Mein Auslandssemester in Växjö, Schweden

“Das Leben auf dem campus war aufgrund der vielen netten Austauschstudenten (teils auch Schweden) sehr angenehm. Man hat zusammen gekocht, abgehangen oder gefeiert.”

Die Universität

Linnaeus University Växjö, Sweden (lnu.se)
2 Campus-Uni (Växjö & Kalmar)
International Office (inexchange@lnu.se)

Zunächst einmal erfolgt die Bewerbung beim ISMA-Büro für das ERASMUS-Programm und die zugehörige Uni. Habt ihr einen Platz erhalten, werdet ihr in Växjö an der Uni nominiert, welche dann final über eure Aufnahme entscheidet (normalerweise wird man aber angenommen). In Växjö könnt ihr dann bei der Online-Anmeldung angeben, ob und welche Unterkunft ihr benötigt und welche Kurse ihr wählen möchtet (mehr dazu in den nächsten Abschnitten).

Kursinformationen

Kurs 1: Business Development (15 Cr.)
Kurs 2: Creativity Management (7,5 Cr.)
Kurs 3: Fokus Schweden (10 Cr.)
Kurs 4: Swedish Beginners (non-credit)

Die Hauptkurse befanden sich auf Master-Level. Grundsätzlich kann man an der LNU zwischen Einzelkursen mit 7,5 oder 10 oder 15 Credits oder einem großen Kurs mit 30 Credits (welche in vier einzelnen Module unterteilt werden) wählen. Die Kurse für Bachelor BWL waren meist 30 Cr. Master-Studierende konnten nur zwischen Einzelkursen wählen.

Zu den Kursen sei gesagt, dass die Prüfungen sehr unterschiedlich sein können. Es sind sowohl Klausuren, Hausarbeiten, Fallstudien oder Präsentationen denkbar. Meine Kurse wurden überwiegend durch Hausarbeiten abgeprüft; Klausuren musste ich dabei jedenfalls nicht schreiben, was für erhöhte zeitliche Flexibilität im Semester führte. 11

Hausarbeiten können alleine oder in Gruppen mit bis zu vier Personen geschrieben werden. Unterrichtssprache war Englisch. Es ist aber auch möglich deutsche Literatur oder schwedische für eure Hausarbeiten zu benutzen. Die Hausarbeiten sind übrigens zwischen 8 und 30 Seiten lang (je nach Größe der Gruppe). Hausarbeiten können mit einer festen Aufgabenstellung vergeben werden. In meinem zweiten Kurs musste die Hausarbeit jedoch vollständig von mir selbst ausgearbeitet werden. Die Hausarbeiten werden entweder mit Pass / Fail oder Pass / Pass with Distinction / Fail bewertet. Es ist aber auch möglich ECTS Noten zu bekommen, wenn ihr dies rechtzeitig eurem Kursleiter mitteilt. Die Kursleiter sind übrigens im Allgemeinen gut bis sehr gut per E-Mail zu erreichen. In Schweden werden alle Dozenten „geduzt“ und die Kommunikation ist unkompliziert.

Zu erwähnen ist noch, dass der Kurs Business Development trotz der Tatsache, dass sehr viele Hausarbeiten geschrieben wurden, sehr gut zu bewältigen war. Positiv war dabei auch, dass dies der erste Kurs aus dem offiziellen internationalen (englischem) Marketing-Master Programm war, wodurch die Kontaktaufnahme mit anderen internationalen Studenten und auch Schweden sehr einfach gewesen ist. In meinem zweiten Kurs war dies leider kaum möglich, weil der Kurs offensichtlich aus einem herkömmlichen Master in schwedischer Sprache stammte und außer mir kaum internationalen Studenten anwesend waren.

Die Stadt

In der Innenstadt gibt es eine kleine, moderne Einkaufsmeile, in der man sehr viele Optiker, Mc Donalds, Bars, Clubs (später mehr), ein Kino und verschiedene Shops findet. Die Innenstadt ist mit den Bussen 1, 3 und 5 innerhalb von zehn Minuten vom Campus gut
zu erreichen. 13

In der Nähe der Innenstadt befindet sich das Fußball- und Eishockeystadion. Während Eishockey wirklich sehr gut (wenn auch teuer) war, ist Fußball wirklich nicht so gut in Schweden. Da die Tickets für Fußball für Studenten aber deutlich günstiger angeboten wurden, war das trotzdem eine coole Erfahrung.

Zu den Sehenswürdigkeiten zählt auch der Växjö Dom. Die Kirche ist in gutem Zustand und modern. Im Wintersemester solltet ihr dort euch auch Lucia mal angucken. Ihr solltet aber mindestens eine Stunde vor Beginn schon da sein, weil wirklich viele Menschen anstehen.

Anreise

Am günstigsten und schnellsten kommt ihr mit RyanAir von Düsseldorf Weeze direkt nach Växjö (Smalland Airport). Dort kommt ihr mit dem Auto von Duisburg in 50min oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln (1,5h) hin. Pro Flug zahlt ihr wenn ihr früh bucht nur 15-20 Euro. Für das Gepäck kommen je nach kg-Auswahl noch 20-30 Euro oben drauf. Die gute Verkehrsanbindung nach Schweden bietet es an, häufiger Freunde oder den Partner-/in einzuladen.12

Seit September 2013 gibt es eine normale Buslinie (Nr. 4) die mehrmals in der Stunde zum Växjö Resecentrum (Main Station) fährt. Die Fahrtzeit beträgt nur 20-25 Minuten. Vorher gab es nur einen Sonderbus, der direkt an Ryan Air Flüge gekoppelt war, was schon ein wenig umständlich war.

Zur Bezahlung im Bus sei gesagt: Üblicherweise wird mit Kreditkarte bezahlt (26 SEK). Cash wird nicht empfohlen, weil dann der doppelte Preis (52 SEK) anfällt, was viele Touristen allerdings nicht wissen. Noch besser ist es sich im Pressbyran eine Guthabenkarte zu kaufen. Dort könnt ihr zwischen 100 und mehreren tausend SEK aufladen. Der Vorteil: Pro Fahrt spart ihr 20 Prozent (auch auf Fernstrecken, z.B. nach Kopenhagen oder Malmö, Lund, etc. wenn ihr mit dem Öresundståg Zug fahrt und die Karte erst live am Automaten oder im Pressbyran kauft. Alternativ könnt ihr im Voraus im Internet unter sj.se buchen. Je früher ihr das tut, desto mehr spart ihr. Vor allem, wenn ihr nach Stockholm wollt, ist dies empfehlenswert.

Unterkunft

Die Unterkunft kann man bei der Online-Anmeldung aussuchen und dann wird das von der Uni organisiert. Zur Wahl stehen die Kategorien:

  • Single Apartment: Einzelwohnung auf 20-25m² in Stallvagen mit eigenem Bad und eigener Küche (Kosten: ~520€)
  • Shared Apartment: Entspricht dem Single Aparment in Stallvagen, aber mit zweitem Bett im selben Raum (Kosten: ~ 300€)
  • Dorm Room: Man hat sein eigenes 20-25 m² Zimmer mit Bad und teilt sich Küche und Wohnzimmer mit 7-14 Personen (Kosten: 300-500€)

Zu den Apartments ist zu erwähnen, dass diese auf dem Campus in Stallvagen (in der Nähe des Schlosses und des Slotstallarnas) liegen. Stallvagen ist generell etwas ruhiger, aber
trotzdem eine gute Option für die Sparbewussten (shared apartment) oder für diejenigen, die ganz alleine wohnen möchten.

Ich habe mich für den dorm room entschieden und bin mit der Entscheidung voll und ganz zufrieden. Generell gibt es die Gebäude „PG“ , „Lyan“ und „Vallgatan“. Während Vallgatan etwas abseits in der Stadt liegt, befinden sich die anderen Gebäude alle auf dem campus.

8Ich hatte Glück in Lyan zu landen, was nicht nur mitten auf dem campus liegt, sondern auch am modernsten ist (mit 500€ auch am teuersten). Dies äußert sich z.B. darin, dass Sauna und Waschräume direkt an den Türen mit der Chipkarte gebucht werden und die Haupteingangstüren nur mit den Chipkarten geöffnet werden können. Zudem befanden sich die meisten Pre- und After-Partys in den beiden Lyan Gebäuden 61 / 62. Dies liegt einfach daran, dass die Lage gut ist und die Gebäude über sehr große Wohnräume und Flure verfügen.

Das Leben in dorm rooms ist m.E. besonders zu empfehlen, weil man hier am schnellsten Kontakt zu den anderen internationalen Studenten knüpfen und zusammen kochen oder einfach nur abhängen kann. Ein Nachteil ist natürlich die oftmals dreckige Küche und die Tatsache, dass viele Leute ein- und ausgehen, die man teils noch nie gesehen hat. Aber wer damit umgehen kann und sich auf den regen Kontaktaustausch mit anderen Studenten freut, sollte sich für den dorm room entscheiden.

Die Lebenshaltungskosten sind deutlich höher als in Deutschland. Ihr werdet nach eurer Heimkehr mit Freuden feststellen, dass unsere deutschen Preise in Supermärkten,
Gastronomie oder Kino, etc. gar nicht so schlecht sind. Rechnet z.B. mit höheren Preisen in Supermärkten um 10-40% (je nach Artikel). Alkohol ist extrem teuer!

Es gibt 2 Supermärkte in der Nähe (ICA ist 5- und Willys 10 Minuten entfernt). Für kleinere Einkäufe eignet sich ICA gut. Größere Einkäufe sollten besser im Willys erledigt werden, weil die Preise etwas günstiger sind und es mehr Angebote gibt. In Schweden ist es übrigens üblich, dass Packungsgrößen teils größer angeboten werden (2kg Käse oder 5kg Reis). Wer auf deutsche Produkte nicht verzichten möchte kann zum 4km entfernten LIDL mit Bus oder Auto fahren.

Es gibt aber auch ein großes Einkaufszentrum (City Gross), welches direkt neben der Arena mit Bus Nr. 3 zu erreichen ist. Unter anderem Media Markt, ein Baumarkt, ein Winter-Outlet und das schwedische Max (Burger Fast Food) befinden sich dort. City Gross ist mit unserem REAL vergleichbar und bietet wirklich fast alles an.

Was mir zur Lage noch einfällt: Es gibt 3 Seen in Uni-Nähe, welche zu längeren Spaziergängen einladen. August – Oktober ist das Wetter auch noch ganz gut, weshalb dies beliebte Orte für Studenten darstellen.

Reisen

Zu Beginn solltet ihr euch bei VIS – Växjö International Students für 50 SEK / Semester anmelden, um ohne Zusatzkosten (sonst 20 SEK pro Reise) an deren Reisen teilnehmen zu können. Wer gerne reist und kein Problem mit längeren Bus- oder Schiffsfahrten hat, sollte sich unbedingt anmelden. Trips WS13/14 waren u.a. Elchpark, Gotland, Göteborg, Lappland, Russland, Sea Battle und Stockholm. Das Programm kann sich aber ändern. Z.B. wurde für das nächste Semester auch eine Fahrt nach Norwegen eingeplant.7

Kosten für VIS – Trips sind verhältnismäßig günstig. Am teuersten sind die Reisen nach Russland (~300€) und Lappland (~500€). Hier könnt ihr vor allem auch diverse Zusatzaktivitäten buchen (Limousine, Husky, Snowmobile, etc.). Sehr empfehlenswert ist vor allem der Lappland Trip (der aber ganz schnell ausgebucht sein wird!!!) und dort unbedingt mal Rentier-Filetsteak probieren. Es lohnt!

Wenn ihr selber Reisen wollt, könnt ihr wählen:

  • Fernbus
  • Zug, bei Fahrten mit Örestundag am Schalter mit der Guthabenkarte bezahlen. Bei anderen Fahrten, z.b. mit SJ-Zügen (sj.se) unbedingt frühzeitig online im Voraus buchen. Wenn 2 Personen fahren, gibt es übrigens auch DUO Tickets wo man kräftig spart.
  • Mietwagen mit mehreren Leuten. Lohnt aber z.b. nicht nach Kopenhagen, weil die Brücke noch bezahlt werden muss.

Krankenversicherung

Mitversicherung über die Eltern möglich. Am bestenrechtzeitig vorab informieren.

Freizeitaktivitäten

Wie oben erwähnt, organisiert VIS diverseReisen in- und außerhalb von Schweden. Zu Beginn solltet ihr die Mitgliedschaft in der student union / Linesstudenterna (180 SEK) und in einer Nation (100 SEK) abschließen, damit ihr in die Bars/Clubs auf dem campus gehen könnt.

Fitnessstudio auf dem campus: Ein Fitnessstudio befindet sich im JGebäude („das Olympen“) und ist für etwa 20 € im Monat besuchbar.

VIS organisierte übrigens auch einige Events auf dem campus. Zu nennen wären das Buddy Mingle, 9die Full Moon Party oder das Welcome Dinner. Es gibt auch wöchentlich einen Film- sowie einen Sportabend, der für VIS Members kostenlos ist.

Partys:

  • Club 1 („Stallarna“) ist neben dem Schloss auf dem campus. Hierfür benötigt ihr die student union card. Der Club ist bei Austauschstudenten beliebt und hat werktags bis 1 Uhr und freitags bis 2 Uhr geöffnet. Die Öffnungszeiten sind überall in Växjö identisch.
  • Club 2 („Sivans“) finde ich besser. Hierfür benötigt ihr neben der student
    union card auch eine Nations Mitgliedschaft. Welche Nation ihr wählt
    ist dabei egal…
  • Pre-After-Partys im Lyan wegen der komischen Öffnungszeiten
  • City: Hier gibt es die beiden Clubs („Kafe Deluxe“ und „Grace“). Beide Clubs sind gut, wobei ich das Grace bevorzugt habe. Die Clubs in der City werden von Studenten aber generell weniger besucht, weil die Preise annähernd doppelt so hoch sind. Also Eintritt dann 120 SEK und 65 SEK für Bier (auf campus ~60-70 SEK sowie 25-35 SEK).

Fazit

Ich kann euch den Aufenthalt in Växjö wärmstens empfehlen. Die Anreise mit Ryan Air ist sehr komfortabel und günstig. Die Uni organisiert an den Anreisetagen einen „Abholservice“ und gibt euch den Schlüssel (ansonsten müsst ihr euch den am Info-Desk im H-Gebäude abholen). Die Uni ist sehr modern und top ausgestattet. In der BIB gibt es viele PCs und Scanner-/Drucker um sich Kursmaterialien zu besorgen oder Hausarbeiten zu drucken. Auch die Mensa bietet qualitativ hochwertiges Essen an, ist aber mit 6-8 Euro pro Gericht deutlich teurer als hier. Das Leben auf dem campus war aufgrund der vielen netten Austauschstudenten (teils auch Schweden) sehr angenehm. Man hat zusammen gekocht, abgehangen oder gefeiert. Teils war man auch auf den Reisen zusammen oder hat Unternehmungen mit seinem Besuch unternommen. Bei den Reisen gibt es viele unterschiedliche Meinungen. So finden einige das SEA Battle wahnsinnig toll und andere als große Geldverschwendung. Ich persönlich fand das eine witzige Angelegenheit, aber nicht den besten Trip. Einig sind sich die meisten Austauschstudenten darüber, dass Lappland die beste Reise ist und jeden Cent wert ist! Ich für meinen Teil fand auch die Reise nach Russland sehenswert, weil man dort erwartungsgemäß eine völlig andere Welt kennenlernt. Einen Pflichtbesuch stellt denke ich Stockholm dar, wobei ihr das auch ohne den VIS gut erreichen könnt. Ebenso ist Malmö/Kopenhagen schnell erreichbar und äußerst sehenswert. Wie eingangs erwähnt, sind die Möglichkeiten euren Auslandsaufenthalt unvergesslich zu machen, vielfältig. Ich wünsche euch eine gute Reise!

 

Ein Bericht von Christian Breitbach

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