Auslandssemester an der Universidad Pablo de Olavide Sevilla, Spanien

“Ich habe mich sofort in diese Stadt verliebt. Das Leben hier unterscheidet sich stark von dem in Deutschland. Das Leben spielt sich auf der Straße ab und man ist kaum zuhause. Egal zu welcher Uhrzeit man das Haus verlässt, auf den Straßen ist immer etwas los. Die Menschen sind sehr freundlich und glücklich, was sofort spürbar ist.”

Information über die Universität

Der Bewerbungsprozess war recht einfach. Die notwendigen Unterlagen müssen bis zur Deadline im ISMA-Büro eingereicht werden, wobei man ein bis zwei Wochen später eine Rückmeldung bekommt. Bis zum Start des Auslandssemesters erhält man diverse Emails, u.a. zur Anmeldung an der Gastuniversität, das Hochladen verschiedener Dokumente usw.

Die Universidad Pablo de Olavide liegt außerhalb der Stadt. Die Metro benötigt ca. 15 Minuten vom Stadtzentrum (Puerta de Jerez) bis zur Uni. Es besteht zusätzlich die Möglichkeit mit dem Bus zu fahren.
Im International Office arbeiten zwei Frauen, die bei Fragen weiterhelfen. Man sollte allerdings zeitlich früh dort sein, da der Ansturm besonders zu Beginn des Semesters sehr groß ist. Fragen per Email werden allerdings selten beantwortet. Zu Beginn des Semesters wird ein Einführungstag angeboten, der verpflichtend ist, da man dort die wichtigsten Informationen erhält. Anschließend wird ein Rundgang über den Campus gemacht, bei dem u.a. die Bibliothek besucht wird.

Kursinformationen

Bereits vor Beginn des Semesters konnte man sich über ein Anmeldungsportal in die Kurse einschreiben. Diese Auswahl kann in der ersten (oder zweiten) Semesterwoche nochmal geändert werden, dann wird dieses Portal geschlossen und es sind keine Änderungen mehr möglich. Dabei kann in einem Kurs nur eine begrenzte Anzahl an Studenten teilnehmen,
sodass man schnell sein muss. Jeder Kurs besteht aus einem theoretischen und einen praktischen Teil (Vorlesung und EPD genannt). Für das EPD und für die Abschlussklausur erhält man jeweils eine Note, die dann zusammen (meist mit unterschiedlicher Gewichtung) die Endnote ergibt. Insgesamt ist das System an dieser Universität sehr
„verschult“. Es müssen hier viel mehr Präsentationen gehalten und Tests sowie Hausarbeiten geschrieben werden. Dies ist am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig. Die von mir gewählten Kurse wurden bzw. sollten alle in Englisch gehalten werden.

Business Law (6 Credits)

Dieser Kurs ähnelt der Vorlesung „Einführung in das Wirtschaftsrecht“. Hier werden u.a. die Grundlagen des Rechts- und Sozialstaats, Handlungs- sowie Geschäftsfähigkeit besprochen. Dieser Kurs wird von einem Anwalt gehalten, der wirklich sehr nett und bemüht ist, den Studenten die Thematik näher zu bringen. Allerdings gab es hier
zwischendurch sprachliche Barrieren, sodass er zwischenzeitlich Spanisch gesprochen hat. Die EPDs bestanden aus Tests und Fallbeispielen, die bearbeitet und präsentiert werden mussten. Leider waren einige dieser Fallbeispiele auf Spanisch, sodass
Auslandsstudenten große Probleme hatten, diese überhaupt zu verstehen. Zudem war der Lernumfang sehr hoch. Sprachliche Fehler im Skript haben das Lernen ebenfalls deutlich erschwert.Die EPDs zählen 30% zu der Endnote, d.h. die abschließende Klausur zählt 70%.

Human Resource Management (6 Credits)

In diesem Kurs ging es um die Selektion von Mitarbeitern und das erfolgreiche Führen dieser. Wichtige Aspekte wie z.B. die Motivation der Mitarbeiter sowie die Entlohnung wurden ausführlich behandelt. Dieser Kurs war sehr interessant, erforderte aber auch viel Aufmerksamkeit, da es kein Skript gab. Die Klausur, die am Ende des Semesters geschrieben wurde, war aber sehr fair und machbar. Diese zählte 50% zu der Endnote.
Die EPDs waren ein Mix aus Präsentationen, Tests und Hausarbeiten, die ebenfalls machbar waren.

Operations Management 1 (6 Credits)

In diesem Kurs wurden grundlegende Aspekte der operativen Planung behandelt. So sind u.a. die Break-Even Analyse und die Produktionsprogrammplanung Gegenstand dieser Vorlesung. Die EPDs bestanden aus Tests und Fallbeispielen, die teilweise einzeln oder in
Teamarbeit zu lösen sind. In diesem Kurs war die sprachliche Barriere sehr groß. Die Professorin hatte erhebliche Probleme mit der englischen Sprache, sodass es oftmals sehr schwierig war sie zu verstehen. Fragen wurden meist nicht beantwortet. Zudem waren Fehler in den einzelnen Tests oder auch in der Abschlussklausur vorhanden, die sie sich selbst nicht erklären konnte. Die EPDs zählen hier 40% und die Klausur 60%.

Marketing Management 2 (6 Credits)

Dieser Kurs gleicht der Vorlesung „Grundlagen des Marketing“. In diesem Kurs wurden diverse Marketing-Instrumente und -Strategien besprochen. Die Professorin war nett und half bei aufkommenden Fragen weiter. Zudem konnte man der Vorlesung sehr gut folgen.
In den einzelnen EPDs wurde an einem Projekt gearbeitet. Es musste zu einem vorgegebenen Thema ein Marketing-Plan erarbeitet werden. Es gab eine Themenliste, aus der sich jedes Team ein Thema aussuchen musste, wobei kein Thema zweimal vergeben wurde. Über das ganze Semester wurde daran gearbeitet. Dafür gibt es eine Note, die zu 40% in die Abschlussnote eingeht.

Stadt

Generell ist die Anreise nach Sevilla mit viel Zeit verbinden. Von Eindhoven wird Sevilla zweimal die Woche direkt angeflogen. Von dort aus kann man dann mit dem Bus
für 4€ ins Stadtzentrum fahren. Es besteht auch die Möglichkeit von Düsseldorf, Dortmund oder Köln zu fliegen, dann aber entweder nach Jerez (ca. 1 Stunde Zugfahrt nach Sevilla), Malaga oder Faro (beides jeweils 2,5-3 Stunden Busfahrt mit dem Unternehmen ALSA). Sevilla ist von einem besonderen Charme umgeben. Egal zu welcher Uhrzeit, es sind immer Menschen auf den Straßen unterwegs, die glücklich durch die kleinen Gassen spazieren. Überall gibt es Tapasbar und Restaurants, wo man zu günstigen Preisen richtig satt wird. Zudem hat Sevilla viele Sehenswürdigkeiten zu bieten. Sehr bekannt ist hierbei die Kathedrale von Sevilla und die Giralda. Die Giralda ist ein Turm, von der man eine super Aussicht über Sevilla bekommt. Ebenfalls ein Muss ist das Alcazar von Sevilla, der Königspalast. In seinen Gärten vergeht die Zeit wie im Flug. Ebenfalls sehenswert ist das Casa Pilatos, ein kleiner Stadtpalast, zwar deutlich kleiner als das Alcazar, aber nicht weniger schön! Vom Metropol Parasol hat man eine wunderschöne Aussicht über Sevilla. Hier zahlt man 3 Euro Eintritt, erhält dafür oben auf der Aussichtsplattform einen Tinto de Verano, ein Bier oder ähnliches. Sehr empfehlenswert bei Sonnenuntergang! Der Torre del
Oro direkt am Fluss Guadalquivir bietet ebenfalls eine schöne Aussicht. Nicht zu vergessen ist der schöne Plaza de Espana. Dies ist ein sehr berühmter Platz, dessen Charme für sich spricht.

Unterkunft

Ich habe zuerst in einem Hostel gewohnt und vor Ort nach Wohnungen geschaut. Meine Unterkunft habe ich schließlich auf der Internetseite von pisocompartido gefunden. Easypiso ist eine weitere Suchplattform, auf der sehr viele Wohnungen und Zimmer angeboten werden. Zwar war die Wohnungssuche recht stressig, da viele schöne Wohnungen schon vergeben waren, aber es hat sich dennoch gelohnt. Generell kann ich die Wohnungssuche vor Ort trotzdem nur empfehlen. Viele hatten im Voraus bereits Wohnungen über das Internet gefunden und gemietet, waren aber dann eher enttäuscht darüber. Fotos können manchmal leider sehr täuschen! Ich habe in einer WG im Zentrum gewohnt, in der Nähe von Plaza Nueva. Diese Gegend kann ich nur empfehlen, von hier aus erreicht man alles sehr schnell zu Fuß. Die Kosten für eine Wohnung variieren stark je nach Lage und Größe. Durchschnittlich zahlt man ca. 280- 400 Euro für ein Zimmer. Da es im Sommer sehr heiß in Sevilla wird, gibt es meistens keine festeingebauten Heizungen. Achtet darauf, dass es eine Art mobile Heizung gibt, die über Strom läuft. Besonders abends kann es sonst ziemlich kalt werden. Die Lebenshaltungskosten entsprechen ungefähr denen in Deutschland. Üblicherweise geht man zum Essen aber öfters in eine Tapasbar, wo man durchschnittlich 3€ für eine Tapa bezahlt. Zu empfehlen ist die Taberna Coloniales, in der Nähe der Kathedrale.

Reisen

Generell wurden sehr viele Reisen von ESN, We love Spain und Erasmus Club Sevilla angeboten. Besonders im September sind wir jeden Sonntag an verschiedene Strände gefahren. Ab Oktober wurden zahlreiche Ziele angeboten (u.a. Cordoba, Granada, Cadiz, Valencia, Madrid). Absolut empfehlenswert ist die Reise nach Marokko für 5 Tage. Eine Nacht wird in der Sahara in einem Zeltlager verbracht. Diese Reise war zwar anstrengend, hat sich aber sehr gelohnt!! Cordoba, Ronda, Gibraltar und Granada sind ebenfalls
sehenswert. Mit dem Bus (ALSA) kann man auch leicht selbst verschiedene Städte erkunden. Eine weitere Möglichkeit ist die Autovermietung, was am einfachsten ist. Mit ein paar Freunden können so günstig und flexibel alle umliegenden Städte erkundet
werden.

Krankenversicherung

Eine spezielle Auslandsversicherung musste ich nicht abschließen.

Freizeitaktivitäten

Die ESN hat zu Beginn des Semesters eine Willkommenswoche mit verschiedenen Aktivitäten angeboten. Es gab u.a. ein internationales Picknick, zu dem jeder etwas Typisches aus seinem Land mitgebracht hat. Bei der Bar- und Tapastour wurden die besten und teilweise ältesten Bars gezeigt. Durch diese Willkommenswoche wurden schnell erste Kontakte geknüpft. Jede Woche gab es verschiedene Partys (teilweise Mottopartys) in verschiedenen Clubs. Vor allem in den Sommermonaten wurde in Diskos unter freiem Himmel gefeiert wie z.B. im Belindo und Casino. In den kälteren Monaten waren Clubs wie Uthopia oder HOYO sehr beliebt. Auch in der Alfalfa oder an der Alameda findet man viele Bars sowie einzelne kleinere Clubs.

Fazit

Insgesamt kann ich den Ort Sevilla für ein Auslandssemester nur empfehlen. Diese Stadt ist einfach wunderschön und es gibt hier viel zu erleben. Ich habe mich sofort in diese Stadt verliebt. Das Leben hier unterscheidet sich stark von dem in Deutschland. Das Leben spielt sich auf der Straße ab und man ist kaum zuhause. Egal zu welcher Uhrzeit man das Haus verlässt, auf den Straßen ist immer etwas los. Die Menschen sind sehr freundlich und glücklich, was sofort spürt ist. Viele Studenten aus den verschiedensten Ländern sind hier unterwegs, was der Stadt etwas Besonderes verleiht. Auch wenn die Universität ihre Schwierigkeiten mit sich bringt, lohnt es sich dennoch! Diese ist mit viel mehr Arbeit verbunden als in Deutschland, trotzdem bin ich froh, dass ich diese Erfahrung an der UPO machen konnte.
Es war die beste Entscheidung mein Auslandssemester in Sevilla zu verbringen. In diesen 5
Monaten habe ich so viel erleben können, was für immer in Erinnerung bleiben wird.
Ich kann es nur jedem weiterempfehlen, der mit dem Gedanken spielt nach Sevilla zu gehen!

Ein Bericht von Joana da Silva.

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