5 Monate in Polen an der SGH Warschau

“Warschau ist eine große und lebenswerte Stadt, die viele abwechslungsreiche Möglichkeiten bietet und in der man sich, in Anbetracht der vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten, vieles leisten kann.”

Vorbereitung

Die Vorbereitung bezüglich aller Formalitäten wie z.B der Einschreibung lief völlig Problemlos. Nachdem alle nötigen Dokumente in Duisburg und Warschau eingereicht waren, bekam ich recht früh ( gegen Mai) alle benötigten Informationen für das weitere Vorgehen ( Semestertermine, Kurswahl etc.). Des Weiteren wird d ebenfalls der Zugang zum „Virtual Deans Office“, quasi dem LSF der Universität bereits gegen Mai freigeschaltet. Dabei haben sowohl das ISMA und Akademische Auslandsamt in Duisburg als auch das International Office in Warschau bei Fragen schnell und unkompliziert geholfen.

Anreise

Die Anreise gestaltet sich recht unkompliziert. Es gibt Flugverbindungen zum zentralen Flughafen Warschau-Chopin (WAW) von Düsseldorf ( Eurowings & LOT), die Flugzeit beträgt dabei etwa 1:30h. Des Weiteren fliegt Ryanair sehr günstig von Köln/Bonn nach Warschau-Modlin (WMI). Dieser Flughafen liegt etwas außerhalb der Stadt, die Verbindung in die Warschauer Innenstadt ist jedoch schnell, unkompliziert und günstig ( ca. 45 Min., 5€). Auch die Anreise mit dem Auto ist einfach, es gibt eine durchgehende Autobahnverbindung nach Warschau, die Fahrt dauert in etwa 10 Stunden aus NRW.

Unterkunft und Lage

Prinzipiell gibt es zwei Möglichkeiten bezüglich der Unterkunft: entweder sucht man sich eine private Unterkunft oder man bewirbt sich für das Studentenwohnheim Sabinki. Zweiteres ist zwar günstig (100 €/Monat), jedoch muss man sich das Zimmer mit

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Altstadt – Schlossplatz

jemandem teilen. Des Weiteren sind die Plätze äußerst begrenzt. Ich persönlich habe mir privat eine Wohnung gesucht. Dies gestaltet sich, wie im Ausland üblich, etwas schwieriger als zu Hause, jedoch gibt es diverse Agenturen (z.B. easyrent, Pepehousing), die englischsprachige Angebote speziell für Erasmus Studenten haben. ( Hier sind jedoch oftmals Vermittlungsgebühren fällig). Ebenfalls hilfreich sind sie zahlreichen Gruppen auf Facebook, in denen Wohnungen und Zimmer angeboten werden. Hierbei gibt es auch speziell einige für Erasmusstudenten, denen man beitreten sollte, da in diesen nebst Wohnungen/Zimmern auch viele Freizeitaktivitäten angekündigt werden.
Große Anzeigenportale sind zudem olx.pl und gumtree.pl. Die Seiten sind zwar nur in Polnisch verfügbar, lassen sich aber mit Google ins Deutsche übersetzen. Jedoch sollte man nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Kontaktpersonen gutes Englisch sprechen. Sein Glück sollte man dort meiner Meinung nach trotzdem versuchen.
Was die Lage angeht, so empfiehlt es sich eine Wohnung im Zentrum (Srodmiescie, Wola, Mokotow) zu suchen. Das Leben in Warschau spielt sich größtenteils im Innenstadtsdistrikt ab, so dass man es dann nicht weit hat, um etwas zu unternehmen. Preislich reicht die Spanne grob – und je nach Lage und Standard der Wohnung – von ca. 250€ (WG-Zimmer) bis ca. 450€ ( Eigenes 1-Zimmer Apartment).Dies sind jedoch nur grobe Richtwerte, wie in jeder Großstadt ist die Preisspanne groß. Verglichen mit westeuropäischen Großstädten sind die Mieten günstig, für polnische Verhältnisse jedoch  echt hoch. In den Stadtteilen rund um die Innenstadt sind die Mieten natürlich etwas günstiger .Ebenfalls wichtig ist es, eine größere Haltestelle mit mehreren Bussen/Bahnen in der Nähe zu haben. Optimal ist hierbei eine Metrohaltestelle in der Nähe, da die Metro das schnellste und zuverlässigste Verkehrsmittel in der Stadt darstellt.

Studium an der Gasthochschule

Die SGH gilt als beste Wirtschaftsuni in Polen und genießt somit einen guten Ruf. Als Erasmusstudent kann man dabei Kurse in Englisch sowie auch einzelne Kurse in weiteren Sprachen (Deutsch, Französisch, Spanisch ) wählen. Insgesamt ist das System etwas verschulter als in Duisburg. Die Kurse sind deutlich kleiner als in Dusiburg (15-30 Leute). Insgesamt empfand ich den Anspruch vergleichbar zu Duisburg, was jedoch lediglich meine subjektive Einschätzung ist. Auch hängt dies mit der spezifischen und persönlichen Kursauswahl zusammen. Die Kurse unterscheiden sich teilweise deutlich bezüglich

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SGH Haupthalle

Aufwand, anspruch und Niveau, was letzlich auch auf die recht große Bandbreite an ECTS zurückzuführen ist, welche von 3 Credits bis hin zu 7,5 ECTS für einen jeweiligen Kurs reicht. Die Benotung erfolgt dabei von Kurs zu Kurs nach unterschiedlich Kriterien, von klassischen Klausuren bis hin zu Präsentationen , Gruppenarbeiten sowie Essays und/oder Hausarbeiten ( oftmals auch miteinander kombiniert). Das Kursangebot empfand ich insgesamt als äußerst interessant und vielfältig, neben klassischen BWL & VWL-Kursen wie z.B. Mikroökonomik gab es auch viele Kurse, die die Thematik aus komplett anderen Blickwinkeln betrachteten. Auch werden Kurse angeboten, die nur entfernt etwas mit BWL zu tun hatten und beispielsweise auf die Verbesserung seiner soft Skills ausgelegt sind. Des Weiteren werden Anfänger- Sprachkurse (A1-Level) der polnischen Sprache für alle Studenten aus dem Ausland angeboten, die ich uneingeschränkt empfehlen kann. Zu Beginn des Semesters wird eine Orientierungswoche organisiert. Tagsüber werden seitens des dortigen International Office alle notwendigen Informationen bezüglich Formalie, Organisation sowie Kurswahl erklärt und präsentiert sowie diverse Aktivitäten ( Campustour, City-Sightseeing etc.) angeboten. Abends werden täglich von ESN Partys und/oder Pub-Crawls organisiert, auf denen man schnell sowohl seine zukünftigen Kommilitonen als auch das Warschauer Nachtleben kennenlernt. Was die Kursauswahl angeht, so unterscheidet sich das System deutlich von dem in Duisburg. So trifft man bereits vor der Abreise eine Vorauswahl an Kursen, welche dann im Laufe noch zweimal geändert werden kann. Dies ist auch meistens nötig, da z.B. Kurse nicht stattfinden, wen sich weniger als 3 Leute dafür angemeldet haben, was durchaus vorkommt. Insofern ist eine genaue Abstimmung auf das Studium in Duisburg etwas kompliziert. Den genauen Ablauf bekommt man jedoch im Voraus durch Informationsmaterial ausführlich erläutert. Ebenfalls Unterschiede gibt es bezüglich der Klausurphase. Da es kein zentrales Prüfungsamt gibt, entscheiden die Professoren und Dozenten recht frei über die Termine. Oftmals werden sog. „zero terms“ angeboten, welche bereits vor der eigentlichen Klausurphase ( ende Januar) abgehalten werden. Insgesamt ist man in der Planung recht flexibel und findet meistens mit dem Professor eine Lösung, falls einem persönlich mal etwas zeitlich nicht passt.

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SGH Außenansicht

Stadt und Freizeit

Die SGH befindet sich südlich des Zentrumsdistrikts (Srodmiescie) , an der nördlichen Grenze des Stadtteils Mokotow , und ist direkt an der Metrostation Pole Mokotowskie gelegen. Insofern ist sie sowohl mit der Metro als auch mit Bus und Straßenbahn gut und vom Zentrum auch schnell zu erreichen. ( 5-10 Min vom Zentralbahnhof).Generell ist es äußert einfach , sich in Warschau zurechtzufinden. Durch die Stadt verlaufen viele lange und gerade Alleen, auf denen auch die wichtigsten Straßenbahnlinien verlaufen. Es gibt zudem zwei Metrolinien, eine in Nord-Süd und eine in Ost-West Richtung. Die Bahnhöfe sind sauber und auch nachts sicher, da oftmals Wachpersonal anwesend ist.

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Der Kulturpalast, Wahrzeichen der Stadt

Eine Monatskarte für den ÖPNV in Warschau kostet für Studenten ca. 15€, ein 3-Monats Ticket etwa 35€. Erwähnenswert ist, dass Studenten bis 26 Jahre viele Vergünstigungen genießen. So zahlen sie generell für Bus& Bahn landesweit nur den halben Fahrpreis, was Reisen allgemein sehr günstig macht. Auch viele Kultureinrichtungen bieten ermäßigte Tarife („ulgowe“) für Studenten an. Wichtig hierbei ist, dass hierfür ein polnischer Studentenausweis vonnöten ist, den man natürlich auch erhält, jedoch sollte man immer daran denken diesen auch mitzuführen. Zum Einkaufen gibt es viele verschiedene Einkaufszentren, die größten sind dabei Zlote Terasy sowie das Arkadia. Die meisten Ausgehmöglichkeiten konzentrieren sich auf 2 Hauptstrassen: Während dabei auf der Mazowiecka-Strasse die meisten Clubs und gelegen sind, befinden sich auf der Strasse Krakowske Przedmiesce sowie Nowy Swiat viele Cafés, Bars und Restaurants. Ein
Geheimtipp sind hierbei die Pawillony, welche in einem Hinterhof im Nowy Swiat liegen. Es handelt sich dabei um ca. 30 direkt nebeneinander gelegene kleine Bars, welche sehr beliebt sowohl unter Erasmus- als auch einheimischen Studenten sind. Am nördlichen

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Altstadtmarkt im Winter

Ende der Krakowske Przedmiesce-Strasse befindet sich dabei die restaurierte Altstadt, in welcher sich einige empfehlenswerte polnische Restaurants befinden. Die Lebenshaltungskosten sind in Warschau im Allgemeinen geringer als in Deutschland. Vor allem Dienstleistungen (Kino, Cafes, Restaurants, Bars, Friseur etc.) sind deutlich günstiger. Technik und Kleidung kosten in etwa genauso viel wie in Deutschland, hierbei sollte immer der aktuelle Wechselkurs betrachtet werden. In Supermärkten sind die Preise unterschiedlich – während einheimische Produkte und Sachen für den tägliche Bedarf ebenfalls günstiger als hier sind, kosten ausländische Waren und Kosmetika mindestens genauso , nicht selten sogar mehr als in Deutschland. Insgesamt sind die Lebenshaltungskosten jedoch spürbar niedriger.

Land und Reisen

Reisen ist in Polen sehr günstig – vor allem für Studenten. Jeder Student erhält zu Beginn einen Studentenausweis ( Legitimacja) , die einen als Student an einer polnischen Hochschule ausweisen . Damit erhält man, neben vielen vergünstigen an Eintrittsgeldern (Museum, Kino etc. ) auch landesweit 50% Rabatt auf alle öffentlichen Busse und Bahnen. Insofern sollte man beim Verreisen immer darauf achten, ermäßigtes Ticket zu kaufen („Bilet ulgowy“). So zahlt man dann beispielsweise für eine Zugfahrt von Warschau nach Krakau (300km) nur ca. 6€. Daneben gibt es eine Vielzahl an privaten Busunternehmen, die ebenfalls günstige Reisen in Polen und oftmals auch über die Landesgrenzen hinaus anbieten. Der bekannteste ist hierbei ‘‘Polski bus‘‘. Da Übernachtungen und Verpflegung ebenfalls recht günstig sind, lohnt es sich einige Städtetrips zu unternehmen. Vor allem Krakau, Posen, Danzig und Breslau sind sehr sehenswert.

Fazit

Im Allgemeinen kann ich nur jedem empfehlen, ein Auslandssemester zu absolvieren. Es ist eine interessante Erfahrung, man lernt viele Leute aus verschiedenen Nationen kennen und erweitert seinen Horizont. Ich persönlich konnte in Warschau auch neben meinen Englisch- auch meine Polnischkentnisse auffrischen und erweitern. Warschau ist dabei eine große und lebenswerte Stadt, die viele abwechslungsreiche Möglichkeiten bietet und in der man sich, in Anbetracht der vergleichsweise günstigen Lebenshaltungskosten, vieles leisten kann. Es ist sicherlich kein „klassisches“ Ziel, bietet jedoch einen interessanten Einblick in die Kultur und Mentalität Polens.

innenstadtdistrikt
Innenstadtdistrikt

Ein Bericht von Dustin Syldatk

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