Semester in Lyon / Frankreich (7)

Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieser  Aufenthalt eine Bereicherung für mich war und mich in meinen Plänen bestärkt hat, auf dem deutsch-­‐französischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Auslandssemester am Institut d’Administration des Entreprises in Lyon, Université de Jean Moulin Lyon 3 August 2016 – Dezember 2016

1. Vor dem Aufenthalt und Vorbereitung

Während meines Masterstudiums an der Mercator School of Management entschied ich mich zu einem erneuten Auslandsaufenthalt mit dem Erasmus+ Programm von August 2016 – Dezember 2016. Erneut – da ich bereits zwei Jahre zuvor während meines Bachelors am IAE Lyon war und ich unbedingt in diese schöne Stadt zurückkehren wollte. Also nutzte ich die Möglichkeit und bewarb mich. Die Zusage kam sehr schnell, was mir genügend Zeit für die logistische Planung gab, obwohl ich diese nur im geringen Ausmaß ausführen musste, da die Uni und die Stadt keine Unbekannten für mich waren. Einzig die Wahl der passenden Kurse war die größte Herausforderung im Vorhinein. Nachdem ich also alle notwendigen Unterlagen ausgefüllt und an die Uni geschickt hatte, konnte ich mich voll und ganz auf die Kurswahl fokussieren. Ende Juni / Anfang Juli wird auf der Seite der IAE Lyon das sogenannte Livret de cours veröffentlicht mit allen angebotenen Kursen und Spezifizierungen der Creditpoint-­‐Anzahl.

2. Unterkunft

Die Wohnungssituation ist kurz gesagt angespannt und herausfordernd, wenn man Wohnheime oder überteuerte Einzelappartements meiden möchte. Für die Weiterentwicklung der Sprachkompetenzen bietet sich logischerweise WGs an, die am besten in Facebook Gruppen oder auf der Seite Carte des colocs zu finden sind. Persönlich hatte ich Glück, da ich in dieselbe WG von vor zwei Jahren einziehen konnte und mir somit der Stress einer Wohnungssuche erspart blieb. Wichtig zu wissen ist, dass das Preisniveau in Bezug auf Mieten mit Essen oder Duisburg wenig vergleichbar ist. Bis zu 500 Euro sollte man also budgetieren, wobei die Möglichkeit auf Wohngeld des französischen Staates besteht. Wenn man einmal den komplizierten und äußerst bürokratischen Ablauf des Antrags hinter sich hat, kann man sich über einen Zuschuss zwischen 90 – 180 Euro freuen je nach Wohnsituation. Nota bene: Für diesen Antrag beim CAF Amt ist eine internationale Geburtsurkunde notwendig, die beim Standesamt der Geburtsstadt ausgestellt wird. Generell sei noch hinzugefügt, dass die Mieten im Stadtzentrum (Vieux Lyon, Presqu’Île) teurer sind als Richtung Stadtrand bzw. in ruhigeren Wohnvierteln. Es bringt wie so häufig Vor-­‐ und Nachteile mit sich.

3. Studium und Uni

Meine hauptsächliche Motivation war, mein bereits gutes Französisch-­‐Niveau, welches ich dank meines Kulturwirt-­‐Bachelors mit der Vertiefungssprache Französisch erreicht habe, zu erhalten bzw. sogar auszubauen, auch in Angesicht einer späteren beruflichen Ausrichtung auf den deutsch-­‐französischen Arbeitsmarkt. Das IAE ist eine von mehreren Management Schools, die in die staatlichen Universitäten integriert sind. Diese sind also öffentlich und damit wenig vergleichbar mit der Landschaft der renommierten und statusorientierten Grandes Ecoles. Dennoch hat die IAE Lyon ein relative gutes Classement. Man kann an der IAE entweder einen englischen Parcours wählen, einen französischsprachigen oder eine relativ freiere Kombination aus beiden. Letzteres kann jedoch zu Überschneidungen von Kursen führen. Empfohlen ist, sich Kurse im Umfang von 30 Credits herauszusuchen, wobei ich jedoch eine etwas geringere Anzahl absolvieren konnte, da ich bereits am Ende meines Masters bin. Viele Kurse bestehen aus Cours Magistraux (Vorlesungen) und Travaux Dirigés (Tutorien). Die TDs sind meistens Pflichtveranstaltungen und finden in kleineren Gruppen von bis zu 25 Studenten statt. Häufig werden hier die Inhalte der Vorlesungen vertieft bzw. auf spezifische Fälle angewendet, was ich zum Teil als sehr praxisorientiert empfunden habe. In den TDs wird häufig ein Leistungsnachweis in Form eines Referats + Hausarbeit gefordert. Es empfiehlt sich daher, sich mit einheimischen Studenten zusammenzutun, sodass man keine vollständig internationale Gruppe bildet. Das Niveau der Kurse halte ich für etwas geringer als in Deutschland. Viele Inhalte im Master hatte ich bereits im Bachelor, was aber auch der Wahl der Kurse geschuldet sein kann. Negativ zu bewerten ist die mangelhafte Organisation der Kurswahl und der schlechte Kommunikationsfluss innerhalb der IAE. Bis man tatsächlich in einen Kurs vollständig eingeschrieben ist, müssen diverse Blätter ausgefüllt und mehrere Personen kontaktiert werden. Auch über ausfallende oder verlegte Termine wird man entweder nur knapp vorher oder gar nicht informiert. Das kann das Frustrationslevel tatsächlich in die Höhe treiben. Insgesamt haben mir die Kurse aber gut gefallen und einen interessanten Einblick in das französische Verständnis von Wirtschaftsabläufen gegeben.

4. Alltag und Leben in Lyon

Das Highlight meines Aufenthaltes war und bleibt wirklich die Stadt mit all ihre herzlichen Menschen und der tollen studentischen Atmosphäre. Gerade im Sommer bietet Lyon mit den zwei Flüssen Gelegenheiten, am Ufer das Apéro zu veranstalten und viele neue Leute zu treffen. Die Altstadt gehört zum Weltkulturerbe und das jährliche Lichterfest im Dezember zieht Millionen Touristen in die Stadt. Die Alpen und die Mittelmeerküste sind in wenigen Stunden entweder per Auto, oder noch schneller mit dem Zug gut erreichbar.

5. Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass auch dieser zweite Aufenthalt eine Bereicherung für mich war und mich in meinen Plänen bestärkt hat, auf dem deutsch-­‐französischen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Besonders das interkulturelle Verständnis entwickelt sich dank des Zusammentreffens unterschiedlichster Kulturen permanent weiter. Nicht zuletzt konnte ich mein Französisch, vor allem das „Business Französisch“, verbessern. Ich bin Lyon sogar über den rein universitären Aufenthalt hinaus erhalten geblieben und befinde mich gerade in einem dreimonatigen Praktikum.

Ein Bericht von Alexander Winkelhorst.

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