Auslandssemester an der ESC Troyes in Frankreich

“Vorher haben immer alle gesagt „es kommt nur auf die Leute an, die da sind“ und das kann ich nur bestätigen.”

Die Universität

Die zuständige Kontaktperson für Deutschland ist Laetitia Perquin, die sehr nett und hilfsbereit ist, besonders im Vorfeld. Vor Ort hatte ich mit ihr nicht mehr viel zu tun, da für die Kursbelegung etc. Ciska Seyssel zuständig ist. Am Anfang wurde eine Orientierungswoche für uns vom International Office organisiert, in der wir z.B. auch unsere Bankkonten eröffnet haben (bzw. damit begonnen haben). Die Beantragung des CAF wurde von Studenten organisiert und lief etwas holprig ab, da sie selbst nicht genau wussten, wie die Beantragung abläuft. Zudem fand sie ziemlich spät statt. Es ist aber gut möglich, dass es dieses Jahr eine Ausnahme war. Ich kenne von der Schule nur den Campus Brossolette. Dort gibt es einen alten und einen neuen Teil und einen, der grade fertig wurde, als wir abgereist sind. Der neue Teil ist modern, allerdings gibt es keine Heizung, wodurch es sehr, sehr kalt in den Vorlesungsräumen ist. Eine Cafeteria mit ständigem Betrieb wie bei uns gibt es nicht, Kaffee bekommt man aber an Automaten. Es gibt auch eine Mensa, in der ich aber nur während der Orientierungswoche gegessen habe, da man immer 4.95 für ein Essen zahlt und ich während des Semesters kaum einen ganzen Tag Uni hatte. Die Vorlesungen fangen morgens in der Regel um 9.45 an und enden um 13 Uhr. Dann ist eine Stunde Mittagspause und der Nachmittagsblock geht von 14 bis 17.15. Man bekommt einen Stundenplan, der wöchentlich anders und im Intranet abrufbar ist. Das Intranet ist generell eine gute Sache, dort finden sich neben dem Stundenplan noch Klausurtermine, Noten, ein Uploadbereich, das E-Mail-Postfach usw. Vorlesungstermine werden von der Schule recht häufig und spontan geändert, sodass es schwierig ist, weit im Voraus zu planen.

Kursinformationen

Generell ist zu den Kursen zu sagen, dass die meisten Noten aus einem schriftlichen Examen und entweder kontinuierlichen Tests, Hausarbeiten oder Präsentationen zusammengesetzt werden. Es können maximal 20 Punkte erreicht werden. Die Zeit troyes8während der Klausuren ist sehr großzügig bemessen. Generell besteht Anwesenheitspflicht, wobei das die meisten Lehrer für Erasmus-Studenten lockerer sehen. Die Termine zu den Vorlesungen sind oft zerpflückt, sodass es vorkam, dass ich sechs Wochen lang keine Vorlesung aus dem Kurs hatte. Es gibt keine Klausurphase wie bei uns, sondern die Klausuren werden über das Semester verteilt geschrieben. Meine letzte fand somit am 01.06. statt. Hier habe ich mir schon im Vorfeld die Kurse angeschaut: http://open.get-formation.fr/eng/siteanglais/recherche.php

Sich vorher damit auseinanderzusetzen, welche Kurse man wählen möchte, ist auf jeden Fall ratsam, da die Kurse sehr schnell voll sind. Während meines Auslandsaufenthalts habe ich folgende Kurse belegt:

Portfolio Management (3 ECTS)

  • 70% schriftliches Examen, 30% Präsentation

Law and Business Development (3 ECTS)

  • 60% schriftliches Examen, 40% Präsentation und schriftliche Fallbearbeitung
  • Bei gerechtfertigter Abwesenheit wurde 1 Minuspunkt, bei ungerechtfertigter 2 für die Gesamtnote verteilt
  • In Englisch, aber nur über französisches Wirtschaftsrecht

Employment Law and Social Law (3 ECTS)

  • Organisatorisch treffen die gleichen Punkte wie oben zu
  • Es wurde sowohl der französische Arbeitsvertrag als auch EU Recht behandelt

Corporate Social Responsibility (3 ECTS)

  • 100% schriftliches Examen
  • Bis zu 3 Bonuspunkte durch eine Debatte während des Kurses möglich
  • Sehr interessant, legt den Fokus stark auf ethische Aspekte

Contractual Usage and Legal Risk Management (2 ECTS)

  • 50% Mitarbeit, 50% Vertragsverhandlung
  • Mit Abstand der interessanteste Kurs, den ich besucht habe
  • David lehrt nicht nur Dinge, die im Syllabus stehen, sondern auch viel nebenbei
  • Das Examen stellt eine Vertragsverhandlung dar, in der ein Joint Venture in der Gruppe verhandelt wird. Am Ende sind die entsprechenden Verträge einzureichen

Séminaire intensif francais (4 ECTS)

  • 50% mündliche Prüfung, 50% schriftliche Prüfung
  • Unsere Lehrerin hat mit uns viele alltagsbezogene Themen bearbeitet, was sehr hilfreich war
  • Die mündliche Prüfung fand in einem französischen Restaurant statt, in dem wir unsere Bestellung aufgeben mussten

Francais semestre 2 (2 ECTS)

  • 80% schriftliches Examen, 20% Tell-me-more
  • Eine Stunde fällt während des Semesters aus und man muss stattdessen in Tell-me-more arbeiten, einem Onlineportal, in dem Übungen absolviert werden

Management Control (4 ECTS)

  • 30% Zwischenprüfung, 70% schriftliches Examen
  • Während der Kurszeiten haben wir hauptsächlich Aufgaben gerechnet

Die Stadt

Troyes ist zwar gemessen an der Einwohnerzahl nicht besonders klein, die Innenstadt ist aber überschaubar. Dennoch gibt es Läden wie H&M, Piplace-de-la-liberationmkie, Promod, noch ein paar andere Klamottenläden sowie Schuhläden und ein Kino. Cafés wie hier in Deutschland mit Kaffee, Kuchen und einem Sitzplatz habe ich etwas vermisst, aber es gibt Columbus Coffee und French Coffee, die ein ähnliches Angebot wie Starbucks führen. Selbstverständlich fehlen auch in Troyes die Produkte der hohen Patisseriekunst nicht und man findet reichlich Petits Fours, Macarons und Quiches. In der Innenstadt gibt es viele verschiedene Restaurants, von denen ich folgende besucht habe:

  • Sushi Yaki: 7 Rue Colbert
  • Rosaparks: 35 Rue Champeaux
    Sehr leckere und etwas andere Burger zu guten Preisen (Menu mit Burger und Pommes 9,95)
  • Pulp Sandwich: 74 Rue Urbain IV
    Ebenfalls sehr leckere und große Burger, die noch günstiger sind als bei Rosaparks
  • Tout Simplement: 29 Place Alexandre Israel
    Wein- und Champagnerbar, in der auch Essen serviert wird
  • Au coeur du bouchon: 14 Rue Colbert
    Bar mit schönem Ambiente
  • L’Odyssée: 19 Place Alexandre Israel
  • Le Sarrail: 3 Avenue Roger Salengro, 10600 Chapelle Saint Luc
    Hier hatten wir die mündliche Prüfung des Französischintensivkurses und haben französisch gegessen. Das Highlight waren Froschschenkel, die jeder mal probieren sollte, die man aber vorbestellen muss.

Anreise

Ich bin nach Troyes mit dem Thalys von Duisburg aus gefahren. Für das Ticket habe ich 40 Euro bezahlt. Der Zug fährt bis Paris Gare du Nord, dann muss man zum Gare de l’Est (entweder eine Station mit der Métro oder 10 Minuten zu Fuß), um von dort aus mit dem Intercité nach Troyes zu fahren. Das Ticket dafür habe ich im SNCF Shop vor Ort gekauft und den regulären Preis von 29,70 bezahlt. Man kann dort auch direkt die Carte Jeune kaufen, mit der man immer entweder 25 oder 50% Rabatt auf den regulären Preis zahlt. Der Rabatt ist sofort gültig, deswegen lohnt es sich, sie direkt am ersten Tag zu kaufen. Die Carte Jeune ist ein Jahr gültig und kostet einmalig 50 Euro. Außerdem benötigt man ein Passfoto.

Unterkunft

Ich habe in einem Haus mit vier anderen Mädels, davon eine Spanierin, eine Italienerin und zwei Finninnen gewohnt, das nur 3 Minuten zu Fuß von der Schule entfernt war. Lidl und Leaderprice sind ca. 5 Gehminuten entfernt und Casino 10. Das Haus hat fünf Zimmer, zwei Duschen, zwei Toiletten und eine offene Küche sowie ein Wohnzimmer. Zu dem Haus troyes5gehören drei Fahrräder, von denen während unseres Aufenthalts leider nur zwei funktionierten. Das Haus sah genauso aus wie auf den Fotos und ist modern und mit Ikea-Möbeln eingerichtet. Vorab sucht man sich zu einem bestimmten Stichtag eine Unterkunft im Intranet der Uni aus. Hier herrscht first come first serve, deswegen sollte man früh sein, da man erst noch die Angebote anschauen und auswählen muss. Man wohnt nur mit Austauschstudenten zusammen, wenn man über dieses Portal auswählt. Die Organisation durch die Uni war sehr angenehm, da man sich um nichts weiter kümmern musste, als eine Unterkunft auszuwählen und zu dem Termin mit dem Vermieter (der vorher von der Uni ausgemacht wurde) zu erscheinen. Lebensmittel sind tendenziell etwas teurer als in Deutschland, wobei es bei den Dicountern wie Lidl und Leaderprice auch sehr günstige Produkte gibt und man nach einiger Zeit weiß, wo man am besten welche Dinge kauft.

Reisen

Während meines Aufenthalts war ich öfter in Paris. Dort kann man für 14 oder 20 Euro mit dem Zug hinfahren (eine Fahrt 90 Minuten), wenn man die Carte Jeune besitzt. Einen Tagesausflug habe ich nach Reims gemacht. Dort ist es umständlich hinzukommen, am besten geht das mit Mitfahrgelegenheiten. Reims ist etwas größer und hat deutlich mehr Geschäfte als Troyes und ist auf jeden Fall einen Ausflug wert. Dort kann man auch diverse Champagnertouren machen, da die großen Häuser dort ihren Hauptsitz haben. Als meine Eltern mich besuchten, waren wir in Dijon, einer sehr hübschen Stadt, wobei die Innenstadt auch nicht riesig ist. Circa 15 Minuten von Dijon entfernt liegt ein großes Einkaufszentrum. Ein Auto ist in Troyes auf jeden Fall sehr vorteilhaft, wenn man Ausflüge in die Umgebung machen möchte, da man mit dem Zug nur gut nach Paris kommt. Der Lac de Foret d’Orient ist sehr hübsch, allerdings nur mit einem Auto zu erreichen.

Krankenversicherung

Ich war über die Familienversicherung meines Vaters versichert.

Freizeitaktivitäten

Die Studentenorganisationen haben vor allem in unserer Ankunftswoche viele Angebote organisiert, so gab es dort jeden Abend andere Aktivitäten. Es gab verhältnismäßig viele Partys, die alle im Cotton stattfanden. Außerdem gab es ein Café des Langues, das an jedem Termin im Zeichen einer anderen Sprache stand. Dort konnte man sich in Kleingruppen in der jeweiligen Sprache mit Muttersprachlern unterhalten, um seine Kenntnisse aufzubessern. Anfangs konnten wir über ein Ausflugsziel abstimmen (wie Disneyland, Lyon, etc.) und das mit den meisten Stimmen sollte als Reise angeboten werden. So einen Ausflug hätten gerne viele von uns gemacht, jedoch wurde dann doch ein anderes Ziel ausgewählt. Von meinen Mitbewohnerinnen weiß ich aber, dass im Wintersemester mehr Ausflüge stattfanden wie z.B. zum Weihnachtsmarkt nach Strasbourg und ins Disneyland.

Fazit

Die Punkte, über die ich oben berichtet habe, sind sicherlich wichtig und sollten nicht außer Acht gelassen werden, schließlich habe ich mich auch an ihnen orientiert, als ich mich auf mein Auslandssemester vorbereitet habe. Aber trotzdem sind sie für mich nicht das, was die vier Monate ausgemacht hat und was mir davon bleibt. Vorher haben immer alle gesagt „es kommt nur auf die Leute an, die da sind“ und das kann ich nur bestätigen. Ich habe in den vergangenen vier Monaten nicht nur viele Leute aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen kennengelernt, sondern auch echte Freunde gefunden. In jedem Fall empfehle ich jedem, in eine WG zu ziehen. So hat man von der ersten Minute an Kontakt zu anderen, die in der gleichen Situation sind und man kann sich bei Fragen gegenseitig helfen. Ich hatte das Glück, dass ich zwei Mädels in meiner WG hatte, die schon ein Semester in Troyes waren und so genau wussten, wie die Uni läuft, wie wir CAF beantragen, einen Handyvertrag abschließen usw. Auf der anderen Seite hatte ich noch zwei, die gleichzeitig mit mir ankamen und mit denen ich so die ersten Tage in der Schule verbrachte und neue Leute kennenlernte. Andere Kulturen im alltäglichen Leben troyes14Zuhause kennenzulernen, ist nochmal was anderes als nur für ein paar Stunden am Tag. Und für die Englischkenntnisse ist es natürlich auch nicht verkehrt. Ich habe einen Handyvertrag mit einer französischen Nummer bei Free Mobile abgeschlossen. In der Stadt gibt es einen Free Shop, in dem es zwar immer sehr voll, aber zum Glück recht unkompliziert ist, eine neue Simkarte zu bekommen. Ich hatte einen Vertrag für 19,99 mtl., mit dem ich unbegrenzt Sms in’s französische Netz schreiben und telefonieren konnte. Außerdem konnte ich unbegrenzt in’s deutsche (und viele weitere Länder) Festnetz telefonieren und hatte 3 Go (hätte mein Handy es gekonnt, wären es 4 Go gewesen) Internet gehabt, die ich in keinem Monat auch nur annähernd aufgebraucht hätte. Besteht der Vertrag mindestens 60 Tage, profitiert man von dem Pass Destination in vielen europäischen Ländern. D.h. dass man alle Bestandteile des Vertrages auch im Reiseland nutzen kann und zusätzlich noch freies Telefonieren in das jeweilige Fest- und Handynetz des Reiselandes hinzukommt. Viele meiner Freunde hatten die Flatrate für 2 Euro monatlich und sind auch damit ausgekommen. Bei Free gibt es nur diese beiden Alternativen, allerdings können die Verträge immer mit Vorlauf von ein paar Tagen gekündigt werden. Ich habe monatlich CAF i.H.v. 92,80 bekommen, wobei es sehr aufwendig ist, das Wohngeld zu beantragen und man eigentlich auch nur dafür die französische Geburtsurkunde braucht, die man im Intranet hochladen muss. Ich habe für die 30 Euro bezahlt, da sie beglaubigt sein muss. Das CAF wird in voller Höhe auf den BAföG-Betrag angerechnet, weshalb es sich für BAföG-Bezieher im Grunde nicht lohnt, CAF zu beantragen.

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