Erfahrungsbericht: ESC Troyes in Frankreich

Ich habe die viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt kennen gelernt und durch die gemeinsame Erfahrung ist man zusammengewachsen. Über diese Freundschaften bin ich sehr froh und hoffe dass sie noch lange erhalten bleiben.

Die Universität

Die ESC Troyes ist eine private Business School mit ungefähr 1700 Studenten. Der Campus ist erst vor einem Jahr fertig gebaut worden und daher sehr modern. Es gibt eine kleine Bibliothek mit Lernräumen und Sesseln zum Ausruhen. Sie ist von 8-19 Uhr geöffnet. Auch die Computerräume sind so lange offen, so dass man sich gut für Gruppenarbeiten oder zum selbständigen Lernen dort treffen kann. In der Aula oder vielmehr dem großen Mittelgang, befindet sich eine kleine Bar wo man auch eine Kleinigkeit zum Essen für zwischendurch kaufen kann. Es gibt eine Mensa, die täglich verschiede Menus für 5 Euro anbietet. Da ich in der Nähe der Uni wohnte, habe ich dies aber nicht in Anspruch genommen.

Das Sportangebot der ESC ist relativ klein, es werden nur vereinzelt Kurse angeboten, die aber oft dann doch nicht zu Stande kommen Es gibt aber einen kleinen Fitnessraum direkt am Campus der für alle Studenten zugänglich ist.

Kontaktpersonen Indernational Office

Die Kontaktpersonen im International Office in Deutschland sind Ira Terwyen und Nicole Beuscher, die uns in der Vorbereitungsphase, aber auch während unseres Aufenthaltes in Troyes, immer weitergolfen haben. In Frankreich sind es Ciska Seyssel und Pauline Moyard.

Organisation

Leider gab es außer dem Buddy Meeting, was auch innerhalb von 45 Minuten vorbei war, keine weiteren Treffen, Fahrten, Ausflüge oder Events (Außerhalb der Orientierungs-woche, wo an jedem Abend etwas Organisiert wurde). Am Anfang wurde zwar angekündigt, dass es diverse Fahrten, z.B. ins Disney Land Paris oder auf den We

einkaufsstrase
Einkaufsstraße

ihnachtsmarkt in Nancy geben würde, aber leider gab es diese dann doch nicht. Außer einem „international Dinner“, an dem alle Erasmus-Leute zusammen und füreinander gekocht haben, gab es keine weiteren Veranstaltungen, auch keine Partys oder ähnliches. Das Meeting in dem man uns helfen wollte das Wohnungsgeld zu beantragen, hat nicht stattgefunden. Deshalb mussten wir uns selbst durch die Französische Bürokratie kämpfen um einen Antrag zu stellen, was für jemanden der kein Französisch kann ein großes Problem darstellt. Da alle Formulare nur auf Französisch zu erhalten sind und man die auch auf Französisch ausfüllen muss. Von der Organisation der Universität bin ich persönlich sehr enttäuscht, denn ich finde, eine Universität die ein Erasmus-Programm anbietet, sollte auch dafür sorgen Land und Leute besser kennen zu lernen und zumindest in der Einführungsphase Unterstützung und Kennenlernen bieten.

Orientierungswoche

Die Orientierungs-Tage fanden in der ersten Woche direkt nach unserer Ankunft statt. Am Bahnhof wurden wir von Studenten der ESC zur Uni gebracht, wo wir unsere Wohnungsschlüssel und ein Care-Paket für den ersten Tag (mit Essen und Trinken) erhalten haben. Danach wurden wir zu den Wohnungen gefahren. An den nächsten Tagen gab es erste Veranstaltungen. Uns wurde die Uni gezeigt. Wir mussten einen französischen Bank-Account eröffnen, damit wir CAF (Wohnungsgeld) bekommen können und eine Art Hausratsversicherung abschließen.

In den kommenden Tagen sollten wir unsere Buddys kennenlernen, was allerdings immer wieder verschoben wurde, so dass dies erst Mitte Oktober stattgefunden hat. Zu diesem Zeitpunkt kannten wir uns an der Uni schon gut aus und auch in der Stadt. Außerdem machte es den Anschein, dass die Buddys nicht unbedingt motiviert waren, uns kennen zu lernen. Ansonsten gab es keine weiteren Veranstaltungen, zwar wurden immer wieder Termine angekündigt, diese haben aber nie stattgefunden.

Kurswahl

Die Universität bietet verschiedene Programme im Bereich Business and Economics an. Ich habe meinen Schwerpunkt vor allem auf den Bereich Marketing gelegt.
Meine Kurse waren:

  • Global Talent Management
  • Luxury Marketing
  • International Negotiation
  • Marketing and Communications
  • International Marketing
  • Development and Strategy

Die Kurse werden auf Englisch gehalten, manche gibt es auch parallel in Französisch. Was zu sagen ist, ist dass es oft keine richtigen Professoren sind, welche die Vorlesungen halten sondern Leute, die aus der Praxis kommen. Leider Vermitteln sie selten

rathaus
Rathaus

theoretische Grundlagen und ihr Englisch ist in vielen Fällen auch schlecht.
Das Niveau im Master ist in etwa mit unserem Bachelor Niveau zu vergleichen, wobei aber keine Theorie gelehrt wird (diese wird auch nicht vorausgesetzt; wenn man etwas nicht weiß muss man selbst im Internet recherchieren) sondern nur Praktische Umsetzungen gezeigt werden. Deshalb besteht auch immer die Hälfte der Prüfungsleistung aus mehreren großen Präsentationen und zur zweiten Hälfte als Abschlussklausur.
Die Präsentationen sind oft sehr aufwendig und umfangreich und meiner Meinung nach wird der Umfang und der prozentuale Anteil der Zeit an der die Note bemessen wird bei weitem nicht angemessen in Relation gesetzt. Man muss aber sagen, dass Bachelor- und Masterfächer sich von Umfang und Aufwand sehr unterscheiden.
Jeder Erasmus-Student muss einen verpflichtenden Französisch Kurs belegen. Hierbei kann man sich vor Beginn des Aufenthaltes entscheiden, ob man einen Intensivkurs machen möchte, der in der ersten Woche stattfindet oder einen regulären Kurs, der wöchentlich bis November stattfindet. Ich habe mich für den regulären Kurs entschieden, denn der Intensivkurs überschneidet sich jeden Tag mit den anderen Fächern. Für den Kurs muss man im Vorfeld einen Einstufungstest machen. Leider wurden die verschiedenen Niveaus vermischt so dass ich zum Beispiel in einem A1 (Anfänger Kurs) war obwohl ich B2 habe. So ging es uns allen und es hat zwei Wochen gedauert bis jeder im richtigen Kurs war. Der Kurs an sich war gut und die Lehrerin war auch gut. Leider zeigt sich auch hier wieder die schlechte Organisation der ESC.
Wann die Klausuren sind, ist unterschiedlich. Ich hatte jeden Monat zwei Klausuren, da die Fächer zeitversetzt in Blöcken stattfanden. An sich finde ich das eine gute Regelung, denn so kann man sich auf die einzelne Fächer besser konzentrieren und hat am Ende keinen Block an Klausuren. Leider haben sich auch hier wieder Klausuren überschnitten so dass ich nicht alle mitschreiben konnte und nur die oben genannten absolviert habe. Es ist also ratsam, mehr Fächer als nötig zu belegen, um am Ende auf genügend Credits zu kommen.

Wohnung

Über das Portal der ESC wird circa 3 Monate vor dem Aufenthalt ein Wohnungsportal geöffnet. Dabei gibt es verschiedene Angebote an Wohnungen. Es gibt Studentenwohnheime, Einzelapartments und WGs. Man muss sich zuerst drei Favoriten aussuchen und bekommt eine Wohnung davon zugeteilt. Dabei gilt es schnell zu sein, denn je früher man sich entscheidet, umso mehr Chancen hat man, eine Wohnung von den dreien zu bekommen. Ich würde empfehlen, sich eine Wohnung zwischen dem Stadtzentrum und der Universität zu suchen. In Troyes gibt es zwar B

eglise
Eglise

usse, aber gerade zu den Stoßzeiten ist immer viel los und wenn man mit dem Rad oder zu Fuß gehen kann, ist man gerade auch abends wesentlich flexibler. Ich habe in einem Einzelapartment in der Nähe der Universität gewohnt. In dem Haus gab es noch fünf weitere Apartments, die allesamt an Erasmus-Studenten vermietet wurden. Von anderen Studenten die in den Wohnheimen‚ gewohnt haben, hat man oftmals gehört, dass es Probleme mit dem Internet oder der Heizung gab. Deshalb würde ich persönlich dazu raten, sich eine WG zu suchen oder ein Apartment für sich allein. Natürlich muss man das Angebot der ESC nicht annehmen und kann auch selbst nach einer Wohnung suchen, auch das ist kein Problem.
Was ich außerdem empfehle ist sich ein Rad zu mieten. Bei manchen Wohnungsangeboten ist das miteinbegriffen. Man kommt so viel schneller in die Stadt und kann auch kleine Ausflüge in die Umgebung machen, was vor allem sehr schön ist wenn das Wetter am Anfang noch mithält.

CAF

Jede Person, die in Frankreich wohnt, hat die Möglichkeit einen Antrag auf Wohngeld zu stellen (CAF). Die Höhe und ob überhaupt gezahlt wird, bemisst sich aus der Größe der Wohnung und den persönlichen Lebensverhältnissen. Wenn man gut Französisch kann ist es leicht den Antrag zu stellen, wenn nicht, sollte man sich besser dabei helfen lassen, weil es doch relativ schwer zu verstehen ist. Für den Antrag benötigt man noch eine beglaubigte Kopie der Geburtsurkunde, eine Kopie des Personalausweises und eine Kopie der Krankenversicherungskarte. Der Prozess ist etwas langwierig und oft kann es dazu kommen, Dokumente wiederholt einreichen zu müssen, obwohl sie schon abgegeben wurden. Im Großen und Ganzen hat es aber bei den meisten geklappt. Trotz des Aufwandes würde ich empfehlen den Antrag zu stellen, da man unter Umständen doch sehr viel Unterstützung für die relativ teuren Lebensverhältnisse als Student in Frankreich bekommen kann.

Die Stadt

Troyes ist eine relativ kleine Stadt mit circa 50000 Einwohnern. Das Zentrum, durch das auch die Seine fließt, ist sehr schön mit vielen kleinen verwinkelten Gassen, in denen es viele Cafés, Bars, drei Clubs und Restaurants gibt. Gerade im Sommer ist es sicher sehr schön, wenn man den Abend noch am Fluss oder auf dem Boot „La Barche“ verbringen kann. Etwas außerhalb gibt es große Outlet-Center die auch immer einen Besuch wert sind.
Das eigentliche Freizeitangebot ist leider nicht sehr gut ausgelegt. Es gibt ein kleines Kino, in dem ab und zu auch ein Film auf Englisch läuft, eine Eislaufbahn und mehrere Schwimmbäder. Deshalb haben wir, wenn wir mehrere Tage am Stück Zeit hatten, die Möglichkeit genutzt, um andere Städte zu besichtigen.
Abgesehen vom Outlet und den Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt gibt es viele Supermärke, unteranderem auch Aldi und Lidl. So dass es kein Problem ist ohne ein Auto einkaufen zu gehen.

Umgebung

Wenn man gerne andere Städte besichtigen möchte, lohnt es sich die Carte Jeune zu kaufen. Sie kostet 50 Euro und man bekommt zwischen 25%- 50% Rabatt auf die Zugfahrpreise, was sich alleine schon lohnt, wenn man nach Paris fährt. Das habe ich zum Beispiel sehr oft gemacht, denn

ausblick-la-barche-auf-die-seine
Ausblick La Barche auf die Seine

es gibt einen Zug, der jede Stunde von Troyes nach Paris durchfährt und man somit innerhalb von eineinhalb Stunden in der Hauptstadt Frankreichs ist.
Eine andere Möglichkeit um die Umgebung zu entdecken, ist Blabla Car. Es gibt von Troyes aus viele Angebote, damit in viele unterschiedliche Städte mitfahren zu können.
Außer nach Paris, bin ich zum Beispiel nach Reims, Metz, Nancy und Lyon gefahren. Das sind sehr schöne Städte, die man ohne Umstände gut von Troyes aus erreichen kann.
In der Nähe von Troyes gibt es einen großen See. Wenn man im Sommer dort ist, kann man dort baden, mit dem Rad fahren oder Wandern. Da Troyes die Hauptstadt der Champagne ist, sollte man auch auf jeden Fall in die kleinen Anbaugebiete fahren, wo von den einzelnen Höfen auch Besichtigungen der Keller und der Höfe selbst angeboten werden.

Fazit

Zusammenfassend würde ich mein Auslandssemester als gelungen ansehen. Ich hatte abgesehen von einigen Umständen, sehr viel Spaß und Freude dort. Trotz der Schwierigkeiten und der, Organisation die eben typisch Französisch ist, habe ich Land und Leute besser kennengelernt.

Wer gern in eine kleine, gemütliche Stadt mit all ihren schönen, aber auch negativen Aspekten kennlernen möchte, für den ist ein Auslandssemester in Troyes genau richtig. Ich weiß nicht, ob es einfach ein Teil der französischen Mentalität und Kultur ist oder auch an der Tatsache liegt, das Troyes eine Kleinstadt ist, aber speziell die Franzosen hier sind nicht wirklich entgegenkommend. Wer kein Französisch kann, ist mehr oder weniger im Alltag aufgeschmissen, vor allem wenn es um Organisatorisches geht. Auch die französischen Kommilitonen konnten sich leider erst in den letzten Wochen etwas für uns erwärmen. Wer kein Double Degree macht und somit in den französischen Unterrichtsstunden sitzt, hat wenige Möglichkeiten mit ihnen mehr Kontakt zu haben. Denn wenn man es auf Englisch versucht, kommt schon oft anfangs der Satz: „Ich kann kein Englisch“ (was sehr seltsam ist, weil der Unterricht ja auf Englisch stattfindet). Das Englisch-Niveau der Franzosen ist zudem äußerst schlecht, so dass sich für mich oft die Frage stellte, wie sie überhaupt die Klausuren bestehen konnten. Denn dadurch, dass sie oftmals im Unterricht nichts verstanden haben, wurde viel ins Französische übersetzt, was natürlich auch den Unterricht aufgehalten hat. Zudem hat dies neben der mangelhaften Motivation, vor allem die Gruppenarbeiten erschwert, so dass oft die Erasmus-Studenten die Arbeit für alle gemacht haben und die Franzosen für kaum oder gar keine Beteiligung ihre Noten bekommen haben. Dennoch habe ich sehr viel in Frankreich gelernt, nicht nur fachliches Wissen in der Universität sondern vielmehr über Kultur, Menschen und Kommunikation, was mir sicherlich in Zukunft sehr viel helfen und nützen kann. Ich habe die viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern der Welt kennen gelernt und durch die gemeinsame Erfahrung ist man zusammengewachsen. Über diese Freundschaften bin ich sehr froh und hoffe dass sie noch lange erhalten bleiben.

 

Ein Bericht von Julia Schregelmann

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s