Meine Erfahrungen: Canakkale in der Türkei

“Mir hat mein Auslandsemester in Çanakkale sehr gut gefallen und ich bin froh diese
Erfahrung gemacht zu haben. Die Stadt ist wirklich schön und ich habe mich immer wohl gefühlt.”

Die Universität

Die Kontaktperson im International Office ist Cagri Ege. Er ist wirklich sehr nett und bemüht sich sehr, dass alle zufrieden sind und alles gut läuft. (Seine E-mail adresse:erasmusincoming@comu.edu.tr)

Die Uni ist vom Stadtzentrum gut in 15 Minuten mit dem Bus zu erreichen. Bevor man auf das Unigelände kommt wird im Bus kontrolliert, ob man seinen Studentenausweis dabei hat. Das Unigelände ist sehr groß und liegt auf einem Berg, wodurch man einen sehr schönen Ausblick auf das Meer und die Stadt hat. Die Uni ist modern und hat eine sehr schöne Bibliothek die 24/7 aufhat.

Kursinformationen

Während meines Aufenthaltes habe ich folgende Kurse belegt: Marketing in Tourism, Event Management, Brand Management, Corporate Finance und Turkish for Foreigners – Intermediate Level. Alle Kurse brachten 5 Credits. Ein halbes Jahr vor Beginn des Semesters, kann man auf der Internetseite die Kurse die man belegen will auswählen. Wenn man BWL studiert, sollte man die Kurse aus der Tourismus Fakultät belegen. Man kann zwar auch BWL Kurse belegen, allerdings sind diese in Biga, eine Stadt, die
eine Stunde von Çanakkale entfernt liegt. Woran man sich direkt gewöhnen muss ist, dass alles etwas unorganisiert ist und niemand pünktlich ist. Leider konnte ich auch die Hälfte der Kurse, die ich gewählt habe, im Endeffekt nicht belegen. Der Unterricht findet nur mit Erasmus-Studenten statt, da die türkischen Studenten den Unterricht auf türkisch haben und nicht auf englisch. Die Lehrer waren alle sehr nett und entspannt. Ich hatte nur drei Tage die Woche Unterricht (Dienstag, Mittwoch und Donnerstag).

Marketing in Tourism:

Im ersten Teil des Semesters haben wir über Product, Price, Place und Promotion im Tourismus gesprochen. Jeder musste eine 15-minütige Präsentation zu diesem Thema halten. Zusätzlich haben wir eine Klausur geschrieben, die allerdings nicht schwer war, wenn man während des Unterrichts zugehört und sich Notizen gemacht hat. Im zweiten Teil des Semesters ging es um die Marketing Strategien im Tourismus in unserem jeweiligen Heimatland. Studenten mit gleicher Herkunft erarbeiteten eine Präsentation zu diesem Thema und stellten sie vor der Klasse vor. In der abschließenden Klausur musste jeder das Marketingkonzept seines eigenen Landes vorstellen. Meiner Meinung nach war dieser Kurs der anspruchsvollste im Vergleich zu meinen anderen Kursen. Allerdings war es nicht schwer zu bestehen wenn man am Unterricht teilgenommen hat und sich 1-2 Tage vor den Klausuren die Notizen angeschaut hat. Der Lehrer, Lütfi Atay war nett und man konnte ihn gut verstehen.

Event Management:

In Event Management hatten wir keinen Unterricht. Jeder musste eine Präsentation halten, in der ein Event aus dem eigenen Land beschrieben wurde. Zusätzlich mussten wir in Gruppen von 2-5 Leuten eine Präsentation über ein Event halten, dass wir neu erfinden mussten bzw. planen mussten. Zusätzlich mussten wir noch einen Business Plan

ausblick-vom-unigelande
Ausblick vom Unigelände

schreiben, wie wir das Event verwirklichen wollen. Für diesen Business Plan bekamen wir von unserem Lehrer, Haci Mehmet Yildirim, eine Vorlage. Der Lehrer war sehr nett und der Kurs einfach zu bestehen.

Brand Management:

Brand Management wurde vom Department Coordinator Mustafa Boz unterrichtet. Wir haben unter anderem über verschiedene Marken gesprochen, wie man Markennamen wählt, bekannt macht und Logos designed. Außerdem über verschiedene Arten von Werbung und Marketing. Es war alles gut zu verstehen und interessant. In der Mitte des Semesters mussten wir eine Präsentation über eine von uns gewählte bekannte Firma bzw. Marke halten. Am ende des Semesters haben wir eine Klausur geschrieben, in der man vier von fünf Fragen beantworten musste. Diese Fragen waren auf den Inhalt und die Materialien aus dem Unterricht bezogen, die uns von unserem Lehrer zur Verfügung gestellt wurden. Mit 2-3 Tagen Lernaufwand war die Klausur gut zu schaffen.

Corporate Finance:

Zum Anfang jeder Unterrichtsstunde hat unser Lehrer Ekrem Tufan mit uns über Politik gesprochen und was zurzeit in der Welt passiert. Insgesamt haben wir im ersten Teil des Semesters über Finanzierung und über verschiedene mathematische Möglichkeiten gesprochen. Als „midterm exam“ mussten wir zu Hause ein Beispiel für eine feindliche Firmenübernahme im Internet suchen und kurz kommentieren. Im zweiten Teil des Semesters haben wir mit Excel gearbeitet. Am Ende mussten wir eine Finanzierungsaufgabe mit Excel lösen, die benotet wurde. Allerdings haben wir diese Aufgabe zusammen im Unterricht gelöst und man konnte den Lehrer jederzeit fragen, sollte man etwas nicht verstanden haben. Ich fand besonders den zweiten Teil des Kurses
interessant, da ich vorher noch nie mit Excel gearbeitet habe. Der Lehrer hat alles Schritt für Schritt erklärt und konnte jede Frage beantworten.

Turkish for Foreigners:

Da meine Mutter Türkin ist und ich schon ein paar Kenntnisse hatte, habe ich den Intermediate Kurs gewählt. Allerdings war ich mit diesem Kurs nicht zufrieden und habe nicht das Gefühl sehr viel dazu gelernt zu haben. Zum einen Teil lag es an unserem Lehrer, der meiner Meinung nach nicht gut erklären konnte zum größten Teil lag es jedoch an dem Buch, mit dem wir gearbeitet haben, das kaum Grammatik beinhaltete undauf einem sehr niedrigen Niveau war.

Die Stadt

Çanakkale ist eine relativ kleine, aber dennoch sehr schöne Stadt. Sie liegt direkt am Meer und hat viele schöne Bars und Restaurants. Wohnt man in den Stadtvierteln „Cevatpaşa Mahallesi“ oder „Kemalpaşa Mahallesi“ ist alles locker zu Fuß erreichbar. Ein Highlight ist das trojanische Pferd aus dem Kinofilm Troja, dass an der Promenade im Stadtinneren

promenade
Promenade

steht. Im Sommer ist der Strand „Kabatepe“ ein Highlight. Allerdings muss man dafür die Fähre nehmen und nach „Eceabat“ fahren. Die Fahrt dauert ungefähr 30 Minuten und kostet für Studenten 1.50 TL. In Eceabat fahren dann kleine Busse zum Strand. Die fahrt dauert ca. 15-20 Minuten und kostet 2-3 TL. Zwar dauert die Fahrt zum Strand etwas länger aber es lohnt sich auf jeden Fall, da es ein sehr schöner Strand ist und kaum andere Menschen dort sind.

Das beste Essen, meiner Meinung nach, findet man im „Hangover“. Es liegt sehr zentral direkt an der Promenade nur ein paar Minuten vom trojanischen Pferd. Im Hangover ist immer etwas los und die Kellner sind alle super nett und die meisten können auch Englisch. Das Essen ist sehr lecker, vielfältig und auch günstig. Auch zu empfehlen ist morgens das Frühstück und Abends die Cocktails.

Wenn man tanzen gehen möchte, sollte man ins „Lodos“ gehen. Die Disco hat immer freitags und samstags auf. Es wird viel türkische Musik gespielt, aber zwischendurch auch internationale. Ich war nicht sehr oft da, aber wenn war immer gute Stimmung. Allerdings muss man sich daran gewöhnen, dass die Partys früh anfangen (ca 9:30 Uhr) und auch früh
wieder aufhören (ca. 2:30) . Unter der Woche und am Wochenende waren wir oft in der „şişe Bar“. Dort wird zwar nicht getanzt, aber Mittwochs und Samstags spielt eine Live Band.

Anreise

Zwar hat Çanakkale einen eigenen Flughafen, aber ich kenne keinen der direkt in Çanakkale gelandet ist. Die meisten sind nach Istanbul geflogen und haben von dort einen Reisebus genommen. Man kann auch von Izmir den Bus nehmen, da beide Städte gleich weit von Çanakkale entfernt liegen. Die Busfahrt dauert ca. 6 Stunden und kostet um die 50 TL also ungefähr 18 Euro. Zur Auswahl stehen unter anderem die Busgesellschaften Metro, Kamilkoç oder Truva.

Unterkunft

Ich habe mir den ersten Monat mit einer Freundin, die auch an der Uni Duisburg-Essen studiert, ein Zimmer in einer Pension direkt im Stadtinneren geteilt. Vor Ort haben wir dann individuell nach Zimmern gesucht. Sobald man seine Unterlagen an die Uni in Çanakkale schickt, wird man in eine Facebook-Gruppe eingeladen, in der türkische Studenten Mitbewohner suchen. Über diese Seite haben wir auch beide schnell ein Zimmer bekommen. Man kann natürlich auch schon von Deutschland aus die Leute anschreiben, allerdings wollten wir lieber vor Ort alles regeln, um uns die Zimmer auch anschauen zu können. Fast alle Zimmer kosten so um die 120-180 Euro. Ich habe im Stadtviertel Cevatpaşa gewohnt und war sehr zufrieden. Ich konnte überall zu Fuß hinlaufen und es gab sehr viele Einkaufsmöglichkeiten. Nur zur Uni musste ich den Bus nehmen. Die Qualität der Wohnungen ist sehr unterschiedlich. Generell waren Wohnungen wo Mädchen/ Frauen drin gewohnt haben, meistens schöner und sauberer. Die Zimmer sind meistens etwas sparsam eingerichtet aber es gibt alles was man benötigt. (Bett, Schrank, Schreibtisch) Ich denke man muss sich darauf einlassen, dass es vielleicht nicht immer den eigenen Geschmack trifft aber für fünf Monate vollkommen ausreichend ist. Lebensmittel sind generell nicht teuer in der Türkei. Gerade wenn man Gemüse und Obst auf den Markt kauft (Dienstags, Freitags und Sonntags). Das einzige was teurer ist als in Deutschland ist Alkohol.

Reisen

Direkt zu Beginn des Semesters haben wir eine Reise nach Pamukkale und Ephesus gemacht, die vom ERASMUS Büro angeboten wurde. Wir sind Nachts losgefahren und waren am nächsten Morgen gegen 8 oder 9 Uhr in Pamukkale. Dort waren wir in den heißen Quellen schwimmen und haben uns danach die antike Stadt angesehen. Am Nachmittag sind wir nach Kuşadası gefahren und haben dort die Nacht in einem Hotel verbracht. Am nächsten Tag sind wir nach Ephesus gefahren und Nachts wieder zurück nach Çanakkale. Die kosten lagen bei 250 TL. Zwar war die Reise etwas anstrengend, weil wir nicht viel schlafen konnten im Bus und viele Dinge in kurzer Zeit gesehen haben, aber

strand-in-kabatepe
Strand in Kabatepe

dennoch hat es mir sehr gut gefallen. Gerade weil wir am Anfang gefahren sind, war es eine sehr gute Gelegenheit die anderen Erasmus–Studenten besser kennen zu lernen. Über Silvester sind wir mit 12 Leuten nach Istanbul gefahren und haben Silvester auf einem „Party-Boot“ gefeiert. Wir haben uns über Booking.com ein Apartment gemietet, dass durch 12 geteilt auch für jeden günstig war. Istanbul ist auf jeden Fall eine Reise
wert. Nachdem das Semester offiziell vorbei war, haben drei Freunde und ich noch einen Roadtrip gemacht. Wir waren zwei Jungs und zwei Mädchen und wir sind per Anhalter gefahren. Wir waren zuerst in Eskişehir, dann in Ankara, in Kappadokien und Izmir. In den ersten drei Städten haben wir bei türkischen Leuten gewohnt, die wir über die Internetseite „Couchsurfing“ kennen gelernt haben. In Izmir konnten wir bei meiner Großmutter übernachten. Das Trampe war sehr aufregend und hat immer gut geklappt. Es haben immer relativ schnell Leute angehalten, die alle sehr nett und hilfsbereit waren und auch unsere Gastgeber waren alle sehr nett und gastfreundlich. Eskisehir ist eine Studentenstadt und ist dementsprechend gut um Party zu machen. Außerdem gibt es dort einen sehr schönen großen Park und ein Aquarium. Wir waren im Winter dort, aber ich kann mir vorstellen, dass es im Sommer noch schöner ist. Ankara ist zwar die Hauptstadt, allerdings bis auf das Atatürk Museum sehr langweilig und unspektakulär. Kappadokien ist sehr beeindruckend und auf jeden fall sehenswert. Izmir ist eine meiner Lieblingsstädte in der Türkei. Zwar gibt es nicht viele Sehenswürdigkeiten wie z.B. in Istanbul aber die Stadt ist schön und gerade wenn es wärmer wird kann man entspannt am Meer sitzen oder spazieren gehen und Abends ist auch immer was los.

Krankenversicherung

Ich bin bei der Techniker Krankenkasse versichert und habe darüber auch eine Auslandskrankenversicherung abgeschlossen. Wenn man in Çanakkale zum Arzt gehen will, muss man ins Krankenhaus gehen. Dort muss man dann 30 TL bezahlen, die man von der deutschen Krankenkasse wiederbekommt. (So ist es zumindest bei der TK). Sollte man wirklich mal krank sein, ist es sinnvoll jemanden mitzunehmen der türkisch kann, da die Ärzte und das Krankenhauspersonal in der Regel kein Englisch können.

Freizeitaktivitäten

Um sich besser kennen zu lernen, gab es direkt in der ersten Woche ein Frühstück für alle Erasmus-Studenten. Außerdem gab es den Trip nach Pamukkale und Tagesausflüge nach Assos, Gallipoli und Bozcaada. Das Beste meiner Meinung nach war Paragliding in Tekirdağ. Die Tagesausflüge waren alle umsonst und beinhalteten immer Mittagessen. Das Paragliding hat 150 TL gekostet aber hat sich sehr gelohnt. Vom Erasmus Büro wurden 3-4 Partys im Laufe des Semesters geplant aber die meistens Partys haben wir selber gemacht.

Fazit

Mir hat mein Auslandsemester in Çanakkale sehr gut gefallen und ich bin froh diese
Erfahrung gemacht zu haben. Die Stadt ist wirklich schön und ich habe mich immer wohl gefühlt. Es gibt sehr viele Studenten und egal wann man raus geht, man trifft immer
jemanden den man kennt. Ich glaube gerade im Sommer ist es noch viel schöner dort zu
sein. Insgesamt waren wir nur ca. 30 Erasmus-Studenten wodurch man alle gut kannte. Ich habe so viele neue, nette und interessante Menschen kennen gelernt, durch die meine Zeit in Çanakkale erst so besonders wurde. Ich hatte mich zwar eigentlich dafür beworben mein Auslandsemester in Istanbul zu machen, aber im Endeffekt bin ich sehr froh nach Çanakkale gekommen zu sein. Istanbul ist zwar sehr aufregend und spannend aber um fünf Monate dort zu wohnen, wäre mir die Stadt doch zu groß gewesen.

Ich würde jedem empfehlen nach Çanakkale zu gehen, auch wenn man noch kein Türkisch
kann oder noch nie in der Türkei war. Die Menschen sind alle sehr nett und herzlich und
auch die Erasmus-Büro Mitarbeiter sind sehr hilfsbereit und bemühen sich, den Studenten eine tolle Zeit zu bereiten.

Ein Bericht von Melissa Breitkopf

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