Mein Semester an der Western Washington University (WWU) / USA

Ich empfehle jedem ein Auslandssemester zu absolvieren. Wer gerne relativ günstig in den USA studieren, sein Englisch aufbessern und zudem noch ein wenig reisen möchte, für den ist die WWU genau der richtige Ort. Wer ein Partysemester machen möchte oder ein Sonnenparadies sucht, sollte lieber nach Südeuropa oder Kalifornien gehen. Insgesamt blicke ich positiv auf meine Zeit in den USA zurück.

Information über die Universität

Allgemeine Angaben

Ich habe ein Auslandssemester an der WWU in Bellingham absolviert. Bellingham ist eine Kleinstadt mit ca. 80 000 Einwohnern an der Nodwestküste der USA im Bundestaat Washington. Die Stadt liegt direkt zwischen den beiden Großstädten Seattle, WA und Vancouver, BC in Kanada. An der Universität sind ca. 15 000 Studenten eingeschrieben, was für amerikanische Verhältnisse eher wenig ist. Die Vorlesungszeiten unterteilen sich dort – anders als in Deutschland oder anderen Universitäten der USA – in Quarter. Ich befand mich damals im Fall Quarter.

International Office und Kontaktpersonen

Da ich auf jeden Fall ein Auslandssemester absolvieren wollte, habe ich mich zunächst im ISMA-Office über Möglichkeiten beraten lassen. Unter den Partneruniversitäten gefiel mir vom Standort her die WWU am besten, wodurch ich mich dann auch für diese beworben hatte. Nach meiner Nominierung durch Jörn Benzinger waren dann die Mitarbeiter des International Office Abigail Borchert (abigail.borchert@wwu.edu) und Richard Bruce (richard.bruce@wwu.edu) meine Ansprechpartner, welche über den gesamten Zeitraum immer offen für Fragen waren und mich super unterstützt haben.

Organisation

Organisatorisch kann es gerade am Anfang etwas chaotisch ablaufen. Dadurch sollte man sich jedoch nicht verrückt machen lassen, denn in der Regel bekommt man immer rechtzeitig gesagt, was man tun soll.

Besonderheiten bei der Bewerbung

Ich musste für die Bewerbung an ISMA alle benötigten Unterlagen fristgerecht einreichen (auf jeden Fall solltet ihr genügend Vorlaufeit für den TOEFL-Test einplanen, falls dieser benötigt wird) und mich nach meiner Nominierung nochmal separat an der WWU bewerben. Als nach einiger Zeit die entgültige Zusage kam und ich alle benötigten Unterlagen erhalten hatte, konnte ich mich für ein Wohnheim bewerben, mein Visum beantragen und Flüge buchen.

Kursinformationen

Western bietet ein umfangreiches Kursangebot verschiedener Studienrichtungen, wodurch für jeden Austauschstudenten etwas geeignetes zu finden sein müsste. Zu den Bewerbungsunterlagen bekam ich einen Kursfinder zugeschickt, womit ich erste Planungen vornehmen konnte. Man kann sich damit auch noch etwas Zeit lassen, jedoch sollte man sich bis zur Ankunft für Kurse eingeschrieben haben, da man sonst vor Ort schnell mal in Stress gerät. Nach Absprache bezüglich Anrechenbarkeit hatte ich mich damals für folgende Kurse entschieden:

1) Econometrics:

Dieser Kurs war inhaltlich genau wie “Econometrics for MA-Students” an der MSM. Der große Unterschied war jedoch, dass er sehr, jedoch war er auch sehr zeitaufwändig. Es gab immer wieder Hausaufgaben und mehrere Prüfungsphasen. Die Prüfungen enthielten immer Anwendungsaufgaben, die wir mit einem Computerprogramm lösen mussten, was ich sehr gut fand.

2) Game Theory:

Dies war der interessanteste Kurs, den ich belegt hatte. Dieser Kurs beschäftigte sich mit verschiedenen Aspekten der Spieltheorie und war sehr anspruchsvoll. Der Professor war jedoch sehr nett und immer bemüht, dass alle Studenten den Stoff verstehen. Zwischendurch gab es immer wieder kleine Tests und auch für diesen Kurs gab es mehrere Prüfungen.

3) Markets and Society:

Dieser Kurs ist am ehesten mit den Kursen der MSM vergleichbar und ein VWL-Grundlagenkurs. Die Vorlesung fand in einem großen Hörsaal mit ca. 300 Leuten statt und es gab drei Prüfungen, die allesamt Multiple Choice Aufgaben beinhalteten. Insgesamt war der Kurs sehr einfach, dementsprechend konnte man sich an diesen Vorlesungstagen gerne mal freinehmen.

Insgesamt muss ich sagen, dass ich die Kurse der WWU zwar interessant fande, jedoch das Bildungssystem der USA nicht bevorzuge, da es einfach sehr zeitaufwändig und meiner Meinung nach zu schulisch ist. Man bekommt immer etwas zu tun und die Deadlines sind oft sehr kurzfristig (Hausaufgaben, Tests, Präsentationen, Klausuren, Paper mussten teilweise innerhalb weniger Tage erbracht werden). Dadurch kann man sich seine Studienzeit kaum selbst einteilen.

Sehenswürdigkeiten und Highlights

Washington ist ein landschaftlich sehr schöner Bundesstaat, es ist sehr bergig und grün, was mich bei meiner Ankunft sehr beeindruckte, dementsprechend befinden sich dort viele Nationalparks. Allerdings ist diese Region – besonders im Herbst – auch bekannt für viel Regen und graue Wolken. Als ich dort war hat es bis auf die ersten zwei Wochen wirklich fast jeden Tag teilweise wie aus Eimern geregnet, sodass Freizeitaktivitäten an der Natur meist ausblieben. Bellingham selbst hat als Kleinstadt nicht so viel zu bieten. Es gibt ein kleines Ortszentrum, wo man einige Bars und Clubs findet, jedoch waren diese zu meiner Zeit immer nur sehr mager besucht. Ein Highlight ist auf jeden Fall der Whatcom Falls Park im Osten der Stadt, den man bei gutem Wetter auf jeden Fall besuchen sollte.

  Anreise

Ich bin von Frankfurt nach Seattle mit der Airline Condor geflogen. Von dort aus bin ich mit dem Bus ca. 2 Stunden nach Bellingham gereist. Das International Office hat auch einen Pick-Up Service organisiert, den ich jedoch nicht wahrnehmen konnte, weil ich an einem Tag ankam, an dem dieser nicht verfügbar war.

Unterkunft

  Organisation

Ich habe in dem Studentenwohnheim Birnam Wood gewohnt. Dies ist eine Art Apartmentkomplex, bei dem man sich ein Apartment mit drei anderen Studenten teilt. Es gibt zwei Schlafzimmer, eine Küche, ein Bad und ein großes Wohnzimmer. Ich habe mir ein Zimmer mit einem Studenten aus Japan geteilt. Insgesamt kam ich sehr gut mit meinen Mitbewohnern aus, jedoch waren sie sehr introvertiert und nicht wirklich an gemeinsamen Aktivitäten interessiert. Dies stellt nach meiner Einschätzung jedoch eher die Ausnahme dar, denn die Studenten in den anderen Apartments haben öfters etwas miteinander unternommen.

  Lage

Obwohl das Wohnheim als “On-Campus” angepriesen wird, befindet es sich etwas abseits vom Campus, jedoch nicht allzu weit weg. Man kann entweder 5 Minuten mit dem Bus fahren oder ca. 15 Minuten laufen.

  Kosten

Die Kosten für ein Quarter beliefen sich bei ca $1100, was vergleichsweise sehr günstig war. Die andere Wohnheime kosteten allesamt mindestens das Doppelte, außerdem musste man hier keinen überteuerten Mealplan hinzubuchen, wodurch man erheblich Kosten sparen konnte.

  Qualität

Hinsichtlich der Qualität des Wohnheims sollte man keine zu hohen Ansprüche haben. Es war sehr spartanisch eingerichtet und sehr trist. Wenn man mit Amerikanern zusamenwohnt, bringen diese jedoch auch oft ihre eigene Einrichtung und Utensilien mit, sodass man es dort etwas wohnlicher gestalten kann.

  Lebenshaltungskosten allgemein

Die Lebenserhaltungskosten in den USA habe ich als etwas höher als in Deutschland angesehen, jedoch hielt sich dies noch im Rahmen, man ist also nicht verhungert. Das einzige, was wirklich teuer war, war alles was mit Education zutun hatte. In den USA müssen riesen Summen an Studiengebühren entrichtet werden, die sich pro Quarter im mittleren vierstelligen Bereich befinden. Glücklicherweise gab es für mich durch die MSM einen Tuition-Waiver, wodurch mir diese Gebühren erlassen wurden. Jedoch sind an der Universität für viele Dinge weitere Gebühren und Steuern angefallen. Dies bezieht sich auch auf Kursmaterialien und Bücher, die für die Kurse notwendig waren. Die Kosten dafür beliefen sich nicht selten im dreistelligen Dollarbereich (pro Buch!). Dabei lohnt es sich, die Materialien anstatt im örtlichen Bookstore im Internet zu kaufen, da sie dort meist billiger sind.

Reisen

Der Standort Bellingham eignet sich hervorragend zum Reisen. Die Großstädte Seattle und Vancouver, BC sind für amerikanische Verhältnisse nicht weit entfernt. Zudem sind diese Ziele recht sehenswert und es lohnt sich ein paar mal dort hinzufahren. Auch die vielen umgebenen Nationalparks in Washington und Kanada wie Olympic National Park oder Mount Baker sind beeindruckend, allerdings sollte man dies meiner Meinung nach so früh wie möglich machen, da im Frühherbst die Regenwahrscheinlichkeit am geringsten ist. Bellingham hat zudem auch einen kleinen Flughafen, der sämtliche Ziele an der Westküste ansteuert. Diese Gelegenheit habe ich insofern genutzt, dass ich mit einem Kommilitonen über die Thanksgiving-Break einen Kalifornien Roadtrip von San Francisco über Los Angeles bis nach San Diego gemacht habe. Nach dem Quarter habe ich auch noch zwei Wochen auf Hawaii verbracht und kurz vor meiner Rückkehr gab es noch einen Abstecher nach Las Vegas. Diese Reiseziele kann ich allesamt mit gutem Gewissen sehr empfehlen!

Krankenversicherung

Ich habe eine Versicherung der WWU in Anspruch genommen, die alle nötigen Leistungen abdeckt. Dies war sehr unkompliziert, jedoch war sie etwas teurer als eine deutsche Zusatzversicherung, wer also Geld sparen möchte, sollte sich vorher etwas schlau machen. Ich musste sie glücklicherweise nie in Anspruch nehmen

Freizeitaktivitäten

  Hat die Universität Unternehmungen für die Studenten organisiert?

Leider wurden von der Universität kaum Unternehmungen für die Studenten organisiert sondern man musste all seine Aktivitäten selbst organisieren. Von dem International Office gab es am Anfang eine Art “Welcome-Barbecue” und eine Wanderung in den Bergen der Pazifikküste. Allerdings gibt es eine Vielzahl an Universitäts- und Sportclubs. Damit sich keine Langeweile anbahnt, empfehle ich mich für einen anzumelden.

  Gab es Partys?

Partys gab es ebenfalls keine, zumindest nicht offiziell von Seiten der Universität. Man lernt jedoch schnell Amerikaner kennen, die einen zu riesigen Hauspartys einladen, die meistens richtig lustig waren und jedes amerikanische Klischee erfüllten. Man kann auch seine eigene Wohnheim-Party schmeißen, jedoch muss man dann mit einer Mahnung rechnen. Richtige Nachtclubs gibt es auch in Downtown, jedoch können diese nicht mit deutschen Clubs mithalten und sind meistens nicht gut gefüllt.

Fazit

  Was hat Dir besonders gut gefallen?

Ich hatte eine schöne Zeit in den USA. Besonders die Reisen innerhalb Washingtons, nach Kanada, Kalifornien und Hawaii waren sehr lohnenswert. Wie gesagt ist Bellingham ein idealer Ausgangspunkt um solche Reisen zu realisieren.

  Was hat Dir nicht so gut gefallen?

Nicht so gut gefallen hat mir teilweise das Leben in Bellingham, da es oft sehr sehr regnerisch war und somit die Freizeitmöglichkeiten eingeschränkt wurden. Auch von der Universitätsseite hinsichtlich Unternehmungen bin ich etwas enttäuscht. Die Kurse waren sehr interessant, allerdings auch sehr aufwändig.

  Was ich sonst noch sagen wollte….

Ich empfehle jedem ein Auslandssemester zu absolvieren. Wer gerne relativ günstig in den USA studieren, sein Englisch aufbessern und zudem noch ein wenig reisen möchte, für den ist die WWU genau der richtige Ort. Wer ein Partysemester machen möchte oder ein Sonnenparadies sucht, sollte lieber nach Südeuropa oder Kalifornien gehen. Insgesamt blicke ich positiv auf meine Zeit in den USA zurück.

Ein Bericht von Jonas Franke

Bildergalerie WWU

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