Mein Studium an der Plekhanov Universität in Moskau- Wintersememster 17/18

“Ich habe meine Ziele, mein Russisch zu verbessern, das Land und die Menschen kennenzulernen und in einem fremden Land zurecht zu kommen, alle erreicht. Спасибо, Москва! Ich werde mich immer wieder gerne an diese Zeit zurückerinnern!”

Bericht zum Auslandssemester in Moskau

Ich habe mich aus verschiedenen Gründen dazu entschieden das Wintersemester 2017/18 an der Plekhanov Universität in Moskau zu verbringen. Zum einen war es mir ein großes Anliegen meine bereits vorhandenen Vorkenntnisse der russischen Sprache zu verbessern, und zum anderen das Land, die Menschen und die Kultur kennen zu lernen.

Im Rahmen meiner Vorbereitungen waren Bewerbungs- und Visaverfahren ein großes Thema. Es ist wichtig mit beiden Angelegenheiten frühzeitig zu beginnen, da ohne Visum eine Einreise in die russische Föderation nicht möglich ist. Neben den üblichen Dokumenten und Formularen, die online verfügbar sind, ist es zudem notwendig eine Einladung der russischen Universität und das Ergebnis eines HIV-Tests einzureichen.

An dieser Stelle möchte ich die gut organisierte und persönliche Betreuung der Auslandsstudenten durch das Buddy-System hervorheben, welche bereits vor Start des Auslandssemesters (06.09.2017 – 31.01.2018) begann. Die russischen Buddys haben in der Regel 2-3 Auslandsstudenten betreut. In meinem Fall habe ich bereits im August eine erste E-mail von meinem Buddy erhalten, in welcher ich herzlich begrüßt und informiert wurde. Die weitere Kommunikation lief über soziale Medien, wie Facebook, WhatsApp oder Skype. Ich konnte ihr jederzeit alle meine Fragen stellen, beispielsweise über Gepäck, das Leben im Studentenheim oder der Universität. Als ich dann in Moskau ankam, hat sie mich von einem Bahnhof abgeholt und mir die ersten Schritte erleichtert, indem wir direkt eine russische SIM-Karte und eine Troika Karte (später mehr dazu) besorgt haben und sie mir die wichtigsten Örtlichkeiten gezeigt hat. Die Ankunft und Anmeldung im Studentenheim lief Dank ihrer Hilfe auch reibungslos. Die ganze Zeit über war sie in gewisser Weise für mich verantwortlich und hat ihre Aufgabe ernst genommen und gerne einen Teil ihrer Freizeit für uns geopfert. Neben der unterstützenden Funktion haben die Buddys durchgehend Events, Ausflüge und Aktivitäten für die Auslandsstudenten organisiert, wie zum Beispiel Besuche von Museen, Theatern und Basketball- oder Eishockey Spielen, sportliche Angebote wie Skifahren, Eislaufen oder Schießen oder auch Reisen. Die Auslandsstudenten konnten also von einem umfangreichen kulturellen Angebot profitieren. Weitere Ansprechpartner waren das “International Office”, wenn es um Visafragen, und der “International Academic Coordinator”, wenn es um studiumsbezogene Fragen geht.

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Der Hauptcampus liegt im südlichen Zentrum von Moskau, sodass der Rote Platz innerhalb einer guten halben Stunde zu Fuß erreichbar ist. Zudem liegen drei Metrostationen in unmittelbarer Nähe. Der Campus besteht aus 8 Gebäuden, welche man ausschließlich mit seiner Zugangskarte betreten kann. Die Vorlesungsräume sind in der Regel gut ausgestattet. Zudem gibt es in fast jedem Gebäude Gelegenheiten sich Essen für wenig Geld zu besorgen, ob es sich nun um kleine Kioske mit Snacks oder größere Kantinen handelt. Der Unterricht findet in englischer Sprache, und für die Bachelor Studenten tagsüber und für Master Studenten abends statt. Die Art des Unterrichts und der Prüfungsleistungen variiert von Professor zu Professor. Oftmals fließt die mündliche Leistung mit in die Endnote ein. Zudem kann es vorkommen, dass neben normalen Klausuren Zwischentests, Projekte, Präsentationen oder Paper anfallen. Neben den fachorientierten Kursen, werden auch Sprachkurse angeboten, sodass die ausländischen Studenten die Gelegenheit haben Russisch zu lernen. Dabei gibt es sowohl Kurse für Anfänger als auch Fortgeschrittene. Ich persönlich fand den von mir besuchten Fortgeschrittenen Kurs sehr lehrreich und konnte Fortschritte erzielen. Ansonsten gibt es auch eine Vielzahl an sportlichen Angeboten, sowie ein Hallenbad und ein Fitnessstudio auf dem Campus.

Während der Bewerbung konnte ich direkt angeben, ob ich einen Platz im Studentenheim in Anspruch nehmen möchte, welches direkt am Campus liegt. Dies war an keine Bedingungen geknüpft, sodass jeder Auslandsstudent, der sein Häkchen bei “Ja” gesetzt hat, automatisch einen Platz bekommen hat. Bei dem Studentenheim handelt es sich um ein 16-stöckiges Gebäude, wobei die ausländischen Studenten größtenteils auf dem 4. und 5. Stockwerk leben. Die Zimmer sind in 5-er Blocks unterteilt. Das bedeutet, pro Block gibt es ein 2er und ein 3er Zimmer und zu fünft teilt man sich ein Bad und eine Toilette. Zudem gibt einen Gemeinschaftsraum und eine Küche pro Stockwerk, welche man sich dann mit ca. 60 anderen Studenten teilt. Zu der Ausstattung des Zimmers gehören ein Bett, ein Nachttisch, ein Schreibtisch und ein Kleiderschrank pro Person. Auch Bettwäsche und ein Handtuch werden einem gestellt. Diese kann man einmal in der Woche in der hausinternen Wäscherei austauschen. Seine eigene Wäsche wäscht man selbst in einer der 2 Waschmaschinen, die sich auf dem 5. Stockwerk befinden. Ebenfalls im 5. Stock befindet sich das Büro der Administratorin. Es ist wichtig zu wissen, dass in Russland Sicherheit und Betreuung eine große Rolle spielen. So kann das Studentenheim nur mit einer Zugangskarte betreten werden, Gäste müssen sich an feste Besuchszeiten halten und ihren Pass abgeben. Dafür sitzen am Eingang rund um die Uhr Sicherheitsmänner und eine weitere Administratorin, welche die Studenten im Blick behält. Die Administratoren sorgen für reibungslose Abläufe im Studentenheim, verwalten zum Beispiel Ankünfte und Abreisen oder stellen sicher, dass die Studenten des zuständigen Zimmers am Ende des Tages die Küche putzen. Zudem gibt es wöchentliche Zimmerkontrollen. Was jetzt alles auf den ersten Blick nach einem anstrengenden Wohnen klingt, entpuppt sich nach einer kurzen Eingewöhnungsphase aber als sehr eine sehr schöne und familiäre Wohnatmosphäre. Die Auslandsstudenten, mit denen man täglich zusammen wohnt, kocht und seine Freizeit verbringt, werden sehr schnell zu engen Freunden. Da ein großer Teil des sozialen Lebens im Studentenheim stattfindet, empfehle ich es jedem, diese Gelegenheit zu nutzen. Außerdem ist es mit umgerechnet ca. 50€/Monat mit Abstand die kostengünstigste Variante.

Mit 12,4 Millionen Einwohnern kann man bei Moskau von einer richtigen internationalen Metropole sprechen, in der es nie langweilig wird. Am einfachsten bewegt man sich von A nach B mit der Metro, welche nicht nur die schnellste und effizienteste Möglichkeit, sondern mit ihrer historischen Architektur in den Metrostationen eine echte Touristenattraktion darstellt. Mit der wiederaufladbaren Troika Karte kostet eine Fahrt 36 Rubel (ca. 50 cent). Des Weiteren gibt es in Moskau auch Busse und Straßenbahnen. Nachts sind Taxis eine gute und im Vergleich zu Europa günstige Alternative, wenn die Metro von 1 bis 5 Uhr morgens geschlossen ist. Allerdings empfehle ich es sich ein Taxi mit der “Uber” oder “Yandex Taxi” App zu bestellen, da die Taxifahrer sonst oftmals höhere Preise verlangen, wenn ihre Gäste Ausländer sind. Ansonsten ist das Leben in Moskau sehr abwechslungsreich. Wer sich für Kultur interessiert, den wird es freuen, dass man mit seiner Studentenkarte starke Ermäßigungen für Eintritte in Museen und Theater erhält. So kann man sich beispielsweise für nur 100 Rubel (1,45€) Veranstaltungen im berühmten Bolshoi Theater ansehen. Zudem ist die Gastronomie sehr vielfältig, wobei mir besonders die vielen georgischen, usbekischen und asiatischen Restaurants aufgefallen sind. Wer gutes günstiges russisches Essen probieren möchte, wird bei “Mu-Mu” oder “Varenichnaya No.1” auf seine Kosten kommen. Weitere Orte, die man in Moskau gesehen haben muss, sind unter anderen der Rote Platz, der Kreml, die Kathedralen (insb. Basilius und Christ Erlöser Kathedrale), die Parks (insb. Gorky Park, Park VDNH), das Business Zentrum und der Izmailovo Markt, in welchem man Souvenirs kaufen und den besten Schaschlik der Stadt probieren kann.

 

Auch wenn Moskau eine unglaubliche Stadt ist, habe ich meine Zeit natürlich auch genutzt, um mehr von Russland zu sehen. Da die nationalen Flüge in der Regel sehr günstig sind, hatte ich die Möglichkeiten viele kleine Reisen an den Wochenenden zu unternehmen. Besonders gut haben mir dabei die Städte Sankt Petersburg, Sotschi und Kazan gefallen. Ein besonderes Erlebnis war auch meine Reise auf die Halbinsel Krim, welche vor wenigen Jahren noch Teil der Ukraine war. Der krönende Abschluss meines Aufenthalts in Russland war aber meine letzte Reise mit der transsibirischen Route mit dem Zug durch das ganze Land bis nach Wladiwostok. Dabei hatte ich die Möglichkeit zum einen viele Städte und Landschaften in Russland zu sehen (Jekaterinburg, Nowosibirsk, Irkutsk und Wladiwostok) und zum anderen während den zahlreichen Stunden im Zug viele unterschiedliche Menschen kennenzulernen. Ein besonderes Highlight war es den Baikalsee, den tiefste See der Welt, zu sehen. Auch wenn das eine Reise ist, zu welcher viele wahrscheinlich eher im Sommer oder Frühling raten würden, bereue ich es nicht, sie im Januar gemacht zu haben, da gerade die eisigen Temperaturen von bis zu -26 Grad einen besonderen Teil der Erfahrung dargestellt haben.

 

 

Insgesamt bewerte ich meinen Aufenthalt in Russland als durchweg positiv, da meine Erwartungen mehr als übertroffen wurden. Zunächst einmal hat mich Moskau an sich sehr beeindruckt, da die Stadt sehr viel moderner, sicherer und besonders zur Weihnachtszeit schöner ist, als es viele erwarten würden. Das gemeinschaftliche Leben im Studentenheim hat dazu geführt, dass ich mich schnell eingelebt und wie zu Hause gefühlt habe, was durch die viele Unterstützung durch die Buddys noch verstärkt wurde. Allerdings gibt es auch viele Dinge zu beachten. Ich empfehle jedem, der es in Erwägung zieht für längere Zeit in Russland zu leben, Russisch zu lernen. Selbstverständlich ist es eine schwierige Sprache, allerdings können selbst in Moskau nur wenige Leute Englisch sprechen, daher empfiehlt es sich zumindest einen Basiswortschatz zu lernen, um einfacher nach dem Weg fragen oder sich mit Leuten unterhalten zu können. Die Menschen sind in der Regel auch freundlicher, wenn sie merken, dass man versucht mit ihnen Russisch zu sprechen. Des Weiteren muss man sich darauf einstellen, dass die Bürokratie in Russland sehr langsam ist. Wenn man also ein Dokument ausfüllen lassen muss oder ähnliches, sollte man viel Geduld mitbringen und so früh wie möglich damit beginnen die zuständigen Büros zu kontaktieren.
Trotz kleiner Schwierigkeiten bin ich sehr froh, mich für Moskau entschieden zu haben. Ich habe meine Ziele, mein Russisch zu verbessern, das Land und die Menschen kennenzulernen und in einem fremden Land zurecht zu kommen, alle erreicht. Auch aus akademischer Sicht, war es ein sinnvoller Aufenthalt, da die dortigen Kurse sehr interessant und lehrreich waren. An der Betreuung von beiden Seiten habe ich auch absolut nichts auszusetzen. Ich konnte mich stets an meine bereits oben erwähnten Ansprechpartner wenden und mir wurde gerne weitergeholfen. Aus all den genannten Gründen kann ich daher ein Auslandssemester in Moskau nur weiterempfehlen und kann selbst nur sagen:
Спасибо, Москва! Ich werde mich immer wieder gerne an diese Zeit zurückerinnern!

 

Dies ist ein Bericht von Ella Fink.

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