Erfahrungsbericht: Lyon, Frankreich

“Für mich stand während des Auslandssemesters die Sprache im Vordergrund, die ich verbessern wollte, um sie fließend sprechen zu können. Dies ist mir durch das komplett französische Unileben gelungen.”

Die Universität

Insgesamt gibt es in Lyon drei Universitäten, die jeweils auf die verschiedenen Studiengänge spezialisiert sind. Die Universtität Jean-Moulin 3 (Wirtschafts-wissenschaften) befindet sich im Zentrum von Lyon. Sie ist gut mit Bus und Metro zu erreichen und bietet mit Universitätsbibliothek, Bistro und Mensa alles, was ein Student braucht. Im International Office wurden wir immer freundlich empfangen und unsere Ansprechpartner Chantal Ortillez und Anca-Laura Stoian haben sich immer sehr bemüht, uns zu helfen. Ganz besonders zu erwähnen Frau Tabaret, die für die Betreuung und An- bzw. Abmeldung bei Prüfungen zuständig ist. Auch per E-Mail waren unsere lyon12Ansprechpartner immer gut erreichbar und haben uns über Neuigkeiten informiert. Die Anmeldung zum Unisport hat gut geklappt. Für 35 € bekommt man einen Sportausweis und kann an allen Kursen teilnehmen und das Fitnessstudio besuchen. Woran man sich in Frankreich allerdings gewöhnen muss ist die Organisation. In Deutschland läuft alles sehr strukturiert ab. Dies ist in Frankreich nicht so. Wenn etwas schief läuft, eine Prüfung spontan verschoben wird, da der Raum belegt ist, muss man einfach typisch französisch es so hinnehmen. Die Franzosen sind sich dem nicht so bewusst. Was für uns dann Chaos bedeutet, ist dort Alltag. Für mich war dies die schwierigste Herausforderung zu Beginn, doch je mehr man sich dem französischen Lebensstil anpasst, desto gelassener geht man an solche Sachen. Und am Ende klappt dann doch immer alles.

Kursinformationen

Cours d’Orientation (3 ECTS) :

2 –wöchige, kostenpflichtige Einführungsveranstaltung die mit einem Multiple-Choice-Test abgeschlossen wird. Inhalt der Einführungswoche ist ein Sprachkurs, in dem am Ende ein Test geschrieben wird, um in die unterschiedlichen Niveaus für den folgenden Sprachkurs, der semesterbegleitend läuft, eingestuft zu werden. Weiterhin gibt es zu vier weiteren Fächern (Compatibilité, Culture française, Marketing und Gestion terminologique) Einführungsveranstaltungen, um den Inhalt kennenzulernen. Dies war für die Fächerwahl sehr hilfreich. Ebenso hatten wir Infoveranstaltungen für die Fächerwahl. Mit der ganzen Gruppe haben wir in der Einführungswoche eine geführte Bustour durch Lyon gemacht, waren abends im Theater, in Cafés, Bars und Pubs. Auch wenn die Einführungswoche relativ teuer ist (250 €) würde ich Sie jedem dringend empfehlen. Man lernt so einfach und schnell die Leute kennen und wird direkt in das Leben in Lyon integriert. Die Infos, die wir dort erhalten haben, hätten wir auch sonst womöglich ewig erfragen müssen. Der Multiple-Choice-Test war erst einige Wochen später. Er beinhaltet die Themen der Fächer der Einführungswoche und war wirklich nicht schwer. Also leicht-verdiente 3 ECTS.

Français Langue Étranger (5 ECTS):

Verpflichtend für Erasmus-Studenten im DEUF-Programm. Nachdem man in der Einführungswoche in die verschiedenen Niveaus eingestuft wurde, wurde man einem speziellen Sprachkurs für das ganze Semester zugeteilt. Dieser findet wöchentlich à 2 Stunden statt. Bei mir bestanden die Prüfungen aus einer Präsentation (20%), einem Zwischentest (20%) und einem Endtest (60%). Dies ist aber von Professor zu Professor unterschiedlich.

Initiation à la culture française (3 ECTS) :

Ebenfalls verpflichtend für Erasmus-Studenten. Die Prüfungen bestehen aus einem Zwischentest von 20 Minuten und 30 Multiple-Choice fragen und einem Endtest von 60 Minuten und 100 Multiple-Choice fragen. Dieser Kurs hat aber sehr viel Spaß gemacht, da man kulturelle Informationen über Lyon erhalten hat. Der Professor war auch sehr nett und stand uns per E-Mail auch für Fragen bzgl. Lyonaisischen Restaurants immer zu Verfügung und hat schnell geantwortet.

Économie International (6 ECTS) :

Ein Fach über die internationale Wirtschaft. Leider ohne Skript, sodass man alles, was die Professorin diktiert, sofort mitschreiben muss (ist in Frankreich leider in den meisten Fächern so) oder man fragt die Franzosen nach ihren Mitschriften. Die meisten sind dabei auch sehr hilfsbereit. Die zweistündige Vorlesung wird begleitet von einem Tutorium. In den Tutorien hat man wöchentlich Hausaufgaben zu erledigen und diese werden auch teilweise vom Tutor eingesammelt. Die Prüfungen bestehen aus einem Multiple-Choice-Zwischentest à 20 Minuten und einer Endprüfung von einer Stunde, in der man zwei von drei Langfragen beantworten muss.

Gestion des Ressources Humaines (3 ECTS) :

Dieses Fach beinhaltet die Einführungen in das Personalmanagement. Der Professor lädt die Vorlesungsunterlagen auch online. Der Zwischentest von 40 Minuten ist ebenfalls Multiple-Choice und beinhaltet Fragen zu den Themen der Vorlesung. Anschließend werden in der Vorlesung Fallstudien behandelt. Diese sind Bestandteil der einstündigen Endklausur, in der eine Fallstudie vorgelegt wird und zwei von drei Fragen beantwortet werden müssen.

Fondamentaux de la Finance (6 ECTS) :

Dieses Fach habe ich belegt, ohne die Prüfungen zu schreiben. Die Vorlesung wird von einem Tutorium begleitet, in dem Rechnungen zu den theoretischen Themen der Vorlesung geübt werden. Leider war die Tutorin nicht so sehr Erasmus-freundlich, weswegen sie teilweise etwas unfreundlich war, wenn man die Hausaufgaben aufgrund von sprachlichen Problemen nicht vollständig lösen konnte.

Die Stadt

Lyon hat mir als Stadt sehr gut gefallen. Ich habe mich von Anfang an sehr wohl gefühlt. Durch ein gutes Metro-, Tram- und Busnetz konnte man sich auch sofort schnell zurechtfinden. Während der 4 Monate haben wir auch die ganzen Touri-Attraktionen
abgeklappert. Pflicht-Sehenswürdigkeiten sind: Basilique de la Fouvière, Vieux Lyon, Cathedral St. Jean, Hôtel de ville, Parc de la Tête d’Or, Parc archéologique, les traboules de Croix Rousse und de Vieux Lyon, Musée des Frères, Lumières, Bootstour auf der Rhône und Saône, und diverse Märkte bei Croix Rousse oder Monplaisir. Wir waren auch zweimal im Fußballstadion bei Olympique Lyon und im Rugby Stadion ein Rugby-Spiel anschauen. Das ist echt empfehlenswert!lyon15

Wir haben uns auch an das lyonaisische Essen gewagt. Froschschenkel, Schnecken und Quenelle (ein länglicher Hefekloß, wahlweise mit Hecht, Hühnchen, oder Ähnlichem). Es ist schon sehr speziell, aber man sollte es mal ausprobiert haben. Im Dezember darf man das Fête de Lumière nicht verpassen. 4 Tage lang ist die ganze Stadt beleuchtet und an verschiedenen Plätzen sind Lichterspiele. Die Stadt ist voll mit 4 Millionen Touristen, die alle diese umwerfenden Lichterfantasien anschauen wollen. Es ist wirklich einzigartig und unbedingt zu empfehlen!

Ich bin zusammen mit einem Studenten von meiner Uni in Duisburg, den ich über Erasmus kennengelernt habe, mit dem Auto nach Lyon gefahren. Dies war für uns die kostengünstigste und praktischste Alternative. Zwar fällt in Frankreich auf den Autobahnen eine Mautgebühr an, aber wir hatten nicht das Problem, alle unsere Sachen in einen Koffer zu quetschen.

Unterkunft

Nach der Einschreibung konnte man sich bei der Uni Lyon für einen Platz im Wohnheim bewerben. Die universitären Wohnheime gehören zu der Organisation Crous. Die privaten zu Gestetud. Diese sind in der ganzen Stadt verteilt. Da ich mich leider nicht sofort für ein Wohnheim beworben habe, waren alle Plätze in den universitären und auch günstigeren Wohnheimen vergeben. Daher bin ich in ein privates, welches direkt neben der Uni war. Die Lage war daher super. Leider war die Miete extrem hoch. In meinem Wohnheim selbst habe ich mich allerdings super wohl gefühlt. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit eigenem Bad und eigener kleinen Kochnische. Im Keller befinden sich Waslyon14chmaschine und Trockner, die mit Münzgeld für alle zugänglich sind. Da ich mit dem Auto angereist bin und Parken auf der Straße hier nahezu unmöglich ist, konnte ich beim Wohnheim einen Parkplatz in der Tiefgarage mieten. Das war sehr beruhigend, da die Franzosen beim Autofahren und vor allem Parken nicht so sehr auf die anderen Autos Acht nehmen.
In Frankreich bekommt jeder Student Wohngeldzuschuss vom Staat. Das kann man auch als Auslandsstudent beantragen. Hierfür benötigt man einige Dokumente (Internationale Geburtsurkunde, Versicherungsnachweis, Studentenbescheinigung, etc. -einzusehen auf http://www.caf.fr). Es ist auch hier normal, dass nicht alles sofort funktioniert. Ich musste diverse Male wieder zum CAF laufen, um noch irgendwelche Dokumente nachzureichen, noch etwas Neues zu unterschreiben. Daher kann es auch sein, dass erst kurz vor Abreise der LogIn zum Onlinekonto funktioniert und man das Geld rückwirkend noch bekommt. Das CAF muss man dann vor Abreise auch wieder kündigen, um Rückzahlungen zu entgehen.

Für den Wohngeldzuschuss muss man sich ein französisches Konto anlegen, da dieser nur auf französische Konten überwiesen wird. Dies habe ich bei der LCL-Bank gemacht, die eine Filiale direkt neben der Uni hat. Dort hat auch alles reibungslos funktioniert und man kann das Konto von Deutschland aus per Mail kündigen und sich den Restbetrag auf sein deutsches Konto überweisen lassen. Für die Wohnheime muss man ebenfalls eine Versicherung in Frankreich abschließen, was man auch bei der LCL-Bank erledigen kann. Diese kostet dort 4,50 € im Monat, wird direkt von Konto abgebucht und dann einen Monat vor Abreise einfach wieder gekündigt.

Die Lebenshaltungskosten sind höher als in Deutschland. Es gibt zwar auch Lidl mit vergleichbaren Preisen wie in Deutschland, aber Essen & Trinken ist insgesamt teurer. Essen in Restaurants oder nur eine Pizza zum Mitnehmen bekommt nie unter 6/7€. So kostet beispielweise ein Cheeseburger bei Mc Donalds 1.95 €, ein normales, eher kleines Bier 4 €, der Eintritt zu Parties liegt fast nie unter 10 €. Ein Monatsticket für die Metro für Studenten kostet 28 € und lohnt sich, wenn man es mit den Preisen eines Einzeltickets oder einer Zehnerkarte vergleicht. Das Monatsticket kann man direkt bei TCL am Hauptbahnhof von Lyon kaufen und monatlich an allen Metrostationen wieder aufladen. Hierfür benötigt man ein Passfoto. Einmalige Kosten für die Karte sind 5 €. In Lyon gibt es lyon19noch Velo’Vs. Das sind Fahrräder, die man sich an jeder Station in Lyon ausleihen kann. Mit einem Jahresabonnement, das 15 € kostet, hat man immer die erste halbe Stunde Radfahren umsonst. In Verbindung mit der Metrokarte sogar 60 Minuten. Dies ist auch sehr praktisch, wenn nachts die Metro zwischen 0:30 Uhr und 5 Uhr nicht mehr fährt.
Für mein Handy habe ich mir in einem SFR-Laden eine Prepaidkarte gekauft. Dies hat monatlich 20 € gekostet und ich hatte unbegrenzte SMS und Telefongespräche zu allen französischen Netzen und eine 300 MB Internetflat. Anders als in Deutschland wird das Internet danach nicht gedrosselt, sondern es hört komplett auf. Man kann die Karte aber bequem online wieder aufladen. Viele meiner Freunde hier haben sich bei freemobile einen Vertrag geholt. Hier wartet man allerdings ca. eine Woche auf die Sim-Karte, da man dies online bestellt und zugeschickt wird. Dieser Vertrag umfasst unbegrenzte SMS, Telefonflat zu französischen Netzen, unbegrenzt Internet und freies Telefonieren aufs Deutsche Festnetz. Dies hat 20 € im Monat gekostet, allerdings bindet man sich hier vertraglich und man muss aufpassen, dass man den Vertrag rechtzeitig wieder kündigt.
Wenn man sich für Lyon entscheidet, muss man also insgesamt für das Leben mehr Geld einrechnen, als zuhause. Natürlich variieren die Kosten je nach Lebensstil.

Reisen

Da ich mit dem Auto in Lyon war haben wir die meisten Reisen mit dem Auto unternommen. Dies war am günstigsten, da wir mit 5 Leuten pro Auto Sprit und Maut teilen konnten. Mit dem Auto sind wir einmal nach Genf, nach Marseille und Avignon, Montpellier und Annecy gefahren. Günstig kommt man aber auch noch mit der Organisation iDBus, dem Zug oder der Covoiturage (Mitfahrgelegenheit) in andere Städte. Daher waren wir damit auch noch in Turin, Mailand und Barcelona. Mit dem Flugzeug wird das Reisen leider etwas teuer, da man mit dem Rhôneexpress zum Flughafen fährt, der aber für Studenten Hin- und Zurück allein schon 20,50 € kostet, sofern man sich vorher online ein Ticket kauft. Dies haben wir nur einmal gemacht und sind von Lyon mit Zwischenlandung in Barcelona nach Sevilla geflogen, um dort eine Freundin von mir aus Duisburg zu besuchen, die dort ihr Erasmus gemacht hat. Ich kann es auf jeden Fall sehr empfehlen, so viel zu reisen, wie nur möglich. Die Zeit im Ausland und mit den Leuten ist leider begrenzt und daher sollte man versuchen, so viel wie möglich zu erleben.

Krankenversicherung

Ich war über meine private, deutsche Krankenversicherung im Ausland versichert.

Freizeitaktivitäten

Es gibt verschiedene Organisationen, die für die Auslandsstudenten verschiedenelyon16 Ausflüge (Disneyland Paris, Skiausflüge, etc.) organisieren. Ich persönlich habe daran nicht teilgenommen, da wir durch unsere privat organisierten Wochenendtrips schon ziemlich ausgebucht waren. An der Uni fanden aber auch verschiedene Veranstaltungen, wie ein International Quiz, Weinverkostung, etc. statt. Die Parties kamen auch nicht zu kurz. Jeden Donnerstag gab es die typische Erasmusparty, zudem teilweise noch am Wochenende. Montags fand das wöchentliche „Happy Mondays“ mit Getränkespecials statt. In Lyon gibt es zudem eine Vielzahl an Clubs, d.h. man kann fast täglich feiern gehen.

Fazit

Als ich mich in Duisburg für mein Auslandssemester beworben habe, wollte ich das Programm erst auf Englisch machen. Das heißt, alle Vorlesungen auf Englisch und einen Französischsprachkurs belegen. Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich doch das DEUF-Programm gemacht habe. Auch wenn die erste Zeit in den Vorlesungen etwas schwierig war, da es in Frankreich keine Skripte gibt, waren die französischen Vorlesungen sehr gut für die Verbesserung meiner Sprachkenntnisse. Da man während lyon17seines Auslandssemesters fast ausschließlich mit den Erasmusleuten zusammen ist, spricht man dort doch mehr Englisch bzw. Deutsch. Für mich stand während des Auslandssemesters die Sprache im Vordergrund, die ich verbessern wollte, um sie fließend sprechen zu können. Dies ist mir durch das komplett französische Unileben gelungen. Ich empfehle jedem, der Französisch schon einigermaßen versteht, das Programm auf Französisch zu machen! Allgemein ist ein Studium im Ausland mit so vielen positiven Erfahrungen verbunden, die einen beruflich, vor allem aber auch persönlich weiterbringen. Daher kann ich insgesamt einen Auslandsaufenthalt jedem empfehlen, der sich selbst weiterentwickeln, Leute aus den verschiedensten Ländern kennenlernen will und um mal eine andere Art von Universität zu erleben, als in Deutschland. Für mich war der Auslandsaufenthalt eine unglaubliche Erfahrung und ich würde es jederzeit wieder so machen!

Ein Bericht von Julia Wilbers.

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