahn M1 direkt an der Universität (Station: Pole Mokotowskie) hält, kann diese auch von weiterer Entfernung relativ schnell erreicht werden.

Die Universität besteht aus drei Campus, die nur einen kleinen Fußmarsch voneinander entfernt liegen (Studenten haben an allen drei Campus Vorlesungen). Der neuste Campus wurde vor vier Jahren komplett renoviert, wodurch das Gebäude (C Building) sehr modern polen1aussieht. Die Vorlesungsräume sind dort sehr gut ausgestattet und im inneren ist ein sehr gutes Café (keine Mensa, für den großen Hunger). Das Hauptgebäude (Building G) ist zugleich das älteste Gebäude und befindet sich an einem anderen Campus. Die Vorlesungsräume innerhalb des Building G sind sehr schön und haben ein historisch altes Flair. Leider sind die Tische dort so klein, dass die meisten Laptops nicht genügend Platz haben. Innerhalb des Hauptgebäude gibt es ein Café und eine große Mensa. Das A Building ist auf dem anderen Campus und am weitesten Entfernt vom G Building. Da ich in dem A Building keine Vorlesungen hatte, war ich nur einmal dort und kann deswegen nur wenig dazu berichten.

Besonderheiten zur Anmeldung

Vor dem Auslandsaufenthalt meldet sich Marta Sent-Pawłowska vom international Office per E-Mail und beschreibt die Vorgehensweise zur Anmeldung sehr detailliert. Durch eine weitere E-Mail erhält man seinen Benutzernamen und Passwort für das Intranet der SGH. Das Intranet wird für die An- und Abmeldung von Modulen genutzt. Zusätzlich kann man die Modulbeschreibungen und Auflistung der angebotenen Kurse als PDF runterladen (Bitte beachten: das Kursangebot ist im Sommer und Winter unterschiedlich. Kein Kurs = keine Klausur à anders als in Duisburg).

Ein paar Wochen vor der Abreise erhält man seinen eigenen Buddy von der SGH zur Hilfe. Die Buddys sind meistens Bachelorstudenten und kommunizieren oft über Facebook. Eigentlich haben alle Austauschstudenten nur Gutes über die Buddys zu berichten, da die einen immer motiviert und freundlich geholfen haben.

Während der Anmeldephase für die Kurse (ca. 2-4 Wochen vor Semesterstart) erinnern die Buddys alle Austauschstudenten an alle wichtigen Termine, damitpolen6 auch alles funktioniert. Leider meldet man sich an der SGH vor Semesterstart für Kurse an – und nicht wie in Duisburg während des Semesters für Klausuren. Dadurch wird die An- und Abmeldung sehr chaotisch. Ein Kurs findet nur statt, wenn sich genug Studenten innerhalb der Anmeldephase eingetragen haben. Daher weiß keiner wie das finale Kursangebot aussieht. Die stattfindenden Kurse stehen also erst während des Semesters fest (Kurse können kurzfristig abgesagt werden). Die Anmeldung der Kurse wird im Intranet vollzogen. Insgesamt gibt es drei Anmeldephasen, die 1. vor dem Semester und eine Anpassungsphase während der ersten Woche des Semesters, die 3. Phase geht bis zur dritten Woche während des Semesters. In der dritten Phase müssen Änderungen schriftlich erläutert werden und der Professor des Kurses muss der Änderung (ob An- oder Abmeldung) zustimmen. Sollten man sich für Änderungen in der 3. Phase entscheiden, kann das ein hoher bürokratischer Aufwand werden.

(kleiner Tipp: vorab nachfragen ob der Kurs stattfindet bei dem Professor oder beim International Office bringt nichts. Das Personal kann dazu auch keine Aussagen treffen)

Was sollte ich während der Anmeldephase berücksichtigen?

Da die Kursanmeldung sehr chaotisch ist und viele Studenten wegen des Intranets der SGH am Verzweifeln waren, gebe ich ein paar Tipps.

  • die Anweisung des Buddys befolgen (siehe Facebook-Gruppe)
  • akzeptieren, dass das System in den ersten Tagen sehr überlastet sein kann à das ist kein Problem, die erste Anmeldephase geht 7 Tage
  • da die tatsächlich angebotenen Kurse ungewiss sind, sollte man sich unbedingt in der ersten Anmeldephase in so viele Kurse eintragen wie möglich (Ich habe mich für 70 Credits angemeldet). Die Kurse werden nach dem „first come first serve“ Prinzip besetzt
  • in der zweiten Anmeldephase stehen die Kurse fest. Nun ist der Zeitpunkt sich für Kurse zu entscheiden à neue An- und Abmeldung von Kursen
  • bei Fragen erst den Buddy fragen, bevor man zum International Office geht

Welche Kurse sollte ich wählen?

Die Kurswahl ist sehr vielfäpolen7ltig und fast jeder Kurs wird einmal auf Polnisch und einmal auf Englisch angeboten (es gibt auch ein paar Kurse auf Deutsch). Aus diesem Grund findet jeder Student ein passendes Angebot für seinen Schwerpunkt, wobei die Finance & Accounting Kurse überwiegen.

Einige Themenfelder werden mehrfach von verschiedenen Professoren angeboten (z.B. 3-mal das Modul Bank Management).

Die Buddys beraten euch da auch gerne bei der Wahl der Kurse. Macht aber nicht den Fehler und fragt nur wie der Kurs ist, erkundigt euch über den Professor.

Falls einer wissen will welche Kurse ich gewählt habe, könnt ihr bei mir nachfragen.

 

Informationen über Warschau

Die Stadt

Warschau ist die flächenmäßig größte und zugleich bevölkerungsreichste Stadt sowie seit 1596 die Hauptstadt Polens. Nach der Zahl ihrer Einwohner ist sie die zehntgrößte der Europäischen Union. Sie liegt beidseitig am Strom der Weichsel in der Woiwodschaft Masowien, hat über 1,7 Mio. Einwohner (2013) und ist Zentrum einer Agglomeration mit Orbitalstädten wie Legionowo, Pruszków, Grodzisk Mazowiecki, Żyrardów, Wołomin oder Otwock mit rund 3,5 Mio. Einwohnern.

Die Stadt hat sehr viel zu bieten, sei es die verschiedenen Restaurants, Parks, polen3Sehenswürdigkeiten oder Museen. In der Stadt wird für jeden Geschmack etwas geboten. Besonders das Nachtleben ist besonders erwähnenswert in Warschau. Dazu kommt, dass die Preise im Vergleich zu Deutschland ein wenig niedriger sind.

Im Sommer ist Warschau überragend. Das Wetter war jeden Tag etwas wärmer als in Deutschland und der Sommer fängt von den Temperaturen auch eher an. Der Winter kann dafür sehr kalt werden, weswegen ich den Sommer bevorzugen würde.

Freizeitaktivitäten

Einfach die Orientierungswoche komplett mitmachen, um die Informationen zu den besten Freizeitaktivitäten zu bekommen.

Nennenswerte Aktivitäten (alles wird auch von deinen Buddys angeboten):

  • Fahrrad ausleihen und an der Weichsel fahren (Plätze sind überall in der Stadt verteilt)
  • auf der Weichsel Kanu fahren
  • Room Escape
  • Grillen an der Weichsel – am Ufer der Weichsel ist ein Strand an dem oft gegrillt wird. Das Trinken in der Öffentlichkeit wird nur an dem Strand toleriert. Sonst ist draußen trinken verboten!
  • Fitness – als Erasmus Student bekommt man sehr günstige Angebote
  • unterschiedliche Angebote von Restaurants nutzen (z.B. montags Riesenschnitzel mit Pommes für 2 € und 1 € für 1 l Bier, mittwochs Frühstück für 2 €, usw…Solche Art Angebote auf jeden Fall mal ausprobieren, in einigen Restaurants sind während des Angebotes nur Erasmus Studenten anwesend)
  • 4D Kino (alle Kinofilme sind auf Englisch mit polnischem Untertitel)

Unterkunft

Ich habe meine Wohnung in Facebook in der ERASMUS Gruppe gefunden. Die Wohnpreise variieren zwischen 200 und 400 €. Die Miete für meine Wohnung im Zentrum hat 280 € gekostet, mit der hatte ich aber auch riesiges Glück.

Kleiner Tipp: Da ihr wahrscheinlich eure Miete wahrscheinlich in Zloty zahlen müsst nutzt https://transferwise.com/de/

Mit dem Dienst könnt ihr entspannt in Euro Überweisungen tätigen und der Betrag wird dann in Zloty umgerechnet. Der Wechselkurs ist unschlagbar (Transferwise gab mir 4,55 Euro/Zloty…die besten Geldautomaten/Banken der Stadt ungefähr 4,21 Euro/Zloty)

Reisen

Krakau ist ein MUSS!

Mit http://www.polskibus.com/pl/index.htm gibt es Tickets für 9€ von Warschau nach Krakau und wieder zurück (eine Strecke 4h)

polen5Ansonsten ist das Reisen in Osteuropa vergleichsweise günstig, weswegen man die Zeit auf jeden Fall ausnutzen sollte. Viele Reisen werden auch von Erasmus Organisationen angeboten, ich bin aber lieber auf eigene Faust mit meinen Freunden rumgereist.

Die beste Zeit zum Reisen ist in den ersten 2 Monaten. Ich habe das leider zu spät erfahren, weswegen ich einige Länder wegen Klausuren nicht bereist habe.

 

Krankenversicherung

Die gesetzlichen Krankenkassen bieten innerhalb der EU einen Basisschutz. Es ist jedoch noch zu empfehlen eine private Versicherung abzuschließen (Kosten ca. 10-30€ im Monat)

 

Allgemeines

Tipps für den Aufenthalt

  • kauft euch auf jeden Fall eine polnische Simcard fürs Handy (z.B. 8 GB Datenflat für 5€ bei PLAY). Ich konnte während meines Aufenthaltes meinen deutschen Mobilvertrag einfrieren
  • macht auf jeden Fall einen Bafög-Antrag, auch wenn ihr in Deutschland kein Bafög bekommt (Zuständigkeit für Polen ist das Amt in Chemnitz)
  • an sich sind die Preise in Polen niedriger als in Deutschland (Lebensmittel, Getränke und Nachtleben) beim Shoppen von Anziehsachen sind die Preise identisch
  • Polen werden nicht gerne mit Russen gleichgesetzt. Einige Polen können zwar russisch sprechen, ich würde es trotzdem nicht versuchen. Für einige ist das sehr unhöflich. Ich persönlich hatte kein Problem mit Englisch, da in Warschau sehr viele Englisch sprechen.
  • anstelle von Taxi bin ich immer mit dem viel günstigeren Uber gefahren (der Code „ERASMUS“ gibt dir 20 zl Guthaben)
  • da es einige Module mehrfach gibt (z.B. auf Polnisch und Englisch) ergibt es Sinn sich mit polnischen Studenten auszutauschen. In der Regel gibt es für jedes Modul eine Facebook-Gruppe, in der es sich lohnt beizutreten. In dem Modul „Monetary Policy“ haben die polnischen Studenten alte Klausuren bekommen, die Austauschstudenten nicht. Zum Glück hat mir eine polnische Studentin da ausgeholfen, sodass ich die Altklausur ebenfalls bekommen habe
  • die meisten Austauschstudenten kommen aus Frankreich und Deutschland
  • das Englisch Niveau kann von Professor zu Professor variieren à erkundige dich über den Professor bei deinem Buddypolen4
  • die SGH ist ein Mitglied des weltweit renommierten CEMS Programm. Diese CEMS-Kurse können von dir gewählt werden, auch wenn du nicht für CEMS eingeschrieben bist. CEMS-Kurse erkennt man an der Endung (CEMS) im Namen des Moduls. Dies Kurse haben in der Regel ein höheres Niveau und verlangen mehr von Austauschstudenten (normale Module haben 2-4 Stunden Vorlesung in der Woche, Cems-Kurse in der Regel 4-8). Ich persönlich war in dem CEMS Kurs „Corporate Governance (CEMS)“ und war sehr zufrieden mit dem Kurs. Da ich mich persönlich für das Thema interessiere, war der CEMS Kurs die richtige Wahl. Doch der Unterschied von CEMS zu normalen Model ist schon erwähnenswert. In allen anderen Kursen waren meine Sprachfähigkeiten (Englisch) im oberen Viertel, bei CEMS Kursen fühlte ich mich eher in der unteren Hälfte. CEMS Studenten sind in der Regel sehr motiviert und sprechen ein perfektes muttersprachenähnliches Englisch. Das sollte man als Austauschstudent berücksichtigen. Viele Studenten haben sich aus diesen erwähnten Gründen nicht für CEMS Kurse eingeschrieben, da es zu „anstrengend“ ist
  • Master Studenten dürfen auch drei Bachelor Kurse wählen, aber Bachelor Studenten können keine Master Kurse wählen
  • Trading interessierte: die SGH bietet in Kooperation mit OSTC (http://www.ostc.com/) ein Trading Seminar an. Während des Seminars trifft man sich einmal die Woche, um etwas aus der Theorie des Tradings zu erfahren und live mit Aktien, Derivaten und Rohstoffen zu handeln. Das Seminar schließt mit einem kleinen Test ab (für Finance Studenten ist der Test relativ leicht) und bei Erfolg erhält man ein Trading Certification. Die besten Trader erhalten einen Job bei OSTC.
  • in der Mainlobby der SGH findet fast jeden Tag eine Berufsmesse statt (ungelogen, 3-mal die Woche waren Unternehmen zu Besuch). Da es auch mal vorkommen kann, dass Global Player (Google, Apple, Goldman Sachs, usw.) einen Stand in der Lobby aufgebaut haben, sollte man diese Chance wirklich nutzen. Viele Unternehmen bieten auch Workshops an, für die man sich aber bewerben muss. Ein Mitstudent aus Italien hat dadurch einen Job bei Goldman Sachs in Warschau bekommen. In Italien hätte er wohl keine Chance gehabt, aber in Polen wurde er als SGH-Student genommen.
  • EY und McKinsey bieten jeweils ein Modul auf Englisch an der SGH an. Strebt ihr einen Beruf in der Beratung/Wirtschaftsprüfung an, würde ich mich für die Kurse bewerben. Diese Module sind aber sehr zeitintensiv. Die Bewerbung für die Module endet schon in der ersten Anmeldephase, also beeilt euch lieber!

 

Ich habe in meinem Erfahrungsbericht bewusst offensichtliche Punkte ausgelassen (wie z.B. besucht den Warsaw Culture Palast, sowas kann man in jedem Reiseführer nachlesen). Stattdessen wollte ich euch ein paar Tipps geben, die in keinem Reiseführer oder Infoguide der SGH stehen. Falls einer von euch noch Fragen hat, kann er mir gerne eine E-Mail schreiben. Ich werde versuchen eure Fragen zu beantworten.

 

Ein Bericht von René Haße

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