Studieren an der Universidad Miguel Hernandez de Elche in Spanien

“Die Einstellung zum Leben und die Freundlichkeit der Spanier sind zwei Dinge, die ich nach Deutschland mitnehme.”

Die Universität

Allgemeine Angaben

Nachdem ich im März 2016, nach erfolgreicher Einreichung meiner Bewerbung um ein ERASMUS-Auslandssemester in Spanien von ISMA nominiert wurde, musste ich meine Unterlagen auf das Portal der Universiät Miguel Hernandez hochladen. Wenige Tage später erhielte ich die Zusage und mir wurde ein Buddy zugeteilt der sich auch direkt meldete.

International Office und Kontaktpersonen

Das International Office der UMH bietet, vertreten durch Herrn Elias Poveda, eine hervorragende Unterstützung bei ersten Fragen. Ebenfalls ist mein mir zugeteilter Buddy überaus hilfreich gewesen und hat mir bei Problemen jeglicher Art Hilfe angeboten und mir nützliche Informationen zuteil kommen lassen.

Organisation

Wenige Tage vor Vorlesungsbeginn habe ich mich an der UMH im August immatrikuliert.

Mitte September starteten die Vorlesungen und davor wurde ein zweiwöchiger Spanisch Intensivsprachkurs angeboten. Ich kann empfehlen die nötigen Papiere so früh wie möglich einzureichen und sich die Information zu kommen zu lassen, welche Dinge in den ersten Wochen erledigt werden sollten, wie beispielsweise die Zahlung einer Versicherungspauschale oder die Anmeldung im Officina de Extranjeros zum studentischen Aufenthalt in Spanien.

Besonderheiten bei der Bewerbung

Erforderlich für ein Studium in Elche (Alicante) ist es, dass man mindestens das Spanisch Sprachniveau B1 vorweisen kann. Dies erhält man unter anderem, wenn man während dem Abitur 2 bzw. 3 Jahre Spanischunterricht hatte.

Kursinformationen

Kurs1: Creacion de Empresas

Diesen Kurs kann ich mir für Grundlagen der Unternehmenssteuerung anrechnen lassen. Creacion de Empresas wird von einer sehr engagierten Professorin gehalten, welche die Grundlagen zur Unternehmensgründung in Spanien darstellt. Die Note des Kurses setzt sich im Wesentlichen aus 2 Leistungsbewertungen zu je 50% zusammen. Zum einen wird innerhalb einer ausgewählten Gruppe ein fiktives Unternehmen erstellt und an dem Markt gebracht – inklusive aller finanziellen Komponenten. Unsere Arbeit umfasste circa 40 Seiten. Zusätzlich hatten wir das Endergebnis als PowerPoint Präsentation gruppenweise zu präsentieren. Der zweite Teil des Kurses setzt sich aus der Klausur zusammen, welche 20 Multiple Choice fragen zum Skript enthielt eine praktische Anwendungsaufgabe. Insgesamt hat der Kurs mir sehr viel Spaß gemacht und ich empfehle diesen weiter.

Kurs2: Direccion de Operacciones

Diesen Kurs kann ich mir für Operative Planung anrechenen lassen. Ein gut strukturiertes Fach mit einer freundlichen Professorin. Die Note setzt sich hier entweder aus einer finalen Klausur wie an der MSM zusammen oder man entscheidet sich für das kontinuierliche System und schreibt 2 kleinere Klausuren, eine Hausarbeit und hält eine Präsentation. Anders als in Deutschland sammelt die Professorin nach jeder Stunde die praktischen Arbeiten der Stunde ein und korregiert diese bis zur nächsten Woche. Diese wiederum machen einen großen Teil der Klausur aus. Zusammenfassend ist dieses Fach gut machbar, jedoch sollte man von vorne herein dran bleiben und kontinuierlich lernen.

Kurs3: Economia Espanola

Diesen Kurs kann man sich lediglich im E3 Bereich anrechenen lassen. Hier wirkte die

Professorin eher gelangweilt vom Stoff und weniger engagiert. Die Note ergibt sich zu 30% aus den praktischen Arbeiten die man wöchentlich hochlädt bzw. den Präsentationen. Die restlichen 70% setzen sich über zwei Teilklausuren zusammen. Das Niveau das Kurses ist sehr hoch und man sollte schon sehr gute Spanisch Kenntnisse haben um hier auf eine gute Note hoffen zu können. Anmerkung: Die Professorin ist uns Erasmus Studenten auch nach mehrfachen beklagen, dass wir anfangs nicht die praktischen Arbeiten hochladen konnten, nicht entgegen gekommen. Insgesamt hat der Kurs mir nicht so sehr gefallen.

Kurs4: Recursos Humanos

Diesen Kurs kann man sich für Personalmanagement bei Borchert im 6. Semester anrechenen lassen. Die Professorin wirkte sehr motiviert und freundlich. Die Note besteht zu 75% aus einer Klausur und zu 25% aus praktischen Arbeiten. Ich kann allerdings nur hiervon abraten, da die Klausur selbst für Spanier schwer machbar war. Von den Erasmus-Studenten hat keiner die Klausur bestanden und genrell waren die Resultate nicht zufrieden stellend. Ich rate von diesem Kurs allen ab die kein sehr gutes Spanisch sprechen.

Kurs5: Intensivsprachkurs B1

Vor dem Beginn der Vorlesungen bot die UMH Intensivsprachkurse von A2-B2 auf dem Campus in Elche wie auch in Alicante an. Ich habe den B1 Kurs besucht. Auch hier wurde ich sehr überrascht, dass der Lehrbeauftragte kein Englisch sprach, gerade da er einen Sprachkurs lediglich mit Erasmus Studenten leitete. Jeodch war er sehr freundlich und geduldig. Die Kommunikation besonders bei Erklärungen und Fragen war sehr erschwert wodurch dann eben mit Händen und Füßen manchmal der Lehrbeauftrage Dinge versuchte zu erklären. Insgesamt empfehle ich den Kurs sehr, da man erste Kontakte knüpft und die Grammatik auffrischen kann. Der Kurs ist kostenlos.

Generelles:

  1. Alle Kurse des Modulhandbuchs im Wintersemester sind auf Spanisch.
  2. Es wird generell nicht sehr viel Rücksicht auf Erasmus Studenten genommen. Die Klausuren sind für alle gleich und eine Klausur bleibt eben auch mit 4,7 von 10 Punkten nicht bestanden.
  3. Die Professoren die ich hatte konnten alleweg keinerlei Englisch. Erste Spanischkenntnisse sollten vorhanden sein sonst ist man ziemlich verloren.
  4. Alle Kurse werden auf Spanisch gehalten, geben 6 Credits und es gab keine Anwesenheitspflicht. Die Vorlesungen finden zweimal die Woche für jeweils 90 Minuten statt und sind sehr klein, vergleichbar mit Schulklassen.

Die Stadt

Sehenswürdigkeiten und Highlights

Entnommen aus den positiven Erfahrungen einiger Studierende vor mir, habe auch ich mich entschieden, nach Alicante zu ziehen und nach Elche zu pendeln, da Alicante unmittelbar am Meer liegt und meines Erachtens für Erasmus Studenten ideal ist. Alicante hat ein paar Sehenwürdigkeiten wie das Castillo de Santa Barbara, das Barrio de Santa Cruz, den Hafen oder die Isla de Tabarca. Die Stadt bietet zwei Strände den Playa de Postiguet und den Playa de San Juan, letzterer ist über die Straßenbahn gut zu erreichen.

Ich empfehle für die Nutzung der Busse und Straßenbahnen sich eine Bonobo-Karte zu kaufen.

Das Wintersemester in Alicante zu verbringen lohnt sich auf jeden Fall, da man sorglos bis Mitte November noch an den Strand gehen kann. Ebenfalls gibt es sehr viele Studenten der Universität von Alicante, wodurch Alicante voll ist mit Erasmus Studenten.

Nach Elche zu ziehen lohnt sich auf jeden Fall auch. Als Erasmus-Student dort macht man viele Vorteile durch die Nähe der Universität wie zum Beispiel den Besuch einer der Sportkurse wie Fußball.
Dort ist es nicht so touristisch, es ist aber auch weniger los. Es gibt deutlich weniger Erasmus Studenten dort. Die Basilica de Santa Maria kann man sich angucken und es gibt viele schöne Palmenparks.

Anreise

Angereist bin ich vom Düsseldorfer Flughafen International mit Eurowings nach Alicante und zurück mit Ryanair ebenfalls von Alicante Airport nach Düsseldorf Weeze. Flüge von und nach Alicante sind abgesehen von der Haupturlaubssaision sehr günstig. Ich habe beispielsweise 50 Euro inklusive Gepäck für den Hin- und 70 Euro für den Rückflug gezahlt. Es lohnt sich definitv die Preise und Gepäckbestimmungen der einzelnen Airlines zu vergleichen. Nur mit Handgepäck kommt man schon für 20 Euro ein Ticket.

Vom Flughafen aus fährt alle 20 Minuten ein Bus nach Alicante (Linie C-6). Das Ticket kostet circa 4 Euro. Zu beachten sind die Fahrtzeiten des Buses von Morgens circa 7 Uhr bis abends circa 23 Uhr. Alternativ kann man ein Taxi nehmen das nach Alicante Stadt circa 25 Euro kostet.

Unterkunft

Organisation

Die ersten zwei Wochen buchte ich ein Zimmer über AirBnB. In dieser Zeit suchte ich über Online Plattformen nach einer WG in Alicante und bin schließlich über eine Facebook Gruppe fündig geworden. Ich wohnte mit zwei Spaniern, einer 27 Architekt und einer 32 Ingenieur, zusammen. Beide sind gebürtig in Alicante und haben mir die Kultur sowie die Sprache im täglichen Zusammenleben gezeigt. Bei der Unterkunftssuche lohnt es sich geduldig zu sein und vor Ort sich in Ruhe umzusehen.

Lage

Mein Zimmer hatte die ideale Lage. Ich kann nur empfehlen zwischen Renfe-Bahnhof (Estaccion de trenes) und dem Mercado Central zu wohnen, da man sonst zu weit täglich zum Zug läuft. Ich brauchte zu Fuß 10 Minuten zum Bahnhof und von dort fuhr ich

wg
Meine WG

zwischen 25-35 Minuten bis Elche Park. Weitere 5 Minuten Fußweg anschließend bis zur Uni. Wem das zu weit ist, das Pendeln nicht mag oder generell nicht bereit ist 4,25 für Hin- und Rückfahrt zur Uni zu zahlen der sollte nach Elche ziehen.

Kosten

250 Euro für mein Zimmer + circa 25 Euro monatlich für die Nebenkosten. Die Mieten sind genrell im Vergleich zu Deutschland sehr günstig. Einige haben deutlich günstigere Zimmer bekommen, jedoch machten diese bei anderen Dingen abstriche.

Qualität

Die WG war in einem sehr guten Zustand, da sie erst vor einem Jahr renoviert wurde. Außerdem war sie sehr gut augestattet und es gab sogar eine Putzfrau die die Gemeinschaftsräume säuberte. Allerdings habe ich viele WG’s gesehen wo Sauberkeit und Qualität des Mobiliars mangelhaft war. Daher würde ich mir jede Wohnung genau ansehen.

Lebenshaltungskosten allgemein

Im Allgemeinen sind die Kosten geringer als in Deutschland. Neben der Miete sind besonders Obst und Gemüse günstig. Sonstige Lebensmittel sollten in größeren Packungen gekauft werden. Da das Wasser in Alicante normalerweise nicht trinkbar ist, empfehle ich auf die Kosten der Wasserflaschen zu achten. Diese variieren stark. Besonders XXL-Flaschen bieten Preisersparnis.

Kleidung ist ebenfalls günstiger als in Deutschland. Alicante ist genrell sehr günstig. Egal ob ein Abendessen im Restaurant, eine Bar oder ein Café.

Reisen

Während meiner Erasmus Zeit bin ich viel verreist. Ich habe die gesamte Costa Blanca gesehen und viele Städtereisen gemacht. Unter anderem war ich in Barcelona, Valencia, Murcia, Ibiza oder Granada.

Alicante liegt sehr zentral an der Costa Blanca. ESN Alicante und ESN Elche bieten mehrere Reisen an. Jedoch finde ich es persönlich schöner alleine oder mit guten Freunden zu verreisen. Für die Städte um Alicante bietet sich hierbei das Busunternehmen ALSA an, womit man nach Valencia für 5€ bereits kommt.

Ansonsten empfehle ich Blabla-Car, die Frühbucherpreise bei Renfe oder sich ein Auto zu mieten. Es gibt auch viele günstige Flüge von Alicante. Ebenfalls sollte man die Flugpreise von Valencia Airport aus prüfen. Ich bin beispielsweise nach Ibiza Ida y vuelta für 20 Euro geflogen. Benidorm ist mit 1 Stunde Distanz auch gut zu erriechen, dort gibt es einen riesigen Wasserpark (Aqualandia) und noch viele andere Ausgehmöglichkeiten.

Krankenvrsicherung

Ich habe keine zusätzliche Krankenversicherung zum Auslandsschutz abgeschlossen. Dies war auch nicht nötig, da die europäische Gesundheitskarte eine ärztliche Grundversorgung bei öffentlichen Ärzten zulässt.
Wer sich allerdings privat behandeln lassen möchte und vorallem auf gründlicheren Service hofft, der sollte sich auch privat absichern, vielleicht hat man dann auch einen Arzt der Englisch spricht.

Freizeitaktivitäten

Es gab einige kleinere Unternehmungen die von der Universität selbst organisiert wurden, wie beispielsweise das Welcome Festival, ein international dinner oder Exkursion innerhalb von Elche. ESN oder Erasmus Life bieten jedoch auch dutzende Events an.

Man bekommt in Alicante bzw. Elche, was man erwartet von einem Auslandssemester in Spanien. Sonne, Strand und natürlich jede Menge Partys. Viele private Veranstaltungen, Erasmus Partys oder teilweise von der Uni organisiert.  In Alicante gibt es ständig Partys über das Semester. Auch gibt es andere Veranstaltungen, wie zum Beispiel Tandem- Treffen, über eine der vielen Sprachschulen oder über eine Facebookgruppe. Am Anfang sind die Erasmusbars, wie das Havana Barrio oder Carpe Diem eine erste sehr gute Anlaufstelle. In jedem Fall hatte ich eine Menge Spaß. Definitiv sollte man der Welcome Week in Alicante oder Elche beiwohnen um Kontakte zu knüpfen und die Städte kennenzulernen.

Fazit

Was besonders gut war

Spanien. Die Einstellung zum Leben und die Freundlichkeit der Spanier sind zwei Dinge, die ich nach Deutschland mitnehme. Das Land bietet eine so große regional-kulturelle Vielfalt und es lohnt sich definitiv auch abseits der Strände die Städte zu erkunden.

Das vergangene halbe Jahr war das beste in meinem Leben. Die Erfahrung in einem anderen Land zu wohnen, auf sich selbst gestellt zu sein und mit jeder neuen Herausforderung zu wachsen ist großartig. Ich habe gelernt vom Tellerrand zu sehen, habe sehr viele neue spanische, europäische und außereuropäische Freunde kennengelernt und verstehe nun wo die vielen kulturellen Unterschiede herkommen. Mein Spanisch hat sich in der Zeit deutlich verbessert. Ebenfalls spreche ich jetzt, auf Grund der vielen Gespräche zu Erasmus Studenten aus Alicante, sehr gutes Englisch und bin generell viel selbstsicherer in meiner Kommunikation geworden.

Alicante ist eine tolle Stadt für Erasmus-Studenten und es ist für jeden etwas dabei. Das Wetter an der Costa Blanca ist ebenfalls mit das sonnigste in ganz Europa und selbst im Winter gehen die Temperaturen nicht unter 10 Grad. Auch die Universität in Elche ist sehr schön und hat einen hervorragenden Campus. Das Klassensystem der UMH gefällt mir auch sehr.

Was nicht so gut war

Lediglich muss auch ich die Organisation der UMH beklagen. Im Gegensatz zur Universität von Alicante gibt es in Elche keinen richtigen Leitfaden für Erasmus Studenten in den ersten Tage. Man ist in vielen Situationen auf sich alleine gestellt und die Professoren können beklagenswerterweise kein Englisch. Es wird scheinbar erwartet, dass man auch organisatorisch alles weiß. Das Bildungssystem in Spanien ist generell auf einem geringeren Niveau jedoch finde ich, dass die UMH viel zu wenig für Erasmus Studenten anbietet, sodass es ohne sehr gute Spanisch Kenntnisse schwierig ist mit vielen Credit Points geschweige denn guten Noten nach Deutschland zurückzukehren.

Was ich sonst noch sagen wollte…

Abschließend kann jedem nur ein Auslandssemester empfehlen, da man sich auf so vielen unterschiedlichen Wegen weiterentwickelt.

Ein Bericht von David Radekopf

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