Université de Jean Moulin Lyon III in Lyon, Frankreich

“Tiefe Freundschaften sind entstanden und ich habe viele Leute kennengelernt, mit denen ich auch über das Erasmussemester hinaus in Kontakt bleiben werde.”

Universität und Kursinformationen

Université de Jean Moulin Lyon 3
Bureau des Relations Internationales
Kontaktperson: Chantal Ortillez, Anca Stoian

Français Langue Etrangère (5 CP)

Obligatorischer Kurs für alle Erasmus-Studenten. Dem Sprachniveau angepasste Kurse nach Absolvieren eines Einstufungstests

Initiation à la culture française (3 CP)

Allgemeine Information über die französische Geschichte, Kultur, Gesellschaft, Politik und Besonderheiten der Stadt Lyon, ebenfalls obligatorisch

Macroéconomie

Arbeitsintensivster Kurs: Vorlesung + obligatorisches Tutorium mit wöchentlichen Überprüfungen, Zwischenklausur + Abschlussklausur

Anglais

Vor allem mündliches Wirtschaftsenglisch, Niveau war nicht all zu hoch, dennoch zu empfehlen, Mündliche Mitarbeit, Exposé + Abschlussklausur

Thème allemand

Übersetzungkurs von Französisch nach Deutsch, Hausaufgaben + Abschlussklausur

Die Stadt

Lyon ist die drittgrößte Stadt Frankreichs, zweitgrößte Studentenstadt durchzogen von zwei Flüssen, der Sôane und der Rhône.

  • Vieux Lyon (Altstadt mit tollem Mittelalter-Flair)
  • Fourvière (ein Hügel mit einer riesigen Basilika, der einen tollen Panoramablick über Lyon bietet).
  • 3 gut erhaltene Amphitheater aus der römischen Zeit (Lyon war mal Hauptstadt und hieß damals „Lugdunuum“, Stadt des Lichts), dort finden regelmäßig Konzerte und Aufführungen statt.
  • Les quais, die Ufer der Rhone, wo im Sommer viele Studenten und junge Leute flanieren und sich auf der Wiese treffen, um gemeinsam etwas zu trinken.

Unterkunft

internationale WG in der Nähe der Uni, etwas außerhalb des Stadtzentrums, dennoch nah an öffentlichen Transportsystem.

amphitheater
Das noch gut erhaltene Amphitheater
  • 500 € im Monat, Mieten sind generell höher als in Deutschland, Wohnungssituation ist sehr angespannt, v.a. Erasmus-Studenten haben Schwierigkeiten, für die kurze Dauer des Aufenthalts eine bezahlbare Unterkunft zu finden
  • Empfehlung: Rechtzeitig nach einer Unterkunft umschauen auf Internetseiten wie leboncoin.fr, appartager.fr, crous.fr (staatliche Wohnheime, auf Fristen achten)
  • Lebenshaltungskosten sind etwas höher als in Deutschland, Ausgehen ist auch etwas teuer, in vielen Bars gibt es Happy Hours.

Reisen

Ankunft und Abreise per Flugzeug von Düsseldorf nach Lyon mit Germanwings, bei rechtzeitiger Buchung relativ günstig (50-100 Euro).Von Lyon aus sind viele Reisen möglich, in 1 Std erreicht man die wunderschöne Kleinstadt Annecy, in 1 ½ Std erreicht man Genf, die Alpen sind generell sehr nah und bieten sich zum Wandern und Skifahren an. Per Zug ist man innerhalb von 2 Stunden in Marseille oder in Montpellier am Meer, buchbar auf ouigo.fr (20 Euro Hin- und Rückfahrt im TGV)

Krankenversicherung

Die europäische Krankenversicherungskarte gilt auch in Frankreich, Arztbesuche sind jedoch erst in bar zu bezahlen, nachher Erstattung durch die deutsche Krankenversicherung.

Freizeitaktivitäten

Universität organisiert eine kostenpflichtige Einführungswoche, die einen Sprachkurs und einige Ausflüge beinhaltet, ich habe jedoch nicht teilgenommen, weil mir 250 Euro ziemlich teuer vorkommen. Dennoch gibt es weitere Erasmusorganisationen, die Reisen und Ausflüge anbieten, zum Beispiel ins bekannte Weinbauangebiet Beaujolais. Es gibt viele Erasmus-Partys mit vielen internationalen Studenten, gut geeignet, um neue Leute kennenzulernen, jedoch häufig überfühlt.

Fazit

Entschieden habe ich mich für Lyon, weil ich von dieser Stadt ausnahmslos nur Gutes gehört habe. Jedes Jahr im Sommerurlaub durchquerten wir auf dem Weg nach Spanien Lyon mit dem Auto und nie bin ich dort länger geblieben als 30 Minuten auf der Autobahn gen Süden. So entwickelte sich der Wunsch, dort länger zu bleiben. Gut, dass die MSM eine Kooperation mit der Universität Lyon 3 anbietet. Nach dem ich meine Bewerbung eingereicht hatte, bekam ich schnell eine Zusage für diese mir noch unbekannte Stadt. Ich beendete die Klausurenphase des Sommersemesters und flog Ende August nach Lyon. Für die erste Woche hatte ich mir eine Unterkunft besorgt, sodass ich Zeit hatte, mir eine WG zu suchen. Für Wohnheime hatte ich mich nicht beworben, weil mir diese zu unpersönlich sind und meiner Meinung nach eine WG mit frankophonen Studenten ideal für die Verbesserung der Sprachkenntnisse ist. Da ich bereits als Kulturwirt-Student die Vertiefungssprache Französisch in Deutschland studiert habe, kam ich schnell gut zurecht und hatte kaum Probleme, mich zu verständigen. Doch fehlten mir eindeutig die alltägliche Konversation in der französischen Sprache und das Verbessern meiner Aussprache.

Dank der Uni, die mir bei der Wohnungssuche half, konnte ich eine 5er-WG mit einer Französin und 3 Belgierinnen finden. Bedauerlicherweise war die Kennlern- bzw. Einführungswoche der Uni kostenpflichtig und es gab keine anderen Optionen für diejenigen, die daran nicht teilnehmen wollten. Dennoch organisierte das Bureau des relations internationales, in dem man vor allem Chantal Ortillez loben muss, die von den ständigen Nachfragen meinerseits und anderer Studenten nie genervt wirkte und immer hilfsbereit war, Info-Veranstaltung bzgl. der Kurswahl, einzuhaltender Fristen und anderer nützlicher Hinweise rund um die internationalen Angelegenheiten. Leider muss ich sagen, dass die französische Organisation während der ersten 2-3 Wochen meine Nerven stark strapaziert hat. Bis ich tatsächlich meinen Studentenausweis e

kathedrale-saint-jean
Kathedrale Saint-Jean illuminiert anlässlich des Fêtes des Lumières

rhalten habe, vergingen 3 Wochen, weil ständig Unterlagen wie z.B. eine Bescheinigung einer französischen Haftpflichtversicherung fehlten. Schließlich wurde auch die Kopie meiner deutschen Haftpflichtversicherung akzeptiert. Das Problem war jedoch, dass man erst nach vollständiger Einschreibung, also nach Erhalt des Ausweises, seine Kurse wählen und bestätigen (lassen) kann. Es hing also vieles zusammen, und das eine konnte nicht ohne das andere erledigt werden. Es staute sich teilweise viel Frust auf. Administration à la française, daran musste man sich erst einmal gewöhnen. Neben diesem bürokratischen Aufwand sorgten die Stadt und schnell gefundene Bekanntschaften mit anderen Erasmus-Studenten für sehr positive Eindrücke. Der Spätsommer in Lyon ist absolut empfehlenswert. Junge Leute treffen sich am Ufer der Rhône und genießen bei gemeinsamen Essen und Trinken die abendliche Sonne und das tolle Panorama in der Stadt der zwei Hügel. Drei große Universitäten und diverse Schools schaffen eine hervorragende, studentische Atmosphäre, die auch auf den ersten Partys für viel Freude gesorgt hat.

Mitte September ging dann die Uni Richtung los. Ich hatte Kurse mit einer Gesamtzahl von 18 Credits gewählt, wovon der Kurs Macroéconomie insgesamt 6 Credits gab und mit viel Aufwand verbunden war. Insgesamt kann ich festhalten, dass das französische Unisystem sehr viel verschulter ist als in Deutschland. Französische Studenten sitzen grundsätzlich mit Laptop in den Vorlesungen und schreiben permanent das mit, was der Professor diktiert. Skript und online bereitgestellte Folien sind die Ausnahme. Daran musste man sich erst einmal gewöhnen, nach zwei Wochen wusste man jedoch, wie man sich in den Vorlesungen verhalten muss. Bei Nichtverstehen sollte man nicht zögern, seinen Nachbarn zu fragen, ob er oder sie nicht die Freundlichkeit besitze, einem die Mitschrift zukommen zu lassen. Von vielen habe ich gehört, dass die Franzosen gerne unter sich bleiben und Kontakt mit Erasmus-Studenten vermeiden, jedoch kann ich behaupten, dass ich das genaue Gegenteil erfahren habe. Schnell kam man mit Franzosen ins Gespräch über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Unisysteme und der beiden benachbarten Länder. Darüber hinaus wurde ich sogar zu gemeinsamen Abendessen und Unternehmungen eingeladen. Im Ganzen war der Workload für mich überschaubar und ich hatte Zeit für Ausflüge und kurze Reisen in andere Regionen und Städte. So bieten sich die nahgelegenen Alpen für Wanderungen im Sommer und Skiausflüge im Winter, die auch vom Service des Sports organisiert werden, an. Ich reiste nach Südfrankreich ans Meer und in die ca. 1 ½ Stunden entfernte Schweiz zum Beispiel nach Genf. Was das Sportangebot der Uni betrifft, ist für jeden etwas dabei. Man kann mit der Carte Multisport für 36 Euro im Jahr an allen Sportkursen teilnehmen und ebenso ins unieigene Fitnessstudio gehen.
Die Kosten für Wohnung und Lebenshaltung sind etwas höher als in Deutschland. Für die Miete in der WG habe ich 500 Euro gezahlt. Dies ist für Lyoner Verhältnisse schon im oberen Drittel der Mietpreise. Allerdings gibt es private Studentenwohnheime, die deutlich teurer und schlechter ausgestattet sind. Der Wohnungsmarkt, vor allem für ausländische Studenten, ist sehr umkämpft. Man muss sehr viel Glück haben, eine günstige und gleichzeitig zentral gelegene Unterkunft zu finden. Viele Besitzer verlangen entweder einen französischen Bürgen oder einen längeren Aufenthalt als ein Semester (also ca. 5 Monate). Zu empfehlen sind die Erasmus-Gruppen in den sozialen Netzwerken und die oben genannten Internetseiten. Erwähnenswert ist die Unterstützung des französischen Staates bei der Miete in Höhe von ca. 90 Euro monatlich ab dem zweiten Monat. Allerdings ist das Prozedere sehr aufwendig. Infos über die notwendigen Dokumente kann man unter der Seite http://www.caf.fr einsehen.

Nahrungsmittel und auch Restaurants und Bars sind ebenfalls teurer als in Deutschland. Man ist am Anfang etwas überrascht von den erhöhten Preisen, aber dies legt sich im Laufe der Zeit, wenn man merkt, dass insgesamt alles etwas teurer ist.

Abschließend ziehe ich ein positives Fazit meines Aufenthaltes in Lyon. Gefühlt habe ich meine Sprachkenntnisse weiterentwickeln können, bin jetzt sicherer und flüssiger im Französischsprechen. Tiefe Freundschaften sind entstanden und ich habe viele Leute kennengelernt, mit denen ich auch über das Erasmussemester hinaus in Kontakt bleiben werde. Ein Trip nach Italien und Gegenbesuch in Deutschland sind schon fest eingeplant. Auch habe ich gelernt, dass man in Frankreich viel Geduld für die administrativen Angelegenheiten mitbringen muss. Am Ende hat man zwar alle notwendigen Dokumente beisammen, jedoch läuft die Univerwaltung im Vergleich einfach langsamer und etwas unkoordinierter ab als in Deutschland. Trotzdem war dies nicht mein letzter Besuch in Lyon. Das allerwichtigste ist jedoch, dass ich nun weiß, dass Fremdsprachen und das intensive Kennenlernen anderer Kulturen und Menschen unerlässlich für die persönliche Entwicklung sind und der Aufenthalt in Lyon ein tolles Erlebnis, sogar Höhepunkt meines Bachelorstudiums war.

Ein Bericht von Alexander Winkelhorst

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