Auslandssemester in Padova, Italien

“Padova ist eine absolute Studentenstadt mit ca. 60.000 Studenten. Die Altstadt mit ihren vielen Piazzen ist unglaublich schön.”

Die Universität

Die Universitá degli Studi di Padova ist eine in Italien sehr angesehene Universität, die insbesondere für die Fakultät der Psychologie bekannt ist. Der Bewerbungsprozess an der Uni war gut betreut, alle wichtigen Informationen kann man bereits vorab auf der Homepage finden. Das International Relations Office der Universität hilft zudem gerne bei weiteren Fragen und macht einen auf Deadlines, etc. aufmerksam. Auch vor Ort wird man durch den gesamten Immatrikulationsprozess in der Orientierungswoche begleitet, sodass man nicht viel falsch machen kann. Sollte man dennoch Fragen haben, kann man sich an seinen Buddy wenden. Dieser meldet sich ein paar Wochen vor Beginn des Auslandsaufenthalts (Jedoch sind nicht alle Buddies gleich hilfreich). Die Gebäude der verschiedenen Fakultäten sind in der ganzen Stadt verteilt. Da es die Möglichkeit gibt, fakultätsübergreifende Kurse zu belegen, kann es durchaus vorkommen, dass man die Campi wechseln muss. Hier sind aber alle Gebäude so zentral gelegen, dass dies gar kein Problem ist. Die Fakultät für Wirtschaft im Bezirk „Portello“, welches das Studentenviertel darstellt. Der Campus liegt direkt an einem Fluss und neben vielen grünen Bäumen. Gleich nebenan ist ein kleines Cafè, in dem man in den Pausen den einen oder anderen Spritz genießen kann.

Kursinformationen

In der Fakultät für Wirtschaft werden einige englische Kurse angeboten, sodass es auch ohne Italienisch Kenntnisse möglich ist, hier zu studieren. Die Anzahl der Credits für die verschiedenen Kurse liegt zwischen 6 und 10 Credits, wobei eine kleine Anzahl an Credits nicht gleich einen niedrigeren Aufwand garantiert. Somit kann man aber auch mit eher wenig Aufwand 10 Credits ergattern. Ich habe, wie die meisten Erasmus Studenten, mein Learning Agreement innerhalb des ersten Monats noch einmal anpassen können. So hat man zunächst die Chance sich jeden für einen interessanten Kurs einmal anzuschauen und dann zu entscheiden. Insgesamt lässt sich sagen, dass
das Leistungsniveau etwas einfacher ist als an der MSM. In den meisten Fällen findet jeder Kurs dreimal die Woche á zwei Stunden statt. Ich habe folgende Kurse belegt:

Advanced Marketing (10 Credits):

Dieser Kurs ist für seine 10 Credits eher einfach gestrickt. Er besteht aus 2 kleinen Tests bzw. einer großen Klausur und einer Gruppenarbeit, in der man einen Report sowie eine Präsentation erstellt. Innerhalb des Kurses begleitet man ein Startup Unternehmen, für welches man dann ein Marketingkonzept erstellt. Zwischen den normalen Vorlesungen gibt es zudem Lab Sessions, in denen praktische Marketingtools gezeigt werden, die man später in der Gruppenarbeit anwenden kann. Insgesamt hat mir dieser Kurs sehr gut

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Prato della Valle, Padova

gefallen, da es eine gute Abwechslung zu dem ständigen auswendig lernen an der Uni DUE ist.

Innovationsmanagement (9 Credits):

Dieser Kurs besteht aus einer Klausur am Vorlesungsende. Leider werden viele Themen sehr in die Länge gezogen und Slides nur abgelesen, sodass die Vorlesung eher langweilig ist. Meiner Meinung nach reicht das typische auswendig Lernen zum Bestehen der Klausur.

Economics of Strategy and Informational Behavior (8 Credits):

Dieser Kurs besteht zu 75% aus Game Theory und 25% aus Economics of Information. Man braucht eigentlich keine Vorkenntnisse, da jeder Schritt genau erklärt wird. Zudem gibt es Practice Sessions, in denen nur Aufgaben gerechnet werden. Als Leistungsnachweis gibt es eine Klausur mit vier Rechenaufgaben.

Italian Language Course (3 Credits):

Der Sprachkurs wird kostenlos für alle Erasmus Studenten angeboten. Vor Beginn kann man sich sein Level selbst aussuchen und dann online anmelden. Der Kurs findet zweimal á zwei Stunden in der Woche statt. Um ein Sprachzertifikat zu erhalten, muss man zu 75% anwesend sein und einen Test am Ende bestehen. Dieser war meiner Meinung nach recht anspruchsvoll. Sofern man regelmäßig geht, ist der Sprachkurs sehr hilfreich, auch wenn sehr zeitaufwendig für nur 3 Credits.

Die Stadt

Padova ist eine absolute Studentenstadt mit ca. 60.000 Studenten. Die Altstadt mit ihren vielen Piazzen ist unglaublich schön. Gerade bei guten Wetter ist die Stadt total belebt, überall auf den Piazzen sind voll besetzte Cafés oder die Leute sitzen auf der großen Treppe

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Piazza dei Signori, Padova

am Piazza dei Signori. Zur Weihnachtszeit ertrinkt die Altstadt dann in Lichterketten. Jedes Wochenende sind große Märkte auf den verschiedenen Piazzen und insbesondere sonntagnachmittags, nach der Siesta, ist Leben in der Stadt. Ansonsten gibt es noch den Prato della Valle, ein wunderschöner Platz, an dem man sich gerne auch mit einer großen Gruppe hinsetzen kann. Auch im Süden befindet sich die Basilica di Sant’Antonio, die wirklich beeindruckend und einen Besuch wert ist. Des Weiteren sollte man mindestens einmal in den Botanischen Garten von Padova gehen, da er für Studenten der Unipd frei ist.
Direkt zu Anfang muss man sich unbedingt ein Fahrrad zulegen. Zwar kann man auch alles zu Fuß erreichen, mit dem Fahrrad ist es jedoch um einiges leichter. Zudem gehört es meiner Meinung nach zu der Erfahrung, da in Padova jeder mit dem Fahrrad unterwegs. Und sollte dies mal kaputt sein, kommt man mit der Tram (Ticket kostet nur 1,30 €) gut vom Norden in den Süden. Mit dem Bus bin ich nur wenige Male gefahren. Diese können schon mal, typisch italienisch, nicht ganz pünktlich sein. Und hier gilt es zu beachten: Immer den Arm ausstrecken, wenn der Bus kommt. Sonst fährt er einfach weiter.

Unterkunft

Ein Zimmer in Padova zu finden war nicht ganz einfach, letztendlich bekommt aber jeder einen Schlafplatz. Die Uni bietet Studentenzimmer in unterschiedlichen Wohnheimen an. Ich wollte von vornerein in eine private Unterkunft, sodass ich über den Prozess nicht viel berichten kann. Die Erfahrungsberichte meiner Freunde waren meistens eher negativ, da die Wohnheime in den meisten Fällen außerhalb liegen.
Ich habe vor dem Auslandssemester hauptsächlich mittels der Facebook Seite „Cerco, offro casa o stanze in affitto a Padova“ nach einem Zimmer gesucht, hatte aber vorab kein Glück. Viele möchten von Beginn an keine Erasmus Studenten oder wollen das Zimmer nicht nur für ein halbes Jahr vergeben. Viele sprechen schlichtweg kein Englisch, weshalb man einfach ignoriert wird. Daher bin ich ohne ein Zimmer nach Padova, habe mir vor Ort ein Hotel für eine Woche gebucht und dann dort die Suche begonnen. An der Uni hängen weitere Zettel aus, auf denen Zimmer ausgeschrieben sind. Man hat so natürlich großen Druck und es ist sicherlich nicht der einfachste Weg, trotzdem machen es die meisten 20170207_210730_hdrErasmus Studenten so.
Der ansteigende Druck war letztendlich auch der Grund, warum ich in ein Doppelzimmer gezogen bin. Wie wahrscheinlich jeder wollte ich anfangs ein Einzelzimmer in einer schönen Gegend, aber das Leben ist nun mal kein Wunschkonzert. Ich habe mir das Zimmer mit einer Polin, auch Erasmus, geteilt und hatte noch eine italienische Mitbewohnerin. Meine Wohnung lag in dem Bezirk Arcella, welches direkt hinter dem Bahnhof liegt und eher der „Brennpunkt“ Padovas ist. Daher haben am
Anfang viele meiner Mitstudenten mit Schock reagiert. Ich Nachhinein eine absolut überzogene Reaktion. Natürlich kann Arcella nicht mit der schönen Altstadt mithalten, trotzdem ist es bei weitem nicht „gefährlich“, den einen oder anderen dummen Spruch bekommt man schließlich auch in Duisburg hinterher gerufen. Zudem kamen einige aus meinem Freundeskreis aus Arcella, sodass man nie alleine unterwegs war. Der große Vorteil von einem Doppelzimmer in dem Bezirk ist natürlich der Preis. Meine Miete betrug 185€+ca. 40 € Nebenkosten. Die gesamte Miete von Freunden, die ein Einzelzimmer im Zentrum hatten, lag meistens bei 450€. Ein weiterer Vorteil ist, dass der Ort, obwohl im Norden von Padova, total zentral ist. Die beiden hauptsächlichen Clubs liegen 5 und 10 Minuten entfernt mit dem Fahrrad, die Uni und das Zentrum auch jeweils nur 10 Minuten. Der Bahnhof ist in 5 Minuten zu Fuß erreicht.
Rückblickend war es genau die richtige Entscheidung für mich und ich bin froh, dass ich dieses Zimmer gefunden habe, obwohl ich es anfangs absolut ausgeschlossen hatte, in ein Doppelzimmer zu ziehen. Es war sicherlich nicht immer einfach, aber man lernt sich und seine Mitmenschen ganz neu kennen. Deswegen kann ich nur raten bei der Suche offen zu bleiben und keine Unterkunft von vornerein auszuschließen.

Freizeitaktivitäten

Padova eignet sich super für Tagesausflüge in umliegende Städte. Meine Empfehlungen sind Trips nach Verona, Bassano del Grappa, Cittadella und natürlich Venedig. Da die Bahnpreise im Vergleich zu Deutschland sehr niedrig sind, lohnt es sich auch einfach zum Sonntagsmarkt nach bspw. Castelfranco zu fahren und dort einen Kaffee zu trinken. Das italienische Flair findet man eben überall. Definitiv sollte man sich ein längeres Wochenende für Florenz und Umgebung nehmen, super schön! Der Gardasee hat sich auch im Winter gelohnt. Am besten ist es hier wirklich mit einem Auto, da man so gleich mehrere Städte anfahren kann.
padova-76605__340Jeden Montag und Donnerstag gibt’s Karaoke im St. John’s. Im Winter sollte man unbedingt immer einen Tisch vorab reservieren (ob es im Sommer auch so voll ist kann ich nicht sagen). Sollte man Lust auf einen Kinofilm haben, gibt’s im Süden der Stadt das Porto Astra. Dort werden dienstags aktuelle Filme auf englisch für nur fünf Euro gezeigt. Und da Käffchen in Italien auch immer geht, kommen hier meine Lieblingscafés: Coffee Box, ist ein bisschen amerikanisch angehaucht und haben super Muffins. Die Tasse für seinen Kaffee kann man sich selbst aus dem bunten Sortiment aussuchen. Das Maison Hand ist ein super süßer, kleiner Laden mit einer netten Einrichtung. Ansonsten ist das Hendrix (richtig coole Vintage Einrichtung) sowie das Gappion ein immer guter Anlaufpunkt in der Innenstadt gewesen. Und auch wenn nicht ganz billig, dem Café Pedrocchi muss man mindestens einmal einen Besuch abstatten. Das Café trägt zur Geschichte von Padova bei, da es in drei verschiedene Räume bzw. Klassen eingeteilt ist. So kann man in dem grünen Raum auch sitzen, ohne etwas zu bestellen.
Die großen Freizeitaktivitäten werden in der Regel vom ESN organisiert. Dieser besteht aus Studenten, die ehrenamtlich alles für uns Erasmus Studenten organisieren. Angefangen mit der Welcome Week, über einzelne Aktivitäten wie Schlittschuh laufen, Food Donations, Schnitzeljagd und einzelnen Ausflügen bis hin zu großen Trips wie bspw. nach Rom, in die Dolomiten zum Ski fahren oder zum Grappa-Tasting nach Bassano. Für die Teilnahme benötigt man die ESN Card, die einmalig 10 Euro kostet. Man bekommt aber gleichzeitig mit der Karte einen Rabatt auf die Eintrittskarten für die beiden Clubs vor Ort, Fishmarket und Factory, weshalb sie sich damit schon lohnt. Fish und Factory sind die beiden hauptsächlichen Clubs mit sehr viel kommerzieller Musik. Sollte man Lust auf was anderes wie Techno, Hip-Hop oder Livebands haben sind C.S.O. Pedro oder Mame gute Anlaufpunkte.

Fazit

Abschließend kann ich sagen, dass die Erfahrung in Padova eine super schöne war. Ich war sowohl mit der Stadt als auch mit der Organisation vor Ort von allen Beteiligten sehr zufrieden (man erwartet bei Italien ja direkt das Schlimmste). Padova hatte für mich genau die richtige Größe in Hinblick auf Aktivitäten, Studenten, etc. Da die Uni schon früh für mich aufgehört hat und es im Winter jedoch nicht endlos viel in Padova zu tun gibt, kann schon mal zu Langeweile kommen. Aber für diesen Fall hat meine seine Freunde, denen es ähnlich geht. Grundsätzlich sind die Menschen, die über das halbe Jahr zu den engsten Freunden werden, die wichtigste Komponente. Der Kontakt im engsten Kreis wird auf jeden Fall lange bestehen bleiben!
Ich kann jedem nur raten, sich für ein Auslandssemester zu entscheiden, ob in Italien oder einem anderen Land. Einfacher als mit Erasmus geht’s nicht! 🙂

Ein Bericht von Lisa Gedig

 

 

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