Studieren in Växjö, Schweden (Erfahrungsbericht)

“Das Auslandssemester ist generell sehr schnell vorbei, weil man einfach immer so viel zu tun hat. Das meine ich allerdings im positiven Sinne. Ich bin noch nie so viel gereist wie in Schweden.”

Die Universität

Linnaeus University in Växjö, Schweden

Alexandra Holmdahl: inexchange@lnu.se

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Hauptgebäude der Uni

Die Bewerbung bei der Gasthochschule und für das ganze Erasmus Stipendium läuft an der UDE ja leider erst sehr spät, sodass mein Auslandsaufenthalt auch erst sehr spät tatsächlich feststand. Das war teilweise etwas störend, weil man wenig im Voraus planen konnte. Ansonsten hatte ich immer sehr viel Unterstützung durch die Koordinatoren an der Fakultät und konnte bei jeglichen Problemen in die Sprechstunde gehen. Die Organisation durch die Gasthochschule war ebenfalls sehr angenehm. Ich konnte im Vorhinein entscheiden, dass die Uni mir meine Unterkunft sucht, sodass dieses Problem schon mal nicht zu lösen war. Das einzige Problem war die Fachwahl für die Gastuni. Ich müsste im Ausland theoretisch jeden Kurs eins zu eins ersetzen. Dies war leider nicht möglich, sodass ich durch das Auslandssemester einen längeren Studienverlauf habe. Je nachdem welche Vertiefung man ab dem vierten Semester wählt kann es sein, dass man die Fächer hier an der Fakultät nicht findet. Aber das unterscheidet sich auch von Semester zu Semester. Wäre natürlich besser wenn es von unserer Uni eine andere Regelung für Auslandssemester und deren Anerkennung geben würde. Neben den Universitätsformalitäten mussten nach der Zusage dann noch ein neues Bankkonto und diverse Versicherungen abgeschlossen werden (eine Unterkunft hatte ich ja schon). Das ließ sich aber auch in der kurzen Zeit problemlos regeln.

Die Besonderheit bei der Bewerbung war, dass das schwedische Unisystem ganz anders aufgebaut ist. Hier laufen die Kurse nicht parallel sondern hintereinander. Das hat bei mir am Anfang für sehr viel Verwirrung gesorgt, aber wenn man alle Unterlagen liest, versteht man das eigentlich sehr schnell.

Kursinformationen

Ich habe einen 30 Creditpoints Kurs gewählt. Der hieß „Management and Organization“. Er besteht aus vier Modulen, die einzeln und vor allem hintereinander abgeschlossen werden. Die Lehrer haben bei mir jedes Mal gewechselt und ich hatte oft auch zwei oder mehr die die Vorlesungen gehalten haben. Das Studium an der LNU unterscheidet sich stark von dem an der UDE. An der LNU wird mehr Wert auf freies Lernen und selbstständiges Erarbeiten der Inhalte gelegt. Die Kurse sind außerdem viel kleiner und

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Teleborg Schloss auf dem Unigelände

bestehen maximal aus 35 Studenten. Dadurch unterscheiden sich natürlich auch die Vorlesungen. Hier ist Mitarbeit und Beteiligung wie in der Schule gefordert. Der Abschluss des Kurses erfolgt auch nicht zwangsläufig durch eine Klausur. Ich habe insgesamt nur zwei Klausuren geschrieben und die anderen Module mit Hausarbeiten und Präsentationen abgeschlossen. Das Lernen hier ist wirklich ganz anders als an der UDE. Das war am Anfang etwas ungewohnt aber man findet sich eigentlich schnell rein. Dadurch dass die Kurse hintereinander liegen hat man pro Modul nur 5 Wochen. Das bewirkt, dass man jeden Tag ein bisschen machen muss, aber am Ende überhaupt nicht in diesen riesigen Klausurstress wie an der MSM kommt. Der Kurs war komplett auf Englisch, aber das funktioniert nach zwei Wochen problemlos, auch wenn man vorher sprachlich nicht gut war.

Die Stadt

Auch wenn die Stadt für schwedische Verhältnisse normal groß ist, kann man sie vor allem mit dem Ruhrgebiet überhaupt nicht vergleichen. Vermisst habe ich hier trotzdem nichts. Es gibt ein Kino, eine Shoppingmall und sonst auch alles was man braucht. Es gibt zwei nennenswürdige Sehenswürdigkeiten in der Stadt. Einmal eine Kathedrale und einmal das Schloss bei der Uni. Ansonsten ist die Region für ihre Glasmanufakturen bekannt und man kann einen von vielen Elchparks besuchen.

Ich bin mit dem Auto angereist, aber man kann von Düsseldorf Weeze auch meist sehr günstig mit Ryanair direkt zum Växjö Airport fliegen.

Unterkunft

Die LNU hat mir meine Unterkunft gesucht und mich dementsprechend auch eingeteilt. Ich konnte im Voraus zwischen einem dorm room (Einzelzimmer mit geteilter Küche und Wohnbereich), einem Einzelapartment oder einem geteilten Apartment auswählen. Ich habe mich für das Einzelzimmer entschieden und es auch bekommen. Die Kosten lagen dafür bei circa 360€ im Monat, was für schwedische Preise vollkommen ok ist. Das

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Kathedrale in der Innenstadt

Studentenwohnheim Vallgatan, in das ich eingeteilt wurde, liegt mit dem Fahrrad etwa 15 Minuten von der Uni entfernt. Auch die Innenstadt ist von hier gut zu Fuß in 10 Minuten zu erreichen. Generell war es sehr gut auch mit den anderen Erasmusstudenten zusammen zu leben. Das Zimmer war mit Badezimmer zusammen etwa 20 m² groß. Die Küche und das Wohnzimmer habe ich mir mit 15 anderen Studenten geteilt. In den anderen Wohnheimen leben deutlich weniger Studenten auf einem Flur (so 6-8). Aber ich habe, dass nie als Nachteil empfunden, da man so von Anfang an sehr viele Leute kannte. Die Qualität des Wohnheims ist in Ordnung und entspricht der eines deutschen. Die Lebenshaltungskosten liegen in Schweden sehr hoch. Insgesamt habe ich pro Monat schon so 800 € ausgegeben, da kommt dann noch das Reisen oben drauf. Das Erasmus Stipendium deckt das leider kaum.

Reisen

Während des gesamten Semesters bin ich immer wieder gereist. Die Uni Organisation für internationale Studenten organisiert viele verschiedene Reisen unteranderem nach Lappland (ca.500€ für 9 Tage), Stockholm (ca. 120 für 3 Tage), Göteborg (ca.15€ für 1 Tag) und zum Sea Battle(ca.200€ für 4 Tage). Ich war in Stockholm und Lappland mit dabei und kann beides nur sehr empfehlen. Besonders Lappland war wirklich ein einziges Highlight, aber leider auch sehr teuer.

Den Rest habe ich mit Freunden unternommen. Wir sind selbstständig nach Malmö, Kopenhagen, Lund und Kalmar gereist. Manchmal nur für einen Tag und manchmal ein ganzes Wochenende. Die Ziele sind mit der Bahn sehr gut zu erreichen und wenn man früh bucht auch zu bezahlen.

Krankenversicherung

Generell ist man über die gesetzliche Krankenversicherung auch im europäischen Ausland versichert. Ich habe aber noch zusätzlich eine Versicherung bei MLP abgeschlossen. Da ich sie aber nie in Anspruch nehmen musste, kann ich nicht sagen, ob sie weiter zu empfehlen wäre.

Freizeitaktivitäten

Das Auslandssemester ist generell sehr schnell vorbei, weil man ein

elchepark
Elchepark

fach immer so viel zu tun hat. Das meine ich allerdings im positiven Sinne. Ich bin noch nie so viel gereist wie in Schweden. Dadurch, dass man nur eine begrenzte Zeit hat, möchte man so viel wie möglich erleben. Deshalb presst man alles in diese 5 Monate. So etwas wie Alltag hatte ich deswegen auch nicht. An der Uni bin ich regelmäßig zum Schwedisch Kurs gegangen, hab im Uni Chor mitgesungen und habe mich im Fitnessstudio angemeldet. Ich hätte aber auch noch viel mehr Auswahl gehabt.

Dazu gab es ständig tausende Partys. Jedes Wohnheim hat regelmäßig Partys organisiert. Dazu kommen dann noch zwei Studentenclubs am Campus und ein Club in der Stadt. Insgesamt gab es keine Woche, wo ich nicht einmal unterwegs war. Das kann man aber ganz gut mit dem Lernen vereinbaren. Ich kann besonders das Sivans auf dem Campus empfehlen, aber da hat hier auch jeder eine andere Meinung.

Fazit

Ich kann wirklich nur jedem ein Auslandssemester empfehlen. Auch Växjö und die Uni hier waren dafür sehr gut geeignet. Ich habe generell nur sehr positive Erfahrungen gemacht. Das ganze Semester war einfach ein voller Erfolg. Ich habe sehr viele neue internationale Freunde kennen gelernt und viele Kontakte geknüpft, die hoffentlich noch länger halten. Das generelle Leben in einem anderen Land hat mir auch sehr gut gefallen. Mit der Sprache (fast alles auf Englisch) hatte ich nach 3 Wochen schon keine ernsten Probleme mehr. Auch das Studieren im Ausland hat mir als Abwechslung gut gefallen und mir auf jeden Fall ganz anderen Facetten gezeigt. Während des ganzen Semesters sind bei mir auch keine nennenswerten Probleme aufgetreten und bei Freunden, die welche hatten, hat die Uni immer sehr schnell geholfen. Wen auch immer man fragt, die Schweden sind sehr hilfsbereit.

Ein Bericht von Rita Sprenger

 

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