Studieren an der ESC Troyes in Frankreich

“Bei mir stand das Studium im Vordergrund und die Kurswahl war ein ausschlaggebender Punkt bei der Wahl der Partneruni.”

Die Universität

Der Campus der ESC ist relativ neu und daher sehr modern gestaltet. In der Eingangshalle ist so gut wie immer etwas los. Es gibt diverse Sitzgelegenheiten, Tischtennisplatten und eine Art „Bar“ an der häufig Crêpes oder Sandwiches verkauft werden. Viele Studenten bleiben auch nach den Vorlesungen in der Uni um sich in der Halle zu treffen. Häufig wird auch Musik gespielt. Die Vorlesungsräume sind gut ausgestattet und schön hell. Die Bibliothek ist relativ klein, man findet aber trotzdem fast immer einen freien Platz oder Gruppenraum. Obwohl die Uni sehr modern ist, gab es ständig Probleme mit der Temperatur. Im Sommer war es teilweise unerträglich heiß und im Winter hat man häufig gefroren, da die Heizung nicht richtig funktioniert hat.
Die Betreuung vom International Office vor Ort war gut. Anfangs gab es eine Einführungswoche, in der uns die meisten Sachen erklärt wurden wie z.B. die Eröffnung des französischen Bankkontos. Schade fand ich jedoch, dass uns niemand bei der Beantragung des Wohngelds (CAF) geholfen hat. Die Organisation war manchmal etwas holprig und viele Dinge haben um einiges länger gedauert als erwartet bzw. notwendig, aber da gewöhnt man sich schnell dran.
Das Bewerbungsverfahren ist sehr übersichtlich und wird durch das Intranet sehr gut geregelt. Man erhält ausreichend Informationen. Wichtig ist, dass man auf Fristen aufpasst da viele Dinge wie z.B. die Kurswahl auf „First come first serve“ Basis geregelt werden.

Kursinformationen

Generell ist zu sagen, dass bei mir das Studium im Vordergrund stand und die Kurswahl ein ausschlaggebender Punkt bei der Wahl der Partneruni war. Insgesamt habe ich 42,5 ECTS troyes-16erworben, was zwar insgesamt machbar, zwischenzeitlich aber durchaus anstrengend war. Das lag besonders daran, dass die Kurse zu einem großen Teil aus Präsentationen, Gruppenarbeiten und individuellen Arbeiten bestanden und diese häufig recht spontan angekündigt wurden und man daher schlecht planen konnte. Außerdem ist es hier üblich, mit Gruppenarbeiten und Präsentationen frühestens 1-2 Tage vor Abgabe zu beginnen, was ebenfalls sehr stressig und nervenaufreibend ist. Die Kurse finden morgens von 9:45-13 Uhr und nachmittags von 14-17:15 Uhr statt. Obwohl grundsätzlich Anwesenheitspflicht besteht, sehen die meisten Dozenten das nicht so streng, da sich bei den Erasmus-Studenten häufig die Kurse überschneiden. Die Kurse wurden vor der eigentlichen Kurswahl bereits im Intranet angezeigt. Allerdings konnten im Endeffekt nicht alle zuvor angebotenen Kurse gewählt werden, die Namen und Beschreibungen waren teilweise anders und auch die Anzahl der ECTS pro Kurs war letztendlich anders. Folgende Kurse habe ich gewählt:

Brand & Community Management (5 ECTS)

  • Zusammen mit international Marketing eins der aufwendigsten Fächer
  • Prüfungsleistung: 50% Klausur (3h), 30% Brand Audit (Präsentation + Written Document), 20% Analyse von 2 Research Artikeln (Präsentation + Written Document)

International Marketing (5 ECTS)

  • wurde von der gleichen Dozentin wie Brand & Community Management gehalten, ebenfalls sehr aufwändig
  • Prüfungsleistung: 50% Klausur (2h), 20% Product Launch (Präsentation + Written Document), 10% Case Studies während der Vorlesung, 10% Analyse von einem Research Artikel (Präsentation + Written Document) Design Thinking & Value Creation (5 ECTS)
  • Prüfungsleistung: Contrôle Contenu, Präsentation, Gruppenausarbeitung und Abschlusstest
  • Dieser Kurs hat mich sehr enttäuscht, da er von 2 verschiedenen Dozenten gehalten wurde und daher sehr unorganisiert war. Der Teil zum Thema Design Thinking war zudem inhaltlich sehr schwach

International Marketing Communication (5 ECTS)

  • Prüfungleistung: 50% individuelle Ausarbeitung und 50% Gruppenarbeit
  • Dieser Kurs ist sehr praktisch orientiert und eher für Bachelorstudenten geeignet, hat aber dennoch Spaß gemacht
  • Es wird ein eigener Kommunikationsplan erstellt

Digital Marketing (5 ECTS)

  • Prüfungsleistung: 50% individuelle Ausarbeitung und 50% Gruppenarbeit/Präsentationen
  • Sehr engagierter Dozent, inhaltlich jedoch manchmal zu weit entfernt von digitalen Marketing

Yield Management (5 ECTS)

  •  Prüfungsleistung: 30% Gruppenpräsentation, 70% Klausur
  • Sehr interessantes Fach und erfahrener Dozent

Global Talent Management (5 ECTS)

  • Prüfungsleistung: Präsentationen, individuelle Ausarbeitung, Klausur (2h)
  • Sehr engagierte Dozentin, hilft auch gern bei der Vermittlung von Praktika

Marketing of Luxury Goods (5 ECTS)

  • Prüfungsleistung: 50% Gruppenpräsentation, 50% Klausur (3h)
  • Einer der besten und interessantesten Kurse, die ich belegt habe. Der Dozent hat langjährige Erfahrung im Luxussektor und kann die Theorie sehr gut vermitteln
  • Der Kurs enthielt verschiedene Case Studies zu den Marken und Retailstrategien verschiedener Luxusmarken (LV, Rolex, Burberry..)

Francais Semestre 1 (2,5 ECTS)

  • Prüfungsleistung: individuelle & Gruppenpräsentation, Contrôle Contenu, schriftliche Hausarbeit, Klausur (2h)
  • Vor allem für 2,5 ECTS ist der Kurs sehr aufwendig und hat mir persönlich keinen Spaß gemacht. Anfangs gab es ein großes Durcheinander, da alle Studenten unabhängig von ihren Niveaus in Gruppen eingeteilt wurden, sodass Fortgeschrittene (B2/C1) mit Anfängern (A1) im selben Kurs saßen. Der Kurs selbst war immer sehr stressig, da die Dozentin sich für eine kurze Zeit sehr viel Stoff vorgenommen hat. Sprachlich hat der Kurs mir leider nicht weitergeholfen.

Die Stadt

Im Vergleich zu den Ruhrgebietsstädten ist Troyes eine recht kleine Stadt, gehört in der Champagne jedoch mit zu den Größten. Um Troyes herum sind lediglich kleine Orte bzw. troyes14Dörfer, sodass die nächsten größeren Städte Reims, Dijon oder Paris sind. Für jemanden, der das Ruhrgebiet und NRW mit den vielen verschiedenen Städten schätzt, kann sich ab und an etwas abgeschieden vorkommen. Dennoch hat Troyes seinen ganz eigenen Charme. Die Innenstadt ist wirklich schön und bietet eigentlich alles was man braucht. Wer gerne einkaufen geht, kann außerdem in das nahegelegene Outlet-Center fahren. Im Sommer lohnt sich außerdem eine Fahrt zum Lac d’Orient, einem großen See/Naturschutzgebiet in der Nähe von Troyes. Mit dem Bus benötigt man ca. 30-40Minuten, mit dem Auto sind es 20 Minuten.

Anreise

Ich bin von Dortmund aus mit dem Thalys nach Paris und von dort aus mit dem Zug nach Troyes gefahren. Da ich das Thalys Ticket früh gebucht habe, habe ich lediglich 39€ bezahlt. Eine günstigere Alternative ist der Flixbus mit dem man schon für 25€ fahren kann. In Paris habe ich mir die Carte Jeune gekauft, eine Art Bahncard, die einmalig 50€ kostet und mit der man (je nach Tageszeit) Rabatte beim Ticketkauf erhält. Für mich hat sich die Karte gelohnt, da ich öfter mit dem Zug nach Paris gefahren bin. Allerdings gibt es in Frankreich auch ein großes Angebot von Blablacar, was für viele Strecken günstiger (und schneller) ist als der Zug.

Unterkunft

Ich habe meine Wohnung über das Portal der ESC gebucht, was sehr leicht und unkompliziert war. Wichtig ist jedoch, dass man pünktlich zur Öffnung des Portals nach einer Wohnung sucht, da sonst die besten Wohnungen vergriffen sind. Ich habe zusammen mit 2 Spanierinnen in einer 3er WG gewohnt, was trotz einiger Sprachbarrieren ganz gut funktioniert hat. Besonders im Vergleich zu Duisburg sind die Mieten hier höher. Für mein 9m² Zimmer habe ich pro Monat 360€ gezahlt, da waren jedoch bereits alle Kosten abgedeckt. Zusätzlich konnte ich für 30€/Semester ein Fahrrad von der Vermieterin leihen. Im Großen und Ganzen war die Lage der Wohnung in Ordnung. Zur Uni habe ich 10-15 Minuten gebraucht, in die Innenstadt ca. 20-30 Minuten (zu Fuß). Da Troyes relativ klein ist, ist das allerdings schon recht lang und ich würde jedem empfehlen sich eine Wohnung zwischen Campus und Innenstadt zu suchen. Die Standards in den Wohnungen sind i.d.R. niedriger als in Deutschland und man konnte bei uns deutlich sehen, dass schon einige Erasmus-Jahrgänge hier gewohnt haben.

Reisen

Da ich viele Kurse hatte, habe ich hauptsächlich kurze Reisen in der näheren Umgebung von Troyes gemacht:

  • Paris
  • Reims
  • Nancy
  • Dijon
  • Lyon

Am besten gefallen haben mir (neben Paris) Nancy und Lyon. In beiden Städten waren wir 2-3 Tage und haben über Blablacar und Airbnb unsere Mitfahrgelegenheit bzw. Unterkunft gebucht. Eine weitere günstige Alternative um nach Lyon zu reisen ist z.B. der Ouibus für den man ca. 20€/Fahrt bezahlt. Dicht neben Nancy liegt die Stadt Metz, die ebenfalls eine Reise wert ist

Krankenversicherung

Da ich über die Techniker versichert bin, konnte ich mich über die Envivas zusätzlich für das Auslandssemester versichern.

Freizeitaktivitäten

Die Studentenorganisationen haben hauptsächlich in unserer Ankunftswoche Angebote organisiert wie z.B. Kneipenabende, gemeinsames Frühstück in der Uni oder Partys. Generell sind jedoch im weiteren Verlauf des Semesters recht wenige der vorher angekündigten Aktivitäten realisiert worden, was ich ziemlich schade fand. So waren z.B. ein Champagner/Wein Tasting, ein International Dinner, Ausflüge nach Disneyland oder ein Tagesausflug in eine andere Stadt geplant, wurden jedoch entweder kurzfristig abgesagt bzw. auf unbestimmte Zeit verschoben oder gar nicht weiter thematisiert. Das scheint daran gelegen zu haben, dass sich innerhalb der Studentenorganisationen einiges geändert hat und eine Organisation sich wohl auch ganz aufgelöst hat. Daher gehe ich davon aus, dass dieses Jahr eine Ausnahme war. Partys gab es einige u.a. im Cotton, Paparazzi oder La Barge. Außerdem wurde ein richtiger Abschlussball veranstaltet, weshalb es ratsam ist, ein schickes Kleid bzw. einen Anzug/Jacket mitzunehmen.

Ein Bericht von Annika Fischer

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