Meine Zeit in Lyon / Frankreich

“Lyon ist wirklich eine tolle Stadt. Es hat nicht mal zwei Wochen gedauert, da hab ich mich richtig wohl gefühlt.”

Die Universität

Ich habe mein Auslandssemester in Lyon an der Université Jean Moulin Lyon III verbracht. Das Institut für den Studiengang BWL oder économie – gestion wie es auf Französisch heißt nennt sich IAE.

Mit der Organisation habe ich ca. ein Jahr vor Beginn des Aufenthalts begonnen, die Bewerbungsfrist für ein Wintersemester ging aber bis Februar des Jahres, in dem man ins Ausland gehen möchte. Nach der Bewerbung hat es bis April gedauert, bis man die feste Zusage für einen Standort bekommen hat. Danach hieß es wieder warten, denn die weiteren Informationen von der Uni kamen erst Ende Mai. Dann konnte man sich Online einschreiben. Dafür hat man von der Uni Lyon eine Mail bekommen mit einer Matrikelnummer, einem Passwort und einem PDF-Dokument, wo alles Schritt für Schritt mit Screenshots erklärt ist, auf Englisch und Französisch 😉

Die Kontaktperson vor und während des Aufenthalts ist Chantal Ortillez. Sie organisiert alles was mit dem Erasmus Aufenthalt allgemein zu tun hat und ist auch im international Office anzutreffen. Eine weitere Person, die speziell für deutsche Austauschstudenten da ist, sie heißt Anca-Laura Stoian.

fouvriere
Fouvrière

Bei der Bewerbung muss man sich entscheiden, ob man sich für das zweiwöchige Orientierungsprogramm vor Beginn der regulären Vorlesungszeit anmelden möchte. Das Programm kostet 250€. Ich (und auch die beiden anderen Studenten aus Duisburg-Essen) habe mich für das Programm entschieden. Und es war auf jeden Fall die richtige Entscheidung. In diesem zwei Wochen sind die meisten Bekanntschaften entstanden, wir wurden in der Stadt rumgeführt, es wurden Partys organisiert und für mich war es auch von Vorteil, nochmal an die Sprache herangeführt zu werden. Es gab jeden Tag einen Stundenplan, der aus Französisch- und Wirtschaftsstunden bestand. So konnte man sich langsam auf das Studium einstellen und da die Tage perfekt durchorganisiert waren, wurde es auch nie langweilig da man ja noch niemanden kannte. Es wurde einem auch bei der Erstellung des Stundenplans geholfen und beraten, welche Fächer man wählen sollte.

Kursinformationen

An der Uni Lyon hat man die Möglichkeit zwischen zwei Studienprogrammen zu wählen. Das SELF-Programm, bei dem die Veranstaltungen extra für Austauschstudierende auf Englisch gehalten werden und das DEUF-Programm, bei dem aus dem regulären Veranstaltungsangebot wählt, welches auf Französisch ist. Ich habe mich für das DEUF-Programm entschieden, da man hier auch eine größere Kurswahl hat.

Zu meinen Französisch-Kenntnissen: Es war über drei Jahre her, dass ich das letzte Mal Französisch gesprochen oder Unterricht hatte. Vor dem Auslandssemester habe ich einen Kurs vom IOS besucht: Französisch für den Beruf. Das hat mir geholfen, wieder etwas reinzukommen, der Rest geht dann vor Ort 😉

Es gibt zwei Pflichtkurse für Studierende des DEUF-Programms:

  1. Culture Française; 3 ETCS pro Semester

Der Kurs findet einmal wöchentlich 1 Stunde statt. Es ist eine große Vorlesung und es wird eine Zwischenprüfung und ein Abschlusstest in MC geschrieben.
Ich mochte diese Veranstaltung sehr. Dem Dozent konnte man sehr gut zuhören, er hat langsam und deutlich gesprochen. Man erfährt sehr viele interessante Fakten über Frankreich und Lyon.

  1. Française langue étrangère, 5ETCS pro Semester

Hier handelt es sich um einen semesterbegleitenden Sprachkurs. Er findet einmal die Woche statt à 2 Stunden. Am Ende der Orientierungswoche wurde ein Test geschrieben, in dem man eingestuft wurde. Es gibt sehr viele Gruppe, sodass jeder dem richtigen Niveau zugeordnet wird. Ich hatte eine sehr gute Lehrerin und der Kurs hat mir viel gebracht, um meine grundlegenden Französischkenntnisse aufzufrischen. Alle müssen ein Referat halten und es wird ein Zwischen- und Abschlusstest geschrieben.

Dazu habe ich 3 BWL Veranstaltungen besucht. Da man das Learning agreement ja vorher ausfüllen musste hatte ich mir 3 Veranstaltungen aus dem Vorlesungsverzeichnis rausgesucht. Im Endeffekt habe ich keine davon besucht. Manche wurde nicht angeboten, von anderen wurde mir abgeraten, da z.B. viel Literatur gelesen werden muss. Allgemein wird einem vor Ort geraten, sich erst mal mehrere Veranstaltungen anzugucken. Man hat nach Vorlesungsstart 2 Wochen Zeit, bis man sich endgültig entscheiden muss. Das ist meiner Meinung nach auch die beste Variante.

Entschieden habe ich mich letztendlich für

Fondamentaux du marketing – 6 ETCS

Anrechenbar in Essen für Absatzmarketing

In diesem Fach werden die Grundlagen des Marketing besprochen, es ist unterteilt in strategischen und operatives Marketing.

Es gibt eine Übung, in der man in einer zweier Gruppe ein Referat halten muss. Dazu muss man eine Art Hausarbeit über das gesamte Semester anfertigen, das wird in 4er Gruppen gemacht.

Management socio économique – 6ETCS

Den Sinn dieses Faches habe ich leider bis heute nicht verstanden, dies war am Anfang nicht absehbar. Die Übung war total unstrukturiert, wir haben jede Woche Tabellen zum ausfüllen bekommen, es gab jedoch nie klare Aufgabenstellungen.
Im Allgemeinen wurden Theorien und Modelle besprochen, wie man Abläufe in Unternehmen effizienter gestalten kann. Z.B. durch Zeitmanagement oder Methodenmanagement.

Insgesamt würde ich dieses Fach jedoch nicht weiter empfehlen.

Méthodes de la décision – 6 ETCS

Hier geht es um lineare Entscheidungsprobleme und verschiedene Techniken diese zu lösen. Sowohl in der Vorlesu

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Blick auf Lyon

ng als auch in der Übung wird fast ausschließlich gerechnet. Die Übung findet am Computer statt, sodass man wirklich mit Excel arbeitet und nicht alles nur in der Theorie bespricht. Es ist ein sehr kleiner Kurs (ca. 20 Leute) und der Professor ist echt super hilfsbereit, wenn es am Anfang noch nicht so gut mit den mathematischen Begriffen klappt. Auch wenn man in der Klausur die Aufgabenstellung nicht versteht aufgrund einiger Wörter steht er helfend zur Seite.
Ich denke, dass man sich dieses Kurs auch anrechnen lassen kann, ich will aber erst mein Ergebnis abwarten.

Die Stadt

Lyon ist wirklich eine tolle Stadt. Es hat nicht mal zwei Wochen gedauert, da hab ich mich richtig wohl gefühlt. Von der Größe kann man es mit Essen vergleichen, jedoch hatte ich in Lyon das Gefühl, dass alles irgendwie noch näher zusammen ist, das Zentrum also insgesamt größer. Die zwei Flüsse in der Stadt lassen immer eine tolle Atmosphäre entstehen und im Sommer waren es die schönsten Nachmittage und Abende am Ufer der Rhône. Ansonsten ist der Hügel von Fouvrière wirklich sehenswert. Von hier aus hat man einen tollen Ausblick über die ganze Stadt. Man kann durch den Garten der Kathedrale hinunter in die Altstadt laufen, welche auch wirklich schön ist. In Lyon gibt es außerdem den Parc de la tête d’Or. Ein riesiges Parkgelände mit einem See und einem Zoo, der für jeden frei zugänglich ist. Ich habe im 8. Arrondissement gewohnt. Von dort aus lässt sich der Parc de Parilly super erreichen, der meine absolute Empfehlung zum joggen ist. Wer Shopping mag, ist im Part Dieu Shopping Center gut aufgehoben. Hier findet man eigentlich eine Filiale jeder bekannten französischen und europäischen Ketten. Mein Tipp hier: Der Deko-Laden: Maison du monde, wirklich schön J Wer es etwas ruhiger mag, geht ins Confluence, ein etwas kleineres Einkaufscentrum im Süden der Halbinsel.

Ich bin mit dem Auto nach Lyon angereist. So gab es keine Probleme mit dem Gepäck, da ich vorher wusste, dass ich z.B. auch Bettdecke und Kissen, sowie einen Elektroherd etc. benötigen würde. Bei mir im 8. Arrondissement gab es auch immer ein paar kostenlose Parkplätze. Jedoch sollte man sich dabei über die französische Kunst des Einparkens bewusst sein.

Unterkunft

Wie bereits erwähnt habe ich im 8. Arrondissement gewohnt. Das Wohnheim heißt „Celibatel“ und es wurde von der Uni organisiert. Es ist das günstigste der privaten Wohnheime. Es kostet 393 € im Monat, man bekommt aber 150 € CAF zurück (franz. Wohngeld, was jeder beantragen kann). Jedoch hat es bei mir bis Anfang Dezember gedauert, bis das CAF kam, aber rückwirkend ausgezahlt.

Ich hatte ein Zimmer von 12m², mit einer eigenen „Küchenzeile“. Diese besteht aus einem Kühlschrank und einer Mikrowelle. Einen Herd sollte man sich selbst mitbringen oder vor Ort kaufen. Die Dusche und Toilette (jeweils getrennte Räume) teilt man sich mit 4 bis 5 anderen Leuten auf seiner Etage. Was die Sauberkeit angeht, die Duschen und

zimmer-im-wohnheim
Mein Zimmer im Wohnheim

Toiletten wurden 2 bis 3 mal pro Woche von einer Putzkraft gereinigt. Jedoch war die Toilette manchmal nach einem Tag schon unbenutzbar, sodass man auf andere Toiletten ausweichen musste. Aber ich denke, dass hängt auch immer von den Mitbenutzern ab.

Von der Lage her ist das Wohnheim top. Mit dem Velo fährt man ca. 10 Minuten bis zur Uni, mit der Straßenbahn nur 2 Stationen und zu Fuß kann man es auch in guten 15 Minuten schaffen. Bei schönem Wetter bin ich gern gelaufen. Es gibt 3 Supermärkte direkt in der Nähe, Casino, Lidl und Leader Price.

Das Wohnheim war für 5 Monate in Ordnung, für ein Jahr würde ich es eher nicht empfehlen. Man kann sich auch nach 3 bis 4 Monaten eine WG suchen, was ich empfehlen würde, da die privaten Wohnheim alle überteuert sind.

Im Allgemeinen sind die Lebenshaltungskosten etwas teurer als in Deutschland, also für Lebensmittel oder Schreibwaren sollte man 1/3 mehr rechnen.

Reisen

Von Lyon aus kann man viel unternehmen, da die Lage perfekt ist. Ich war in Paris, Barcelona, Marseille, Annecy und in den Bergen Ski fahren.

Wenn man viel vor hat, dann lohnt es sich, sich eine französische BahnCard zu kaufen. Für unter 25jährige kostet diese ca. 50 € und man spart zwischen 30 und 60% bei jeder Reise. Allein nach Paris hatte ich meine Karte schon raus und mit dem TGV ist man ohne Zwischenstopp in 2 Stunden in Paris. Ein absolutes Muss, wenn man in Frankreich ist.

Nach Barcelona sind wir mit dem idBus gefahren. Ein Busunternehmen des SNCF. Wir hatten Glück und es war ein Angebot, bei dem eine Strecke nur 9€ gekostet hat. Also ein absolutes Schnäppchen. Immer mal wieder die Augen nach Angeboten beim SNCF offen halten, es werden oft günstige Sachen angeboten.

Wenn man nicht die „carte jeune“ der franz. Bahn kaufen möchte ist auch Mitfahrgelegenheit eine gute Idee. Auf blablacar.fr findet man sehr viele Angebote und man kommt mit Einheimischen in Kontakt. So sind wir nach Annecy gefahren. Eine Kleinstadt in den Bergen mit sehr schönem Stadtkern und einem großen See. Eher im Sommer empfehlenswert.

Von Lyon aus kann man im Winter super Skifahren gehen. Skimania.fr organsiert Tages- und Wochenendtrips für einen wirklich guten Preis. So bekommt man für ca. 40€ einen Tagesskipass und die Anreise. Das Skigebiet Courchevel ist wirklich sehr empfehlenswert.

Krankenversicherung

Ich war über meine deutsche Krankenversicherung für das Ausland mitversichert, musste aber auch keine Leistungen in Anspruch nehmen.

Freizeitaktivitäten

In Lyon kann einem eigentlich nie langweilig werden. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten seine Freizeit zu gestalten. Von der Uni wurden am Anfang Partys organsiert, aber es gibt auch unzählige Pubs, Kneipen und Diskotheken in der ganzen Stadt. Einer unserer Favoriten war der „Happy Monday“, eine Studentenparty jeden Montag in einer kleinen Disco namens „QG“ in der Nähe der Oper. Ansonsten kann man auch gut nen Cocktail in

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Fête des Lumières

der Ayers Rock Bar trinken oder wer lieber ein Bier trinkt geht ins Irish Pub, wie den „Smoking Dog“ oder „Kellys“, beide in Vieux Lyon.

Am 3. Donnerstag im November ist ein Weinfest in Beaujolais. Die Uni hat eine Bustour dorthin organsiert mit Besichtigung eines Weinguts und Verkostung. Danach ging es dann in die kleine Stadt, wo wir weiter den Wein der verschiedenen Winzer verköstigen konnten. Ein sehr gelungener Ausflug, dem ich jedem empfehlen würde. Der Wein ist einfach ein wichtiger Teil der französischen Kultur.

Im Dezember ist in Lyon das fête des lumières. Eins der größten Volksfeste der Welt. Es gibt in der ganzen Stadt Lichtinstallationen und kleine „Lichtshows“. Am Sonntagabend gibt es ein großes Feuerwerk über der Rhône, welches wirklich eins der schönsten war, die ich je gesehen habe.

Ansonsten kann man seine Freizeit sehr gut mit Sport gestalten. Der Unisport an der Lyon III ist super organisiert (besser als bei uns meiner Meinung nach). Man bezahlt 35€ im Internet und kann sich dann im Sportbüro eine Sportkarte erstellen lassen. Man muss dafür ein Passfoto mitbringen.

Mit diesem Sportausweis kann man das sämtliche Sportangebot der Uni wahrnehmen. Ich habe einen Tanzkurs besucht, war in diversen Fitnesskursen und habe ein neues Hobby für mich entdeckt – klettern. Ein – bis zweimal die Woche bin ich klettern gegangen, in einer Turnhalle. Man wurde am Anfang eingewiesen und der Trainer stand immer mit hilfreichen Tipps zur Seite. Ansonsten konnte man von Tennis, über Fußball, Volleyball bis zu Schwimmen und Aqua Aerobic wirklich alles belegen.

Sport anschauen kann man sich bei Olympique Lyon. Wer mal etwas anderes als Fussball sehen möchte, sollte zum Rugby gehen. Die Mannschaft „le Lou“ hat ihr Stadion im Viertel Etats-Unis, welches ebenfalls sehenswert ist aufgrund vieler bemalter Hauswände.

Fazit

Mein Auslandssemester in Lyon war wirklich eine wunderschöne Zeit. Ich habe viele unterschiedliche Leute kennengelernt und viel Neues gesehen. Lyon ist absolut empfehlenswert 😉

Ein Bericht von Svenja Neumann

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